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Festival I

20.10.2015

Künstler im Dialog feurig und virtuos

István Vardái Cello und Zoltán Fejérváry führen an Cello und Klavier einen musikalischen Dialog, wobei ihr Musikverständnis beim Publikum ankam.
Bild: R. Langhans

István Vardái und Zoltán Fejérváry spielen mit Präzision und ungarischem Feuer

Wenn ein Cellist und ein Pianist auf der Bühne in Dialog treten – so geschehen in der Illertisser Schranne –, kann das musikalisch bedingt sein oder künstlerisch, indem die Protagonisten sich ebenbürtig sind. Auf die ungarischen Musiker István Vardái und Zoltán Fejérváry traf beides zu, als sie im Rahmen des Festivals „Junge Künstler – Stars von morgen“ so feurig wie virtuos musizierten. Temperamentvoll war bereits ihr Einstieg, was Erwartungen wecken konnte. Das Publikum ließ sich sogleich mitreißen und die Musiker hatten Gelegenheit, bei der Zugabe mit dem fulminant gespielten „Elfentanz“ von David Popper, der unter Cellisten den Ruf eines Paganini hat, gekonnt eins draufzusetzen.

Die gebürtigen Ungarn, Fejérvári aus Budapest und Vardáj aus Pec/Fünfkirchen mit deutschen Vorfahren, hatten ihren Auftritt mit Béla Bartóks Rhapsodie Nummer 1 (von 1928) begonnen. Die Komposition erinnerte an Folkloretänze, wobei der Pianist Takt und Tempo vorgab und der Bogen des Cellisten dazu geschickt über die Saiten tanzte. Die großen Tonsprünge meisterte er mit flinkem Fingerspiel und für ihre abwechselnden Einsätze schien den beiden Solisten eine kurze Bewegung oder gar ein tiefes Atemholen als Zeichen zu genügen.

Mehr als nur die Begleiterrolle hatte Ludwig van Beethoven dem Pianisten bei der Sonate für Klavier und Violoncello in A-Dur (von 1807/08) zugedacht, sodass die Solisten in ein wunderbares Wechselspiel einstimmten. Konnte sich der Cellist bis zu hellen Violintönen aufschwingen, reagierte der Pianist mit feinem Fingerspiel an den Tasten. Vardai, ARD-Preisträger und Lehrbeauftragter an der Kronberg Academy im Taunus, brachte sein Cello von 1729, ein Instrument des venezianischen Geigenbauers Domenico Montagnana, in vielen Toncharakteren zum Klingen. Etwa auch mithilfe der Daumenlage, indem der Daumen die Saite verkürzt und die Finger zugleich Töne greifen.

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Schwere Musik gab’s zuletzt mit der Sonate für Violoncello und Klavier in A-Dur von César Frank (von 1887). Ursprünglich als Violinsonate komponiert, ist sie für viele der Inbegriff romantisch-schwelgerischer Violinmusik. Eine Herausforderung für Vardai, die er mit der ganzen Leidenschaft eines Cellisten anging, mit viel Bogendruck lange grummelnde Töne strich oder in hektisch gegriffenen Läufen Hin- und Hergerissenheit zeigten. Zusammen mit präzise gespielten Tonleiterfolgen gleich Klangteppichen am Klavier steigerten sich die Musiker zum monumentalen Schluss.

Während des Konzertabends konnte das begeisterte Publikum zwischen den Extremen schwanken. Ein Abendlied für Cello und Klavier nach Robert Schumann als letzte Zugabe war der finale Ausgleich.

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