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16.03.2009

Kleine Eheverbrechen, raffiniert verpackt

Vöhringen Psychogramm einer Ehe, Krimi oder Komödie? Die Auslegung bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. Das Schauspiel von Eric-Emmanuel Schmitt "Kleine Eheverbrechen", das im ausverkauften Wolfgang-Eychmüller-Haus als sechste Abonnementveranstaltung über die Bühne geht, fesselt, fasziniert. Eleonore Weisgerber und Peter Bongartz ergänzen sich kongenial und machen aus dem Zweiakter ein Kammerspiel bester Güte.

Gedächtnisverlust

Was Schmitt als Autor konzipiert hat, setzt Regisseur Krzystof Zanussi subtil in Szene. Keine spektakulären Auftritte, keine großen Gesten, dafür fein ziselierte Charaktere. Autor Gilles (Peter Bongartz) hatte einen Unfall. Er hat sein Gedächtnis verloren. Mit seiner Frau Lisa (Eleonore Weisgerber) kehrt er zurück in die eigenen vier Wände, die er nicht wieder erkennt. Zunächst wirkt das glaubhaft. Doch die kleinen Versprecher, die verbalen Spitzfindigkeiten lassen erahnen, dass der Gedächtnisverlust möglicherweise nur vorgetäuscht ist. Aber warum? Was wird mit dieser Hintergründigkeit, mit dem Versteckspiel bezweckt? Das Paar fängt an, sich gegenseitig zu belauern, sich mit gezielter Provokation zu reizen. Zunächst im komödiantischen Dialog, doch sehr bald werden die Worte zu Waffen, den anderen zu verletzen, ihn zu zwingen, das Visier zu öffnen.

Gilles ist ein Charmeur, aber auch selbstgerecht, bisweilen zynisch. Lisa kokettiert, ist eine Eva par excellence und bleibt dennoch auf kühler Distanz. Was verbindet die beiden eigentlich? Ist es immer noch Zuneigung nach vielen Ehejahren oder hat sich eine Art Hassliebe entwickelt?

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Das Publikum wird bis zum Schluss in Atem gehalten. Das Psychogramm dieser Ehe ist fesselnd, die intelligenten Dialoge, in denen Sätze wie flinke Ping-Pong-Bälle hin und her fliegen, lassen Heiterkeit aufkommen, die abrupt endet, wenn das Nachdenken über ihre Beziehung beginnt. Es ist eine Zerreißprobe zwischen zwei Menschen, die in der Offenbarung Gilles endet, Lisa zu lieben. Ende gut, alles gut? Der Autor lässt dies offen.

Brillante Schauspielkunst

Eleonore Weisgerber und Peter Bongartz sind zwei brillante Schauspieler, die es verstehen, selbst der Stille zwischen den Sätzen Spannung zu verleihen und schenken durch ihre Darstellungskraft den Besuchern einen faszinierenden Theaterabend. Dafür zum Schluss lang anhaltender Applaus.

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