1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Kindsmissbrauch: Pfarrer droht Strafbefehl

30.08.2010

Kindsmissbrauch: Pfarrer droht Strafbefehl

Pfarrer Mahl sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Foto: arc
Bild: arc

Augsburg/Kellmünz Der Bobinger Pfarrer Albert Mahl soll im Frühjahr 2002 im Religionsunterricht ein damals neun Jahre altes Mädchen wiederholt unter der Bekleidung an der Brust gestreichelt haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Staatsanwaltschaft Augsburg nach ihren Ermittlungen gegen den Bobinger Stadtpfarrer und Dekan, der auch in Neu-Ulm aus seiner Zeit als Vikar bei St. Johann Baptist bekannt ist.

Die Staatsanwaltschaft stuft die Tat als sexuellen Missbrauch von Kindern und zugleich von Schutzbefohlenen ein und hat beim Amtsgericht Augsburg einen Strafbefehl beantragt. Gegen Pfarrer Mahl soll eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 4000 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung verhängt werden.

Richterin prüft Antrag der Staatsanwaltschaft

Der Antrag der Staatsanwaltschaft wird derzeit von der zuständigen Richterin geprüft. Falls das Gericht der Einschätzung der Staatsanwaltschaft zustimmt, wird der Strafbefehl umgehend Pfarrer Mahl zugestellt. Wenn Mahl nicht innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegt, gilt der Strafbefehl wie ein Urteil in einem Strafverfahren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Von ihrem Schritt hat die Staatsanwaltschaft bereits die Diözese Augsburg informiert. Dies geschieht grundsätzlich bei allen Strafverfahren, die gegen Mitarbeiter von Behörden oder anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts eingeleitet werden. Wie das Amtsgericht in seiner gestrigen Pressemitteilung erläuterte, wird Pfarrer Mahl konkret zur Last gelegt, im Frühjahr 2002 "bei drei verschiedenen Gelegenheiten im Rahmen des Religionsunterrichts" einer damals knapp zehn Jahre alten Schülerin "unter der Bekleidung an die Brust gegriffen und sie dort gestreichelt zu haben, um sich sexuell zu erregen". Dies stuft die Anklagebehörde als sexuellen Missbrauch von Kindern ein.

Als Strafrahmen für diese Tat gibt das Gesetz sechs Monate bis zehn Jahre vor. Pfarrer Mahls Rechtsbeistand, der Augsburger Rechtsanwalt Nikolaus Fackler, wurde am Mittwoch vom Schritt der Staatsanwaltschaft informiert, hatte aber noch keine Gelegenheit, mit Pfarrer Mahl darüber zu sprechen. Sein Mandant hält sich zurzeit nicht in Deutschland auf, teilte er auf Anfrage unserer Zeitung mit, er sei aber für die Justiz jederzeit erreichbar.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat in einem anderen Vorwurf gegen Pfarrer Albert Mahl das Ermittlungsverfahren "wegen erwiesener Unschuld" vor einigen Wochen eingestellt. Wie berichtet, hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe aus Bobingen ein heute 32-jähriger Mann aus Neu-Ulm und dessen Vater Mahl beschuldigt, er habe sich im Jahr 1986 dem damals acht Jahre alten Buben im Pfarrhaus von Kellmünz in der Dusche unsittlich genähert.

Vielleicht drohen dienstrechtliche Konsequenzen

Bei Vernehmungen durch die Polizei blieb aber kein strafrechtlich bedeutsamer Sachverhalt bestehen. "Mir war wichtig, dass der Beschuldigte und sein Arbeitgeber wissen, dass diese Vorwürfe aus der Luft gegriffen waren", so Oberstaatsanwältin Renate Thanner gegenüber unserer Zeitung. Die Diözese Augsburg zeigte sich in einer Presseerklärung "sehr betroffen" über den Vorwurf gegen ihren Pfarrer und Dekan. Man nehme die Angelegenheit sehr ernst, heißt es dort.

"Sollte der Strafbefehl rechtskräftig werden, hat dies selbstverständlich für den Beschuldigten dienstrechtliche Konsequenzen", schreibt Pater Gerhard Eberts, der Pressesprecher des Bistums, die könnten bis zu Einschränkungen bei der Ausübung seines priesterlichen Dienstes gehen. Doch solange noch kein rechtskräftiger Strafbefehl vorliege, könne keine abschließende Entscheidung getroffen werden.

Die Diözese weist auch darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Memmingen bei anderen Vorwürfen gegen Pfarrer Mahl, die ins Jahr 1986 zurückreichen, die Ermittlungen wegen erwiesener Unschuld eingestellt habe.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_6721.tif
Klosterbeuren

Unverhoffter Geldsegen: Klosterbeurerin gewinnt das Rätselspiel unserer Zeitung

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen