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Vöhringen

23.11.2015

Kirchen sollen Räume für Flüchtlinge anbieten

Vor Beginn der Flüchtlingskonferenz unterhielten sich angeregt (von links) Landrat Thorsten Freudenberger, Dekanin Gabriele Burmann, Dekan Markus Mattes und Pfarrer Jochen Teuffel.
Bild: Ursula Katharina Balken

Bei der ersten ökumenischen Flüchtlingskonferenz im Landkreis Neu-Ulm diskutieren Helfer, Kirchen und Ämter über Probleme – und mögliche Lösungen.

Rund 60 Besucher hatten sich im evangelischen Gemeindehaus zusammengefunden, begrüßt von Dekanin Gabriele Burmann. Sie sprach von einer besseren Koordination, wo man noch mehr tun könnte und meinte damit bessere Kontakte der Hilfsgruppen untereinander.

Fakten legte Landrat Thorsten Freudenberger auf den Tisch. Der Landkreis müsse jede Woche mit 60 neuen Flüchtlingen rechnen. Im Augenblick beherbergt der Landkreis 1544 Personen, die um Asyl nachsuchen (Stand vom 15. November). Er bekundete Verständnis für Ängste bei der Bevölkerung, wenn von „Flüchtlingsstrom“ oder „Flut“ die Rede sei. Die ankommenden Asylsuchenden werden auf die Länder verteilt, das richte sich nach der Einwohnerzahl wie nach der Wirtschaftskraft. Da sind Bayern und Baden-Württemberg die ersten Adressen. Zuständig für die Unterbringung sind die Landratsämter. Und da war Freudenberger schon beim Thema: Der Landkreis habe 50 Objekte angemietet, jüngst einen Baumarkt für 500 bis 600 Personen. Aber bei der jetzigen Zuweisungsquote an den Landkreis, reiche dieser Platz gerade mal für zehn Wochen. Freudenberger wollte nicht auf die große Politik eingehen, wenngleich es auch deutliche Worte für das Amt gab, das über das Bleiberecht entscheidet. Die Bearbeitung der Asylanträge dauere viel zu lange. Das kommt dem Landrat einem Versagen gleich. Das Flüchtlingsproblem insgesamt sei nur gemeinsam mit ganz Europa zu lösen. Da sei Einigkeit gefordert.

Im Landkreis gehe es darum, eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge zu erreichen. In Neu-Ulm sind 877 Personen untergebracht, aber es gibt Gemeinden, wo es Null-Komma-Null heißt. Notfalls müssen diesen Kommunen die Flüchtlinge in Kooperation mit den zuständigen Gremien „verordnet“ werden.

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Zweiter Schritt des Nachmittags waren drei Workshops. Darin ging es um die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe, vorgestellt vom Integrationskreis Illertissen, um Wohnraumbeschaffung beziehungsweise räumliche Anforderungen und institutionelle Flüchtlingshilfe und Beratung. In sogenannten „Murmelgruppen“ ging es danach noch um Ideensuche oder Impulse, wie dies Pfarrer Jochen Teuffel nannte. Vorgegeben waren die Fragen: Welche Maßnahmen haben in unserer Gemeinde oder Pfarrei bislang stattgefunden, was erwies sich als gelungen? Welche Projekte könnte man sich im kirchlichen Raum vorstellen? Welche Kreise ließen sich zur Flüchtlingsarbeit hinzu gewinnen? Wie können Mitglieder der Gemeinden/Pfarreien geistig und praktisch für die Flüchtlingsarbeit gerüstet werden? Welches christliche Zeugnis sollten wir Andersgläubigen geben und was nicht tun?

Das Ergebnis: Für Frauen sollten besondere Programme aufgelegt, Jugendliche besser eingebunden werden, Gemeinden sollten Ein-Euro-Jobs anbieten, damit die Flüchtlinge nicht zum Nichtstun verurteilt sind. Auch Kirchenräume könnten für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden. Sprachkursen wird erste Priorität eingeräumt, eventuell soll versucht werden, das auch über die Volkshochschule zu arrangieren. Vereine, besonders sportliche Gruppen, sollten sich öffnen und ein Bürgertelefon zum jeweiligen Rathaus oder gar Landratsamt einrichten, um von kompetenter Stelle Hilfe und Rat zu bekommen.

Der Appell des Landrats: Wohnraum wird in jeder Kommune gebraucht und auch Kirchen sollten nicht oft genutzte Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Und wichtig: Das Problem Flüchtlinge in den Gemeinden zu thematisieren.

Mit dem Hinweis, dass Jesus selbst ein Flüchtling gewesen sei, als die Familie vor Verfolgung nach Ägypten fliehen musste, entließ Dekan Markus Mattes die Besucher in den Abend.

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