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02.07.2010

Lässt Illertissen die Sonne rein?

Blaue Zellen, soweit das Auge reicht: Ein Ulmer Unternehmen will entlang der Autobahn bei Illertissen ein Sonnenkraftwerk errichten. Der Stadtrat hat darüber noch nicht entscheiden. Foto: dpa
Bild: dpa

Illertissen Für die Zukunft mangelt es nicht an Ideen. So wurden in jüngerer Vergangenheit vorgeschlagen, Illertissen zu Fahrradstadt oder zur Gartenstadt zu machen. Wenn es nach Peter Joos geht, wäre sie bald "Solarstadt". Der Chef des Ulmer Unternehmens JEC möchte entlang der Autobahn ein Sonnenkraftwerk errichten. Damit könne sich die Stadt als fortschrittliche, technologiefreundliche Kommune darstellen. Mit diesen Worten warb er im Stadtrat für sein Projekt eines Solarparks. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen.

Das Unternehmen Joos Energie Consulting hat sich spezialisiert auf Sonnenkraftwerke, die es zusammen mit zwei Investoren verwirklicht. Ins Auge gefasst hat Joos zwei Standorte auf Illertisser Flur: einerseits nördlich der Autobahnanschlussstelle, andererseits südlich davon in Richtung Unterroth. Doch in diesem Bereich kann das Unternehmen nicht genügend Grundstücke pachten, um die Kollektoren aufzubauen.

Deshalb konzentriert sich JEC auf den Norden mit einer Flächengröße von 10,5 Hektar. Auf einer Länge von 760 Metern und eine Breite von 100 Metern sollen dichte Reihen von Solarmodulen aufgebaut werden, ähnlich wie im Bild oben. Genügend Grundstückseigentümer haben laut Joos bereits zugesagt, ihre Flächen zu verpachten. Das Kraftwerk auf dem Areal der "Gschlachtäcker" soll drei bis vier Megawatt Strom produzieren. Damit könnte der Energiebedarf von 3300 Menschen gedeckt werden.

Um den Stadträten das Vorhaben schmackhaft zu machen, verglich Joos seinen Solarpark mit einer Biogasanlage. Die benötige für ein Megawatt Leistung rund 200 Hektar landwirtschaftliche Fläche, die durch Pflanzenschutzmittel und Dünger hoch belastet würden. Eine vergleichbar leistungsstarke Solaranlage komme mit zwei bis drei Hektar Grund aus, der dafür geschont würde. Das unter den Modulen wachsende Gras werde nur zweimal im Jahr gemäht. Das trage zum Schutz von Boden und Grundwasser bei, argumentierte Joos. Den Flächenbesitzern soll der Park das Sechsfache der üblichen Pacht einbringen, ferner würden Ortsansässige bei der Pflege des Geländes beschäftigt. Die Stadt könne sich über zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen freuen, denn die Betriebsgesellschaft habe den Sitz in Illertissen.

Die Ausführungen von Peter Joos nahmen die meisten Stadträte erst einmal unkommentiert zur Kenntnis, denn sie wollen erst in den Fraktionen über das Vorhaben reden. Lediglich Gerhard Reisinger sagte klar, was er vom Solarpark hält: "Es ist ein Schmarrn, landwirtschaftliche Flächen zuzupflastern, die zur Produktion von Lebensmitteln dienen." Seiner Ansicht nach wird die Solartechnik, gemessen an ihrer Bedeutung für die Energiegewinnung, viel zu hoch bezuschusst. Joos hielt dem entgegen, Sonnenparks würden entlang von Autobahnen gebaut, weil dort der Boden wegen der Schadstoffbelastung ohnehin nicht mehr zur Lebensmittelproduktion geeignet sei. (hip)

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