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Landkreis Neu-Ulm

04.07.2019

Klinik-Reform: Spitalstiftung will Patienten im Kreis Neu-Ulm halten

Im Landkreis Neu-Ulm steht eine Klinikreform bevor: Es bleiben zwei Krankenhäuser mit akutstationärer Versorgung. Kritiker erwarten eine Abwanderung von Patienten, etwa ins Klinikum Memmingen (im Bild).
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Im Landkreis Neu-Ulm steht eine Klinikreform bevor: Es bleiben zwei Krankenhäuser mit akutstationärer Versorgung. Kritiker erwarten eine Abwanderung von Patienten, etwa ins Klinikum Memmingen (im Bild).
Bild: Ralph Koch

Plus Das Krankenhauswesen wird sich verändern. Kritiker erwarten eine Abwanderung von Patienten aus dem südlichen Landkreis. Was die Verantwortlichen dazu sagen.

Wenn von den drei Krankenhäusern im Landkreis Neu-Ulm nur die in Neu-Ulm und Weißenhorn übrig bleiben, könnte die medizinische Versorgung im Süden kräftig nachlassen: Diese Befürchtung ist in Illertissen immer wieder zu hören. Ebenso wie diese: Wer im Süden des Landkreises wohnt, klinische Betreuung braucht und frei entscheiden kann, werde künftig lieber das Klinikum in Memmingen aufsuchen. Kommt es durch die Klinikreform zu einer Abwanderung von Patienten – und damit auch von wirtschaftlichen Erlösen?

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Davor haben die Verantwortlichen der Kreisspitalstiftung „keine Angst“, sagt Pressesprecherin Edeltraud Braunwarth. Am Klinikum in Memmingen verfolgt man die Entwicklung in der nördlichen Nachbarschaft derweil genau. Schon jetzt kämen Menschen aus dem Illertal zur Behandlung, sagt Verwaltungsleiter Maximilan Mai. Ob sich der Patientenstrom durch die Klinikreform im Kreis Neu-Ulm verändert, sei schwer abzuschätzen.

Zahlreiche Illertisser befürchten einen Abbau der medizinischen Versorgung.
Bild: Alexander Kaya

Der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen hat eine Vermutung: Er hält es für wahrscheinlich, dass die neue Gestalt des hiesigen Krankenhauswesens mehr Patienten in den Süden treiben könnte. Wie kürzlich bekannt wurde, gibt es Pläne, die akutstationäre Krankenhausversorgung in Neu-Ulm und Weißenhorn zu konzentrieren. Das soll die Kliniken langfristig wirtschaftlich auf stabile Beine stellen. Bislang ist ein millionenschweres Defizit aufgelaufen. Die Illertalklinik in Illertissen soll im Zuge der neuen Struktur dagegen zu einem „Gesundheitszentrum“ werden. Das begreifen mehrere Bürger in der Vöhlinstadt als Abwertung: Man werde künftig lieber nach Memmingen fahren als nach Neu-Ulm oder Weißenhorn, ist zu hören.

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Vergleich mit Einkauf beim Bäcker

„Wer das so will, soll das so machen“, stellt Braunwarth dazu fest. Und vergleicht die Situation mit einem Einkauf beim Bäcker: „Wenn mich einer ärgert, kaufe ich meine Brezeln eben woanders.“ Die Kreisspitalstiftung habe den Neubau einer großen Klinik für den ganzen Landkreis, die sogenannte Ein-Haus-Lösung, präferiert, so Braunwarth. Das zuständige Ministerium habe aber Probleme in der Förderung gesehen und stattdessen Sanierungen im Bestand favorisiert. In einer Klausurtagung fassten Kreispolitiker und der Krankenhausbeirat daraufhin kürzlich den Entschluss, es mit zwei Häusern zu versuchen. „Noch ist das letzte Wort in der Sache aber nicht gesprochen“, sagt Braunwarth.

Braucht Neu-Ulm ein Krankenhaus? Auch darum geht es in der Debatte.
Bild: Alexander Kaya

Am 19. Juli soll der Kreistag darüber beraten, zuvor findet am 10. Juli noch eine Sitzung des Krankenhausausschusses statt. Dann könnten wie Weichen für die große Reform festgestellt werden. „Wir gehen davon aus“, sagt Braunwarth.

Spitalstiftung: Medizinische Versorgung im Kreis ist sicher

Auch danach sei eine adäquate Versorgung im ganzen Landkreis gegeben, so die Sprecherin weiter. Kleinere Verletzungen wie nach einem Sturz vom Fahrrad könnten im Medizinischen Versorgungszentrum in Illertissen gut behandelt werden – ambulant und zu festen Öffnungszeiten. Braunwarth verweist auf den Infotag im April, bei dem die Abteilungen der Illertalklinik ihre Angebote präsentiert hatten. Dazu gehörten Chirurgie, Innere Medizin, Altersmedizin, Gynäkologie und Schmerztherapie. Ein großer Vorteil seien die kurzen Wartezeiten für die Patienten, während etwa in der Notfallambulanz in Weißenhorn bei kleineren Leiden mit längeren Aufenthalten zu rechnen sei. „Ein Herzinfarkt gehört nicht nach Illertissen“, stellt Braunwarth fest. Es sei aber nicht möglich, im Kreis zwei bis drei dafür ausgelegte Spezialabteilungen vorzuhalten.

Die drei Kliniken arbeiten zusammen

Die Trennung in Norden und Süden, wie sie von manchen Bürgern gesehen wird, existiere innerhalb der Kreisspitalstiftung nicht: So würden beispielsweise aus der Illertalklinik Patienten zu tiefer gehenden Untersuchungen oder zur stationärer Behandlung nach Weißenhorn oder Neu-Ulm geschickt. „Die Zusammenarbeit gibt es, sie funktioniert und sie wird fortgesetzt“, so Braunwarth.

Was die Illertalklinik bietet, wurde kürzlich bei einem Infotag präsentiert.

In der jüngsten Debatte um die Zukunft der Kreiskliniken ging es auch um das Krankenhaus in Neu-Ulm: Der Illertisser Bürgermeister berief sich dabei auf seinen Amtskollegen Gerold Noerenberg in Neu-Ulm – der hatte kürzlich in einer Stellungnahme zum abgelehnten „Nuxit“ geschrieben, die Stadt Neu-Ulm benötige kein Krankenhaus, um die Gesundheitsversorgung der Neu-Ulmer Bürger zu gewährleisten. Ein Grund dafür ist wohl die unmittelbare Nähe zur Stadt Ulm, die mit Bundeswehrkrankenhaus und Uniklinik über zwei Häuser der sogenannten Maximalversorgung verfügt.

Eine Schließung der Neu-Ulmer Donauklinik komme aus Sicht der Kreisspitalstiftung nicht in Frage, sagt Braunwarth dazu: Das Neu-Ulmer Krankenhaus könne nicht geschlossen werden, weil in Zuge der Sanierung Fördergelder investiert worden sind. Diese seien zweckgebunden und müssten im Falle einer Schließung zurückgezahlt werden. Und am Standort Weißenhorn seien zentrale Versorgungsangebote angesiedelt, etwa die Kardiologie.

Patienten haben schon jetzt die Wahl

Braunwarth betont: Schon jetzt hätten die Bürger die Wahl, welcher Klinik sie ihr Vertrauen schenkten. Im Wettbewerb wolle die Kreisspitalstiftung durch die erbrachte Qualität punkten. „Zufriedene Kunden kommen wieder.“ Wo die Patienten der Kreiskliniken herkommen, habe man im Blick, sagt Braunwarth. „Es gibt permanent Statistiken.“ Veröffentlicht würden sie aber nicht.

An das Szenario einer massenhaften Abwanderung glaube man in der Kreisspitalstiftung nicht: „Wir sehen das gelassen.“ Da gebe es jetzt schon Bewegungen über die Landkreisgrenzen hinweg. So kämen beispielsweise Menschen von westlich der Iller (aus Baden-Württemberg) zur Behandlung in den Kreis Neu-Ulm – die kehrten den Kliniken Biberach den Rücken. Die Verantwortlichen der Spitalstiftung setzen auch im Zuge der Reform weiter auf die Patienten aus dem südlichen Landkreis, betont Braunwarth: „Wir rechnen damit, dass die Menschen aus Illertissen und der Umgebung auch nach Weißenhorn und Neu-Ulm kommen.“

Klinikum Memmingen will nicht abwerben

Was im Krankenhauswesen des Kreises Neu-Ulm passiert, stößt am Klinikum in Memmingen auf Interesse: „Das haben wir natürlich auf dem Schirm“, sagt Verwaltungsleiter Mai. „Aktiv abwerben“ wolle man Patienten aus der Nachbarschaft im Norden nicht. Es gebe ein gutes Verhältnis zur Spitalstiftung und das solle so bleiben. Mai: „Wir weisen aber niemanden ab, jeder kann sich frei entscheiden.“

Was bisher über die anstehende Klinikreform im Landkreis Neu-Ulm bekannt ist - und wie darüber debattiert wird:

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