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Illertissen / Landkreis

14.06.2019

Kliniken: Illertisser sehen medizinische Versorgung im Süden bedroht

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Mit der sogenannten „Richtungsentscheidung“ zur Zukunft der Kreiskliniken beginnt das Bangen um das Illertisser Krankenhaus erneut – das sagen hiesige Politiker. Sie werten die Reform, wie sie sich momentan darstellt, als vertane Chance.
Bild: Kaya

Plus Mit Ablehnung reagieren die Ratsfraktionen auf die Richtungsentscheidung zum Krankenhauswesen im Kreis. Die sei schlecht für alle Bürger – und der Landrat verantwortlich.

Zwei Krankenhäuser, aber keines davon steht in Illertissen: Mit Enttäuschung reagieren die Fraktionen im Illertisser Stadtrat übereinstimmend auf die kürzlich veröffentlichte Richtungsentscheidung in Sachen Kreiskliniken. Die war, wie berichtet, nach einer Klausurtagung von Kreispolitikern und Krankenhausbeirat bekannt gegeben worden. Die Rede war von einer akutstationären Versorgung (also Krankenhäusern) in Neu-Ulm und Weißenhorn, in Illertissen soll ein „modernes Gesundheitszentrum“ entstehen. Am Freitag äußerten sich dazu nun die im Illertisser Stadtrat vertretenen Parteien mit einer gemeinsamen Presseerklärung. Die beinhaltet eine deutliche Ablehnung: Die anvisierte „Zwei-Haus-Lösung“ sei eine „teure Salamitaktik“ zum Nachteil aller Landkreisbürger, heißt es da. Die Verantwortung suchen die Illertisser bei Landrat Thorsten Freudenberger – auch von politischen Konsequenzen ist die Rede.

Die vier Ratsfraktionen von CSU, SPD, Freien Wählern und ÖDP/AB/Grüne äußern sich in ihrem Text sehr sachlich, lassen aber kein gutes Haar an der jüngst auf Kreisebene vorgelegten Klinikstrategie. Die sei nämlich alles andere als die lange angekündigte, weitreichende Reform. „Aus unserer Sicht ist damit kein großer Wurf gelungen“, heißt es in der Mitteilung.

Muss sich in der Klinikfrage erneut Kritik anhören: Landrat Thorsten Freudenberger.
Bild: Jürgen Bigelmayr (Archiv)

Stattdessen werde die „einmalige Chance“ vertan, eine hochwertige und zukunftsfähige medizinische Versorgung aufzubauen. Dafür machen die Fraktionen Landrat Freudenberger verantwortlich: Ihm und vielen Kreispolitikern fehle der Mut zur Erneuerung, „sie gehen lieber den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands“, ist in der Mitteilung weiter zu lesen. So werde der Bürgerwille bei alledem außer Acht gelassen, die Umsetzung des Bürgerentscheids zum Erhalt der Illertisser Geburtenstation sei nun überhaupt kein Thema mehr.

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Vorbehalten gegen ein "Gesundheitszentrum" in Illertissen

Skeptisch äußern sich die Illertisser Stadtratsfraktionen zu dem angekündigten „Gesundheitszentrum“ mit ambulanter Versorgung. Das klinge anders als die Bekenntnisse zum Klinikstandort Illertissen: „Sämtliche (...) Befürchtungen, mit der Schließung der Geburtshilfe könnte die Illertalklinik sukzessive rückgebaut und schlussendlich geschlossen werden, wurden von Landrat und verschiedenen Kreispolitikern stets vehement zurückgewiesen“, schreiben die Fraktionen.

Setzt sich für die medizinische Versorgung im Süden des Landkreises ein: Susanna Oberdorfer-Bögel.

Diese Ängste kehrten nun aber wieder zurück nach Illertissen, präzisiert Susanna Oberdorfer-Bögel, die sich mit der Initiative „Geboren im Süden“ für den Erhalt der Babystation in Illertissen eingesetzt hatte, auf Anfrage unserer Redaktion: „Dem Süden wird wohl ein Krankenhaus entzogen.“ Bürger und Mitarbeiter müssten nun wieder in Ungewissheit leben. Denn es sei unklar, wie genau das Versorgungszentrum aussehen soll. Möglicherweise werde es auf ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit niedergelassenen Ärzten hinauslaufen. Was von der angekündigten Krankenpflegeschule zu halten sei, sei offen, sagt Oberdorfer-Bögel, die sich demnächst für die Freien Wähler in Illertissen um einen Sitz im Stadtrat bewirbt. Sie will die medizinische Versorgung im Kreis vor der Kommunalwahl im Jahr 2020 zum Thema machen. „Wir werden den Menschen deutlich machen, dass sie diejenigen, die den Bürgerwillen nicht respektieren, nicht mehr wählen.“ Seit drei Jahren werde über eine Klinikreform gesprochen, inzwischen habe sich ein Defizit von rund 30 Millionen Euro angehäuft und nun deute sich mit den zwei Kliniken nur eine kleine Lösung an. „Das ist beschämend.“

Moderner Klinik-Neubau als bessere Lösung

Besser wäre es gewesen, stattdessen einen modernen Klinik-Neubau an einem geeigneten Standort ins Auge zu fassen. Oberdorfer-Bögel macht kein Geheimnis daraus, wo sich der befinden sollte: Zwischen den medizinischen Zentren in Ulm und Memmingen – und zudem dort, wo eine Klinik Dietenheim und Schwendi mitversorgen könne. Illertissen und die Umgebung wären so betrachtet wohl ideal.

Stattdessen setzten die Entscheidungsträger auf Kreisebene auf eine „irrsinnig teure Doppelverwaltung“, schreiben die Illertisser Ratsfraktionen. Auch Operationssäle und Gebäude müssten dann weiterhin mehrfach vorgehalten werden. Die Illertisser Politiker sehen jedenfalls schwarz – die Perspektive aus ihrer Sicht: „Weiter hoch defizitär.“

Die Krankenhäuser im Kreis Neu-Ulm und die Zukunft der Illertalklinik sind seit längerer Zeit in der Debatte. Mehr darüber lesen Sie hier:

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