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Schicksal

02.01.2019

Kinderwunsch trotz Krebs: Vom schweren Kampf für ein Baby

Vor zwei Monaten kam die gemeinsame Tochter von Thomas Aberel aus Bellenberg und Simone Schrötter aus Schwendi zur Welt.
Bild: Jonathan Mayer

Plus Vor sechs Jahren erkrankte Simone Schrötter aus Schwendi an Brustkrebs. Trotzdem hatte sie einen Wunsch: ein Kind. Die Frau entschied sich, schwanger zu werden.

Es war eine einfache Umarmung, die das Leben von Simone Schrötter und Thomas Aberel für immer verändert hat: Eines Tages legte er seinen Arm um seine Freundin und drückte sie. So wie viele Paare das tun. Doch Aberel spürte dabei etwas Seltsames, einen Knoten in der Brust seiner Freundin. Wenige Wochen später erhielt die Frau aus Schwendi (Kreis Oberschwaben) die niederschmetternde Diagnose: Krebs. Ein bösartiger Tumor wächst in ihrer Brust. Das war vor ziemlich genau sechs Jahren, im Januar 2013. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Es folgten ein langer Kampf gegen den Krebs – und eine Geburt, an die schon niemand mehr glaubte.

Wenn Schrötter über ihre Krankheit erzählt, spricht sie ganz ruhig. Von der Aufregung, der Angst und der Erschöpfung ist kaum etwas zu spüren. Vor sechs Jahren war das anders. „Das war ein krasser Schlag. Ich war wie in einem Tunnel und habe um mich herum gar nichts mehr mitbekommen.“ Krebs, sagt sie, liege bei ihr in der Familie. Vier Personen aus ihrer nahen Umgebung seien daran erkrankt.

Krebs: Nach der Diagnose begann ein Kampf

Nach der Diagnose begann ein langer Kampf – auch, weil die Erkrankte einen Wunsch hegte, der in Erfüllung gehen sollte. Sie wollte unbedingt Mutter werden. „Das erste, was ich nach der Diagnose zu meinem Arzt gesagt habe, war: ’Ich will noch ein Kind bekommen.‘“ Schrötter begann den Kampf gegen die heimtückische Krankheit mit einer Chemotherapie, fand dabei neue Freunde. Sie nannten sich die „Dienstagsdamen“, weil sie sich immer dienstags bei der Therapie trafen. So mancher Arzt riet der 37-Jährigen von einer Schwangerschaft ab, zu gefährlich sei das, auch wegen des vorangeschrittenen Alters. Ihre neuen Freunde hielten jedoch zu ihr, unterstützten sie, bestärkten sie, berichtet Schrötter. Die Frau ließ vorsorglich Eierstockgewebe einfrieren. In der ganzen Zeit, sagt sie, sei ihr Freund ihre größte Stütze gewesen. „Er war immer für mich da.“ Es gebe Männer, sagt sie, die ihre Freundinnen nach einer solchen Diagnose verließen. Thomas Aberel, der aus Bellenberg kommt (Kreis Neu-Ulm), blieb bei ihr.

Die beiden hatten Glück: Die Chemotherapie schlug an, der Tumor schrumpfte, verschwand irgendwann komplett. Während der Operation, bei der die letzten Reste des Geschwürs entfernt wurden, fanden die Ärzte keine weiteren Spuren der Krankheit. „Ein Wunder“, sagt Schrötter. Doch mit der Schwangerschaft wurde es erst einmal nichts. Zu durcheinander, zu erschöpft sei ihr Körper wohl gewesen. Fünf Jahre musste die Frau aus Schwendi warten, bis sie ein Kind bekommen konnte. „Nach einer Chemotherapie ist das normal“, erklärt sie.

Ramona, Tatjana und Irene Schwägerl (von links) klären beim Kreisreiterball in Tiefenbach über Brustkrebs und Vorsorgeuntersuchungen auf.
Bild: Felicitas Macketanz


Dann kommt der Januar 2018. Schrötter hat lange genug gewartet. Nun ist sie 43 Jahre alt – und endlich schwanger. Obwohl sich ihr Traum nun erfüllt, kann sie sich nicht so richtig freuen. „Da war dann mehr die Vorsicht im Vordergrund. Plötzlich war das alles so real.“ Es ist eine Risikoschwangerschaft, dessen war sie sich bewusst. Aber nicht nur wegen der Krebserkrankung. Denn bei schwangeren Frauen über 35 Jahren steige die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby am sogenannten Downsyndrom, an einer körperlichen und geistigen Behinderung, leidet, auf 1 zu 400. Bei über 40-Jährigen stehe sie sogar bei 1 zu 109. Doch ihr Wunsch nach einem Kind sei stärker gewesen als die Angst davor.

Schrötter hat erneut Glück. Die Schwangerschaft verläuft ohne Komplikationen, die Geburt ebenso. Im Oktober kommt ihr Kind dann auf natürliche Weise auf die Welt – und ist gesund. Während der Schwangerschaft, sagt sie, habe sie nie Angst gehabt, nicht um ihr Kind, nicht vor etwaigen Konsequenzen. Heute schon. Was ist, wenn der Krebs zurückkommt? Zehn Jahre, heißt es, braucht der Körper nach einer Krebserkrankung, um vollkommen gesund zu werden. Schrötter sagt: „Wenn in der Zeit der Tumor nicht zurückkommt, habe ich den Krebs sehr wahrscheinlich besiegt.“ Trotzdem: Ihre Tochter trägt den Nachnamen des Vaters, nur für den Fall.

Das größte Glück: Wenn die kleine Tochter lächelt

Ihr Leben und auch das ihres Lebensgefährten hätten sich seit 2013 radikal verändert, sagt Schrötter. Auch die Denkweisen des Paares. „Man lernt die kleinen Dinge mehr zu schätzen. Wenn unsere Tochter nur lächelt, ist das das größte Geschenk für mich“, sagt die Frau. Viele Kleinigkeiten, über die sie sich früher beschwert habe, machten ihr heute nichts mehr aus. „Manchmal merkt man erst durch so einen Schlag, wie gut es einem geht.“ Neben ihrer Tochter sei ihr heute vor allem eines wichtig: „Ich will anderen Menschen Hoffnung geben. Nur, weil man denkt, es ist vorbei, ist es das noch lange nicht.“ Denn ihr Traum ging schließlich in Erfüllung, trotz der vielen Strapazen. Dankbar ist die Frau aus Schwendi den Ärzten und ihrem Freund. Aber auch ihren Freundinnen, den „Dienstagsdamen“. Die nennen sich nun übrigens „Dienstagstanten.“

Ein ähnliches Schicksal: Lesen Sie mehr über die Geschichte von Tatjana Schwägerl aus Bellenberg: Brustkrebs mit 26: Im Sattel kann sie die Krankheit vergessen .

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