Newsticker

Söder warnt vor einer Lockerung der Corona-Regeln über Silvester
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Kindesmissbrauch: Viele Fragen zum Prozess-Auftakt

Unterallgäu

18.06.2013

Kindesmissbrauch: Viele Fragen zum Prozess-Auftakt

Symbolbild: Ein Frührentner soll ein fünfjähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Danach hat er sich selbst angezeigt, doch nun kann er sich vor Gericht nicht mehr an die Tat erinnern.
Bild: Alexander Kaya

Ein Frührentner soll ein fünfjähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Danach hat er sich selbst angezeigt, doch nun kann er sich vor Gericht nicht mehr erinnern.

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, musste die Polizei nach Aussage eines Kripobeamten am untersten Rand der Gesellschaft ermitteln. Klären ließ sich der Sachverhalt in einem sonderbaren Fall von mutmaßlichem sexuellen Missbrauch sexuellen Missbrauch eines fünfjährigen Mädchens dabei nicht. Des Missbrauchs angeklagt ist ein Frührentner aus einem Ort in der Verwaltungsgemeinschaft Babenhausen.

Ein unklarer Fall - Die Polizei soll weiter ermitteln

Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Memmingen setzte seine Hauptverhandlung erst einmal aus und lässt die Polizei im Umfeld des Angeklagten weitere Ermittlungen anstellen. Danach soll ein Gutachter feststellen, ob der Angeklagte zur Tatzeit und zum Zeitpunkt der Selbstanzeige überhaupt schuldfähig war. „Wenn Sie es waren, wandern Sie in Haft“, eröffnete der Vorsitzende Richter Markus Veit dem Frührentner. Der allerdings hat keinerlei Erinnerung mehr. Weder an den sexuellen Missbrauch des Kindes, noch an den Tag, als er sich gegenüber der Polizei dieser Tat bezichtigte. Damals hatte er etwa 2,6 Promille Alkohol und möglicherweise auch das Psychopharmaka Diazepam im Blut.

Im Bekanntenkreis des Angeklagten wird regelmäßig Alkohol getrunken

Vor Gericht sitzt ein zitternder und laut Verteidiger Michael Bogdahn schwerstkranker Mann. Aussagen machte er nicht. In den Zuhörerreihen des Gerichtssaals haben Personen aus seinem Bekanntenkreis Platz genommen. In dem Kreis wird, daraus macht niemand ein Hehl, gewaltig und regelmäßig dem Alkohol zugesprochen. Die Leute seien, so zitiert Veit einen Richterkollegen aus einer früheren Verhandlung, das Trinken gewöhnt.

Und mittendrin lebten bis 2010 zwei kleine Kinder – ein Bub mit seiner jüngeren Schwester. Die Mutter gehörte zu dem Trinkerkreis. Als sie einmal in Haft musste, so hieß es vor Gericht, kamen die Kinder zu Pflegeeltern und der mutmaßlich sexuelle Missbrauch des Mädchens ans Tageslicht. Das Kind hatte in seinem neuen Zuhause offenbar Andeutungen in diese Richtung gemacht und diese im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Klinikums Memmingen wiederholt. Danach hatte die Mutter ihre Kinder öfter bei dem Angeklagten übernachten lassen und Ende 2009 oder Anfang 2010 einmal die damals fünfjährige Tochter alleine. Der Angeklagte soll an dem Tag Pornos angeschaut und anschließend das Kind aufgefordert haben, ihn zu befriedigen. Das kam zur Sprache, als sich der Mann zweieinhalb Jahre später, im Juli 2012, wegen dieser Tat bei der Polizei selbst anzeigte.

Einige der Männer nahmen bei der Geburtstagsfeier irgendwelche Tropfen ein

Es war der Tag einer Geburtstagsfeier. Die Mutter war inzwischen aus der Haft entlassen, ihre Kinder blieben aber bei den Pflegeeltern. Eine größere Gesellschaft feierte und trank. Einige der Männer, darunter möglicherweise der Angeklagte, warfen dazu irgendwelche Tropfen ein. Das sagte die Frau als Zeugin vor Gericht aus. Ein Zuhörer informierte das Gericht, dass es sich um Diazepam gehandelt haben könnte. Alle waren entweder betrunken oder wegen der Tropfen völlig weggetreten. Keinerlei Erinnerung. Niemand wusste, wann und warum der 52-Jährige bei der Polizei angerufen hatte. „Ich traue ihm so eine Tat eigentlich nicht zu“, erklärte die Mutter dem Richter. Sie habe bei der Tochter, zu der sie regelmäßig Kontakt hat, auch keine Veränderungen feststellen können.

Die Polizei muss nun den ominösen Tropfen nachspüren

Nach der Zeugenaussage waren sich Richter, Staatsanwalt und Verteidigung einig, die Verhandlung nicht fortzuführen. Die Polizei soll nun Gäste der Geburtstagsparty zu den Tropfen befragen. Mit dem Ergebnis dieser Vernehmungen wird ein Gutachter beauftragt, die Schuldfähigkeit des Angeklagten zu prüfen. Dem heute neunjährigen Mädchen soll eine Aussage vor Gericht nach Möglichkeit erspart bleiben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren