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Neu-Ulm/Illertissen

25.11.2017

Klinikdefizit ist niederschmetternd

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Die Finanzierung der drei Kreiskliniken (im Bild die Illertalklinik) bleibt ein heißes Thema: Der Wirtschaftsplan für die nächste Zeit sieht ein Defizit in Höhe von neun Millionen Euro vor. Das wurde nun im Krankenhausausschuss bekannt.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Der Wirtschaftsplan für die Krankenhäuser verspricht im kommenden Jahr ein Minus von rund neun Millionen Euro. Mit der Illertisser Geburtshilfe wäre es noch teurer.

Nein, vom Stuhl gefallen ist diesmal keiner. Vielmehr haben die Mitglieder des Krankenhausausschusses mit einer gewissen zähneknirschenden Gelassenheit die neuesten Defizitzahlen für die drei Stiftungskliniken entgegengenommen. Das Minus wird im nächsten Jahr voraussichtlich neun Millionen Euro betragen. Das geht aus dem Wirtschaftsplan für 2018 hervor, den der kommissarische Stiftungsdirektor Ernst-Peter Keller am Freitag vorgelegt hat. Er machte keinen Hehl daraus, wie es ihm angesichts dieser Summe geht: „Das Ergebnis hat uns niedergeschmettert.“ Er habe eine Nacht lang damit zu kämpfen gehabt, „bis das verdaut war“. Bei den Kreisräten schien das schneller gegangen zu sein, zumindest wirkten sie äußerlich gefasst. Immerhin sind sie große rote Zahlen gewöhnt: Für 20017 ist ein Defizit von rund 7,6 Millionen prognostiziert, 2016 waren 8,65 Millionen aufgelaufen. Froh waren die Mitglieder des Ausschusses allerdings, dass sie diesmal die belastbaren Zahlen des Wirtschaftsplans bereits vorher serviert bekamen, was in der Vergangenheit nie geklappt hatte. Da kam der Plan stets dann auf den Tisch, wenn das Jahr schon fast gelaufen war. Allerdings sind auch diesmal wieder Unwägbarkeiten enthalten.

Peter Schmid von der CSU wies darauf hin, dass in dem Zahlenwerk das Thema Geburtshilfe Illertissen noch ausgespart war. Das stimmt, wie Keller bestätigte. Würde die Babystation wieder in Betrieb genommen, so wie es das Ergebnis des Bürgerentscheids eigentlich vorsieht, müsste das Defizit rund zwölf Millionen Euro betragen, denn die Wirtschaftsberater von KPMG haben errechnet, dass der Betrieb der Gynäkologie ein jährliches Minus von 2,5 bis 3 Millionen Euro produzieren würde. Hinzu kämen weitere Kosten, um die stillgelegte Station an der Illertalklinik überhaupt erst wieder zum Laufen zu bringen. Das wäre frühestens 2019 möglich.

Was die roten Zahlen im Einzelnen betrifft, so verteilen sich die Verluste wie folgt: In Weißenhorn laufen voraussichtlich 1,8 Millionen auf, in Illertissen knapp 4 Millionen und in Neu-Ulm gut 3 Millionen. Nach den Bestimmungen des Zustiftungsvertrags muss der Landkreis die Fehlbeträge aus Donau- und Illertalklinik tragen, also gut sieben Millionen Euro.

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Nach wie vor machen den größten Brocken aller Kosten die Aufwendungen für das Personal aus. Dabei schlägt nach Darstellung von Keller unter anderem zu Buche, dass nächstes Jahr erneut Tariferhöhungen einzuplanen sind, zudem mussten etwa in Weißenhorn zehn zusätzliche Stellen geschaffen werden, um alle anfallenden Aufgaben bewältigen zu können.

Welche Strategie der Landkreis mit seinen Klinken in Zukunft verfolgt, sollte eigentlich noch in diesem Jahr entschieden werden. Doch die Berater von KPMG brauchten mit ihrem 336 Seiten umfassenden Gutachten länger als erwartet, deshalb werden sich die Kreispolitiker erstmals bei einem Workshop im Januar damit befassen und dann im Februar in den entsprechenden Gremien debattieren. Das kündigte Landrat Thorsten Freudenberger an. Ein solches Defizit, wie es für das kommende Jahr vorhergesagt wurde, „kann und soll der Landkreis nicht dauerhaft tragen“, sagte er. Vor allem sollte nun zügig gehandelt werden, wie Ulrich Schäufele (SPD) forderte. Die Zahlen seien katastrophal. Jeden Tag laufe ein Verlust von 25000 Euro auf, hat er errechnet: „Das zeigt, was uns das Warten jeden Tag kostet.“

Gerold Noerenberg (CSU) zeigte sich von den vorgelegten Zahlen enttäuscht, aber: „Ich muss daran erinnern, wie wir gestartet sind.“ Es könne in naher Zukunft aber keineswegs damit gerechnet werden, eine schwarze Null zu schreiben. Es müsse vielmehr darum gehen, „die Verluste zu minimieren.“

Dabei kommen auf die Stiftungskliniken weitere Ausgaben zu, denn die Bausubstanz einzelner Gebäude ist deutlich in die Jahre gekommen, auch die Innenausstattung muss teilweise erneuert werden. Der Weißenhorner Ingenieur Mathias Ziegler präsentierte im Ausschuss eine technische Untersuchung aller drei Krankenhausstandorte. Danach summieren sich die in den nächsten zehn Jahren notwendigen Sanierungen auf eine Gesamtsumme von knapp 46 Millionen Euro – und dabei ist die jährliche Steigerung der Baukosten noch gar nicht eingepreist.

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