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Illertissen

23.08.2017

Kraftwerkspläne: Kläger geben Kontra

In dieses Wehr bei Dietenheim will die Münchner Firma Fontin ein sogenanntes Schachtkraftwerk einbauen. Das soll nicht nur umweltschonend arbeiten, sondern die ökologische Situation sogar verbessern. Kritiker bezweifeln das.

Mit der bei Dietenheim vorgesehenen Anlage der Firma Fontin sind Naturschützer weiter nicht einverstanden. Man spricht von einem „Todesstoß“ für wichtige Sanierung des Flusses.

Ein Wasserkraftwerk, das nicht nur umweltschonend arbeitet, sondern die ökologische Situation an der Iller sogar noch verbessert – unter anderem, weil Steine und Fische die Anlage passieren können. So bewertet Bauherr Mathias Fontin sein Vorhaben bei Dietenheim. Dort will er ein sogenanntes Schachtkraftwerk in ein bestehendes Wehr einbauen. Die von ihm beschriebenen Vorteile werden an anderer Stelle jedoch bezweifelt: Bund Naturschutz und Fischereiverband (auf bayerischer Seite) sind erklärte Gegner des Projekts, sie haben gegen die Baugenehmigung geklagt. Daran werde sich auch nichts ändern, bekräftigt Bernd Kurus-Nägele, der Geschäftsführer des Bund Naturschutz im Landkreis Neu-Ulm, gegenüber unserer Zeitung. Die Behauptung, der Iller werde durch das Schachtkraftwerk kein Schaden zugefügt, hält er für falsch: „Das ist Augenwischerei.“

Denn die einzig wirksame Methode, den „gepeinigten Fluss“ zu retten, sieht aus Sicht der Naturschutzverbände so aus: Sämtliche Querbauwerke (wie Wehre) müssten verschwinden – oder umgangen werden. Sollte Fontins Wasserkraftanlage aber wie geplant entstehen, würde die jetzige Situation auf Jahre „zementiert“, befürchtet Kurus-Nägele. Dies komme einem „Todesstoß“ für die dringend nötige Sanierung der Iller gleich. Deshalb wolle man vor Gericht weiter gegen das Vorhaben kämpfen.

Das Schachtkraftwerk bei Dietenheim soll die erste von mehreren Anlagen sein. Die komplett unter Wasser befindliche Einrichtung könne mit einer Leistung von 4000 Kilowattstunden 1200 Personen oder 400 Haushalte versorgen, heißt es. Steine könnten durch das Werk hindurch gelangen, ebenso Fische, die durch einen engmaschigen Rechen weitgehend (je nach Größe) vor der Turbine geschützt seien. Weil das die Durchgängigkeit des Flusses erhöhe, werde die Situation aus ökologischer Sicht verbessert. Das sei in der Europäischen Wasserrahmenrichtline so gefordert, sagt Unternehmenschef Fontin. Sein Projekt entlaste den Staat, der Steuergelder an anderer Stelle einsetzen könne. Ansonsten müssten teure Bauwerke errichtet werden.

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Der Durchlass ist wichtig – da stimmt Kurus-Nägele zu. Denn: Werden am Boden der Iller mitgespülte Steine aufgehalten (etwa durch Wehre), fehlt Material – und der Fluss gräbt sich immer tiefer ein. Eine Folge: Die Gewässer an Land, in der Nähe des Ufers, trocknen aus. Dort leben seltene Tierarten. In dem Areal zwischen Illerzell und Senden – laut Kurus-Nägele das wertvollste Schutzgebiet in den Illerauen – seien dies etwa Kammmolch und Gelbbauchunke. Dort laufe die Illersanierung bereits, die Sohle des Flusses werde stabilisiert. Blieben die Blockaden oberhalb dieses Bereichs (zwischen Illertissen und Altenstadt) allerdings bestehen, würden die Bemühungen zunichtegemacht. Kurus-Nägele: „Dann haben wir in 20 Jahren wieder die gleiche Situation.“

Aus Sicht des Bund-Naturschutz-Kreischefs bietet Fontins Schachtkraftwerk viel zu wenig Durchlässigkeit. Wirksam seien nur zwei Maßnahmen: Entweder die Wehre würden abgebaut. Oder umgangen, etwa durch Sohlrampen, über die Steine und Flusslebenwesen ungehindert gelangen könnten. Das Argument, jene seien teuer, will Kurus-Nägele nicht gelten lassen. Die Ausgaben seien niedriger als die Kosten für den Ausbau eines Kilometers Autobahn. „Das ist eine Frage der Wertigkeit.“

Im Vergleich zu anderen Wasserkraftwerken sei die Schachtkraftwerkstechnik zwar positiv zu bewerten. Aber eben nur wenn eine alte Anlage durch eine neue ersetzt werde. Ein Werk zu bauen wo es bislang keines gibt, hält Kurus-Nägele für eine „eindeutige Verschlechterung“. Zudem sei die dort erzeugte Strommenge gering, um die Energiewende voranzutreiben. „Mit so kleinen Geschichten brauchen wir gar nicht anfangen.“

In Baden-Württemberg werde die Politik verfolgt, regenerative Energien rigoros voranzutreiben – notfalls zu Lasten des Umweltschutzes, sagt der Kurus-Nägele. Deshalb habe das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises das Bauvorhaben bei Dietenheim wohl auch genehmigt. Mit Verwunderung habe man die Zurückweisung der Klage (im Eilverfahren) des Verwaltungsgerichts Sigmaringen aufgenommen. Sämtliche Argumente der Naturschützer gegen das Projekt seien abgewiesen worden. Aufgeben werde man dennoch nicht: Der Beschwerde vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim seien Studien von Fachbehörden beigefügt worden. „Da haben wir nachgelegt“, sagt Kurus-Nägele. Die Kläger wollen notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Nur ohne das Kraftwerk werde die Renaturierung der Iller (zwischen Altenstadt und Illertissen) umzusetzen sein. Die dafür notwendigen Grundstücke seien vorhanden, der Markt Altenstadt habe Bereitschaft signalisiert, sagt Kurus-Nägele. „Da könnte man etwas tolles machen.“

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