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02.06.2009

Klangfarben glanzvoll demonstriert

Vöhringen Die Orgel wird oft "Königin der Instrumente" genannt. Das vor allem deswegen, weil sie dank ihrer Bauweise die unterschiedlichsten Klänge erzeugen kann, sozusagen mehrere Instrumente in sich zu vereinen scheint. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich vieles gewandelt, auch die Klangvorstellungen sind heute anders als früher. Das machte das Orgelkonzert des Pforzheimer Kantors Michael Eckerle am Pfingstsonntag in St. Michael auf eindrucksvolle Weise deutlich. Es ließ erstaunen, wie wandlungsfähig die Möglichkeiten erscheinen, die selbst eine Orgel mittlerer Größe bietet. Die von Pfarrer Michael Menzinger bei der Einführung geäußerte Erwartung, das Instrument werde das Brausen des Heiligen Geistes verkünden, wurde weit übertroffen, denn Eckerle ließ es auch "in vielen Stimmen reden", wie Worte aus dem Pfingstevangelium aussagen. Mit seiner immensen Erfahrung wählte der Gastorganist für die drei unterschiedlichen Epochen der Orgelgeschichte, aus denen das Programm Werke enthielt, jeweils passende Registerkombinationen. Zunächst beschränkte er sich bei den Meistern der norddeutschen Schule, Buxtehude und Bach, und deren Choralbearbeitungen über Pfingstlieder auf wenige, klar zeichnende Stimmen und stellte ihnen mit deutlichem Unterschied den Romantiker Mendelssohn-Bartholdy gegenüber. Auf dessen, über dunklem Untergrund aufsteigende Thematik seiner fünften Orgelsonate folgten Musterbeispiele der bis ins Monumentale gesteigerten, oft von schillernder Farbenpracht gekennzeichneten französischen Orgelmusik des späten 19. und 20. Jahrhunderts. Ihr artverwandt waren auch Kompositionen selten zu hörender Meister, wie die mit variablen Kanonformen spielende, mit sehr aparten Farben servierte, gelegentlich fanfarenhaft aufleuchtende Partita über "Veni creator spiritus" des Belgiers Gabriel Verschraegen (1919-1981). Oder Richard Burtonwoods 2008 entstandene, in einen mystischen Klangteppich gehüllte "Rhapsody", und Joseph Bonnets Erstlingswerk, die virtuos aufgebauten "Variations de concert". Zum großartigen Abschluss des Konzerts wurden ein "Postlude" von Jean Alain als geniale Vision des so früh vollendeten Orgelgenies, und das prachtvolle, funkensprühende Finale aus der 1. Orgelsymphonie d-Moll von Louis Vierne, dessen sieghaft leuchtendes Thema Eckerle zum triumphalen Höhepunkt führte. Mit sicherem Gespür sorgte der Gast, wo erforderlich, für feine Farbnuancen, changierende Übergänge oder für Kontrastfarben und meisterte die zum Teil enormen technischen Anforderungen bravourös. Dem begeisterten Beifall folgte noch das "Gott der Gnade" von Paul Manz.

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