Barocksaal

19.06.2012

Klangschmelze

Heidi Schmid auf der Geige und Tatiana Chernichka am Flügel finden die räumliche Nähe zum Publikum im Barocksaal des Illertisser Schlosses ebenso faszinierend wie das Publikum umgekehrt, das Musik hautnah erleben kann.
Bild: Langhans

Heidi Schmid auf der Geige und Tatiana Chernichka am Klavier begeistern durch ihr absolut perfektes Zusammenspiel

Illertissen Sie musizieren zu zweit auf der Bühne vor ausverkauftem Barocksaal, doch wer die Augen schließt – um das akustische Erlebnis zu intensivieren – könnte bei gemeinsamen Tonleiterskalen auch von nur einer Klangquelle ausgehen. Geige und Klavier verschmelzen zu einem einzigen, von Intervallen vorangetriebenen Sound. Die Violinsolistin Heidi Schmid aus Mindelzell und Tatiana Chernichka am Klavier verstehen ihr Publikum durch außergewöhnliche Perfektion und leidenschaftliches Spiel zu begeistern. Sie lassen Erinnerungen wach werden an die berühmte Geigerin Julia Fischer, die vor zwei Jahren mit Milena Chernyavska als Begleiterin in Illertissen konzertierte.

Fritz Unglert vom Freundeskreis „Kultur im Schloss“ hatte die jungen, mehrfachen Preisträger bei einem Konzert in Krumbach kennengelernt und sie für Kammermusik am Samstag nach Illertissen geholt.

Berühmte Sonaten für Violine und Klavier waren geboten, auf deren technische Ansprüche sich das eingespielte Duo mit großer Lust einließ. Heidi Schmid mit verschmitztem Lächeln zwischendurch, wenn sie etwa – brillant – mit dem linken vierten Finger auf der E-Saite höchste Töne treffsicher zu modellieren verstand. Und faszinierend, wie Tatiana Chernichka gemeinsame Läufe absolut konform mit der Geige durchzog und für größtmöglichen Ausdruck dabei an die Grenzen des Flügels stieß.

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So zu hören beim Allegro con brio der c-Moll-Sonate, Opus 30, Nr. 2, von Beethoven aus dem Jahr 1802, mit dem der Konzertabend begann. Die Pianistin hatte den Einsatz dazu und das Tempo vorgegeben, dem sich die Geigerin wetteifernd anschloss. Mit wilden Doppelgriffen, harschen Bogenansätzen und dann wieder dahinschmelzenden Passagen. Gespielte Leidenschaft, die in ein verträumtes Adagio cantabile mündet, mit lagenversetzten Fingergriffen als feine Akzente für aufmerksame Ohren. Sodann viel Bogenkunst beim Scherzo und nochmals perlende, höchst konform gespielte Läufe für ein temperamentvolles Finale Allegro.

Violine und Klavier gleichermaßen mit Leidenschaft

Weniger Fatalismus und dafür mehr Schwermut bei der a-Moll-Sonate, Opus 105, Nr. 1 für Violine und Klavier, 1851 von Robert Schumann komponiert. Beide Instrumente haben sich gleichberechtigt dem leidenschaftlichen Ausdruck verschrieben und schwelgen in weit ausholenden melodischen Linien beim Allegretto. Lebhaftigkeit im zweiten Satz, gekennzeichnet durch viele kleine, fast geworfene Bogenstriche, aber auch durch die den ganzen Satz prägenden Sechzehntel-Sekund-Intervalle.

Schließlich die F-Dur-Sonate, die Mendelssohn-Bartholdy 1838 komponiert und selbst als schlecht bezeichnet hat. Yehudi Menhin hat sie 1952 im Berliner Nachlass wieder entdeckt. Temperamentvoll das Allegro vivace, wobei die Tonfolgen aus dem Flügel hervorzuquellen und die Finger auf Geige sich selbst überholen zu wollen scheinen. Es folgen ein bedachtsam intoniertes Adagio und ein Assai vivace, dessen spielerisch vorgetragene Raffinessen in einen furiosen Schluss münden.

Für anhaltenden Applaus dankten die Künstler zweifach: Mit dem schön gestrichenen Violinsolo „Meditation“ aus „Thais“, Jules Massenet, sowie einem luftigen „Schön Rosmarin“, Fritz Kreisler.

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