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Illertissen

31.08.2020

Klassik in Illertissen: Wie das Nachwuchsfestival in Corona-Zeiten abläuft

Das Vöhlinschloss in Illertissen.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Plus Der Illertisser Freundeskreis Kultur im Schloss zieht sein Nachwuchsfestival entschlossen durch. Die Möglichkeiten sind allerdings etwas eingeschränkt.

Eigentlich heißt der Verein ja Freundeskreis Kultur im Schloss, weil er seine Konzerte in all den Jahren nicht zuletzt im Vöhlinschloss auf die Bühne gebracht hat. Diesmal muss er zum ersten Mal komplett darauf verzichten, hoch über Illertissen hochklassige Musik im Barocksaal anzubieten.

Corona zwingt den Verein dazu, sein alljährliches Festival „Junge Künstler, Stars von morgen“ vom 10. bis 25. Oktober komplett unten in der Stadt steigen zu lassen: In der Festhalle und in der Kirche des Kollegs der Schulbrüder findet sich genügend Platz, um das Publikum mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand zu platzieren. „Wir haben total eingeschränkte Möglichkeiten“ sagt Fritz Unglert, Vorsitzender des Freundeskreises. Doch klingt er deswegen geknickt oder traurig? Nein, das würde nicht seinem Naturell entsprechen. Er blickt immer optimistisch voraus: „Wir haben den Mut, das zu machen – egal, was passiert.“

Der Verein musste schon vier Konzerte absagen

Dafür muss der angestammte Barocksaal, der für Kammermusikalisches den perfekten Rahmen bietet, eben unbespielt bleiben. „Da oben, das wäre sinnlos“, findet Unglert, unter den gegebenen Abstandsregeln könnten dort nur etwa zwei Handvoll Zuhörer sitzen. Damit ließen sich die Gagen der Künstlerinnen und Künstler nicht finanzieren.

Und so weicht der Freundeskreis vor allem in die Kollegs-Aula aus. Dort können pro Auftritt 100 Personen zuhören – in den normalen Jahren waren es stets 200 und noch mehr. Außerdem fallen diesmal die Pause und der Ausschank weg. Das dürfte sich wohl verschmerzen lassen angesichts der Aussicht, endlich wieder hochtalentierten Nachwuchs präsentiert zu bekommen. „Wir müssen den jungen Leuten doch wieder die Möglichkeit zum Auftreten geben“, sagt Unglert, der sich selber sichtbar freut, dass er und der Freundeskreis nun doch wieder ihr Festival durchziehen können.

Die Fagottistin Maria Joseé Rielo Blanco.
Bild: Sammlung Freundeskreis Kultur im Schloss (Archivbild)

Immerhin hatte der Verein wegen der Pandemie heuer vier Konzerte und zwei Kulturreisen absagen müssen. Das Geld fehlt nun in der Kasse – und auch die beschränkte Zuhörerzahl dürfte die Einnahmen weiter reduzieren, zumal sich Unglert nicht sicher ist, ob die Menschen unter diesen etwas eingeschränkten Umständen kommen werden.

Trotz der eher bescheidenen Einnahmeaussichten hat der Verein die Eintrittspreise nicht angetastet, sie liegen nach wie vor bei unschlagbaren 19 Euro. Wie soll das dann mit der Finanzierung klappen, zumal ganz reguläre Gagen gezahlt werden, ohne Coronaabschlag? „Wir haben viele Freunde, die uns unterstützen“, versichert Unglert, „ich hoffe, dass wir mehr Geld bekommen, aber, wenn nicht, machen wir es trotzdem“. Man müsse einfach den Mut haben, neu zu beginnen. „Ich habe meinem Vorstand gesagt, dass ich das Festival unbedingt machen will.“ Und der Vorstand war einverstanden. Die Künstler wiederum hätten sich sehr gefreut, dass sie wieder spielen können.

Im Festivalprogramm findet sich die bewährte Mischung aus bekannten und weniger vertrauten Namen. Los geht es am Samstag, 10. Oktober, mit dem Ensemble Esperanza aus Liechtenstein. Der Name bedeutet „Hoffnung“ auf Spanisch – ein optimistischer Anfang also, vermutlich im Vertrauen darauf, dass die Anti-Corona-Maßnahmen das Festival nicht doch noch abwürgen. Auf dem Programm steht unter anderem das 3. Klavierkonzert von Beethoven. Am Tag drauf spielt die erst 14 Jahre alte Violinistin Maya Wichert aus Gröbenzell bei München. Bei Mozarts Violinkonzerten Nummer vier und fünf begleitet sie der Ulmer Generalmusikdirektor Timo Handschuh am Klavier. Er ersetzt die Ulmer Philharmoniker quasi im Alleingang. Angesichts der verordneten Abstandsregeln wäre das Orchester zu groß gewesen.

Erinnerungskonzert an das Geschlecht der Vöhlin

Das zweite Festival-Wochenende bietet am 16. Oktober das große Erinnerungskonzert an das Geschlecht der Vöhlin, die vor 500 Jahren die Herrschaft über das Schloss und Illertissen übernahmen. Gestaltet wird der Abend von örtlichen Künstlerinnen.

Während die ersten drei Auftritte alle für die Kollegs-Festhalle gebucht sind, findet dieser in der Kollegskirche statt: Dorthin kommt der in Illertissen immer wieder gerne gesehene und gehörte Harfenist Xavier de Maistre (17. Oktober) zu einem Gala-Konzert, das dafür auch etwas mehr kostet, nämlich 25 Euro (16 und 19 Uhr).

Immer wieder gerne gesehen und gehört: der Harfenist Xavier de Maistre.
Bild: Regina Langhans (Archivbild)

Am 18. Oktober spielen Maria José Rielo Blanco, Fagott und Betty Lee, Klavier, Werke von Vivaldi und Beethoven.

Die Regensburger Domspatzen geben am 23. Oktober ein Geistliches Konzert und beginnen damit eine große Deutschland-Tournee.

Am 25. Oktober gastiert das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper München, das mit jungen Nachwuchssängerinnen und -sängern ein „buntes Programm aus bekannten und beliebten Opern“ bietet (Kollegshalle).

Karten gibt es diesmal ausschließlich bei Fritz Unglert unter fritz.unglert@gmx.de sowie unter der Telefonnummer 07303/7257.

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