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Vöhringen

09.04.2019

Kleines Theater feiert großes Jubiläum

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Das war eine Traumrolle für Peter Kelichhaus in dem Ein-Personen-Stück „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka.
Bild: Ursula Katharina Balken (Archiv)

Peter Kelichhaus gründete vor 50 Jahren die Laienbühne Podium 70 in Vöhringen und war selbst in einigen Rollen zu sehen. Jetzt blickt er zurück – auf eine lange Geschichte.

Kleine Städte sind immer stolz auf ihre Laienbühnen, weil sie ein Stück Kultur in den Alltag bringen. Die Stadt Vöhringen hat mit dem Wolfgang-Eychmüller-Haus zwar ein großes Forum für die Kunst, aber daneben gibt es auch noch fünf Amateur-Theater mit unterschiedlichen Genres. Eines davon ist Podium 70 mit ihrem Prinzipal Peter Kelichhaus.

Das Repertoire des Theaters reicht von den Klassikern Lessing, Schiller oder Tschechow bis zu Autoren namens Kafka, Sartre und Camus. In den vergangenen Jahren wurde auch Boulevard-Theater ins Angebot aufgenommen, was dem Podium bisweilen den Namen „Vöhringens kleine Komödie“ einbrachte. Und jetzt kann ein großes Ereignis gefeiert werden: das Theater besteht seit 50 Jahren.

Peter Kelichhaus war „Theater infiziert“

Als Peter Kelichhaus im Jahr 1968 von der Waterkant an den Illerstrand kam, war er „Theater infiziert“. Das verwundert nicht. Denn seine Heimatstadt Bremen bot ein breites Spektrum an Kultur. Schon als Jugendlicher ging er ins Theater, saugte in sich auf, was er sah und hörte. Er kam nach Vöhringen, um in die Papierwarenhandlung und Druckerei seines Onkels einzusteigen. Als er dann Winfried Hamann kennenlernte, der in der evangelischen Gemeinde in der Jugendarbeit tätig war, gewann er einen theateraffinen Freund.

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Einen Einblick in die Stücke bekommen Sie hier: Ein Abend der Verwechslungen in Vöhringen

„Ganz in den Anfängen probten wir mit weiteren Theaterfans auf der grünen Wiese, wo heute die Grundschule-Nord steht“, sagt Kelichhaus. Den Wunsch im evangelischen Gemeindehaus proben zu dürfen, erfüllte damals Pfarrer Wilhelm Starck. Die jungen Leute fanden einen Namen für ihr Theater und nannten es Podium 70. Geprobt wurde „Auf hoher See“ von Slawomir Mrozek. „Das war unser Debut“, so Kelichhaus. Es kamen 35 Zuschauer. Das Ensemble war in seiner Auswahl begrenzt. Als für das Priestley-Stück „Ein Inspektor kommt“ drei junge Männer gesucht wurden, sprang Inge Köhler ein, die dank einer guten Kosmetikerin zum jungen Mann geschminkt wurde.

Kulturell ging es auch hier zu: „Giganten der Klaviermusik“ im Eychmüller-Haus

In den Anfängen wurde allenfalls dreimal hintereinander das gleiche Stück gespielt. Heute wird eines mindestens zehnmal präsentiert. Und dann ist das Haus voll. Kelichhaus, der sich heute aus gesundheitlichen Gründen nur noch auf die Regie konzentriert, liebte das Spiel auf der Bühne. Er hatte zwei Traumrollen, wie er sagt, in die er einmal schlüpfen wollte. Das war „Der eingebildete Kranke“ von Molière und der Affe Rotpeter in Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“.

Das war eine Traumrolle für Peter Kelichhaus in dem Ein-Personen-Stück „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka.
Bild: Ursula Katharina Balken (Archiv)

Beides sind Paraderollen, aber Letztere ist für Darsteller immer noch ein Kraftakt. Denn sie stehen, weil es keine Pause gibt, eine Stunde und 50 Minuten lang vor ihrem Publikum und referieren über die Mutation eines Tieres zum Menschen.

„Vöhringer Theatertage“: Sogar das Fernsehen berichtete

Mit zunehmendem Erfolg und größer werdendem Ensemble wuchsen der Bekanntheitsgrad und der Ehrgeiz des Theaters. So gab es 1979 die ersten „Vöhringer Theatertage“, die mit den eigenen Spielern inszeniert wurden. „Ein Inspektor kommt“ von Priestley, „Pygmalion“ von Shaw und „Der eingebildete Kranke“ von Molière standen auf dem Programm.

„Das alles mit den gleichen Spielern in einem Monat aufzuführen, war äußerst anstrengend“, erinnert sich Kelichhaus. Die Ankündigung der Theatertage war sogar im überregionalen Kulturteil unserer Zeitungzu lesen, erinnert sich Kelichhaus. Grund für das Bayerische Fernsehen und Rundfunk, um über das engagierte Theater zu berichten. Später gab es Theatertage, zu denen auch andere Bühnen eingeladen wurden.

Das Ensemble von Podium 70 (von links): Sven Hilsenbeck, Ulrich Warkus, Otmar Walcher, Romy Walcher, Ute Leitner, Siggi Motzke, Christina Hilsenbeck, Martina Bader und Horst Bärreiter.
Bild: Ursula Katharina Balken

Es folgten immer mehr Aufführungen, alles, was an Autoren Rang und Namen hatte, wurde auf die Bühne gebracht. Besonders engagierten sich die Spieler gegen Rechtsextremismus. So gab es eine Serie „Theater gegen rechts“. Als dann die junge Christina Hilsenbeck ins Ensemble kam, hatte Kelichhaus „die“ Besetzung schlechthin für das Schauspiel „Anne Frank“ gefunden.

Podium 70: Heute spielen die Darsteller gerne Komödien

Die Darsteller von Podium 70 spielen heute gerne Komödien. „Anfangs habe ich das einfach nicht gewagt, weil ich wusste, dass das Inszenieren einer Komödie eine Königsdisziplin für Theatermacher ist. Da müssen die Pointen genau sitzen, sonst lacht niemand“, sagt Kelichhaus. Im Augenblick gibt es ein Ensemble, das es schon seit Jahren gibt. Ein Glücksfall für den Spielleiter.

20 Mitglieder umfasst die Gruppe jetzt – mit eingerechnet sind Techniker, Beleuchter und vor allem Brigitte Kelichhaus, die helfende Stütze als Souffleuse ist.

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Denkt der 75-jährige Kelichhaus nach 50 Jahren auch mal daran aufzuhören? Und wer könnte in seine Fußstapfen treten? Eine Antwort, für die er sich Zeit lässt: „Ich habe Freude an dem was ich tue“, sagt er und fügt an, „Theater ist für mich eine Leidenschaft“. Beispiele dafür, dass professionelle Regisseure auch mit dem Rentenalter nicht aufhören, gibt es genug. Das 50. Jubiläum wird mit einem Fest gefeiert, zu dem auch ehemalige Mitglieder des Ensembles eingeladen sind. Dazu sagt Kelichhaus: „Sie alle haben an unseren Erfolgen mitgearbeitet, dann sollen sie auch mitfeiern.“

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