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Illertissen

14.04.2019

Lesetipp: Wie ein kleines Tier große Pläne durcheinanderbringt

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Nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) ist die Zauneidechse „streng geschützt“. Auf der Roten Liste gefährdeter Arten in Bayern zählt das Kriechtier zu den „Arten der Vorwarnliste“<b>.</b>
Bild: Klaus Kleiner (Symbolbild)

Plus Die Stadt Illertissen stößt bei ihren Plänen für ein neues Wohngebiet auf Hürden. Es geht auch um Eidechsen - das war diese Woche einer unserer meistgelesenen Artikel.

Die Zauneidechse bremst die Pläne der Stadt Illertissen aus: 24 Tierchen sollen über das ehemalige Baywa-Areal östlich der Bahnlinie huschen. Dort, wo in Zukunft neue Häuser mit Wohnungen entstehen sollen. Das hat eine Untersuchung ergeben. Wer sich an die Wirren um „Stuttgart 21“ erinnert, der weiß, was diese Nachricht bedeutet: Tausende Eidechsen mussten dort mit einigem Aufwand – und enormen Kosten – umgesiedelt werden, um die Arbeiten an der Bahnstrecke fortführen zu können. Dasselbe Prozedere erwartet nun Illertissen, wenn auch in kleinerem Maßstab. Bürgermeister Jürgen Eisen (CSU) ärgert sich über diese und weitere Auflagen, mit denen die Stadt bei ihren Plänen für das innerörtliche Gelände konfrontiert wird: „Langsam hört da für mich der Spaß auf“, sagte er in einer Sitzung des Bauausschusses. Wenn die Regierung eine Stadtentwicklung „innen statt außen“ wünsche, dann sollten den Kommunen dabei auch keine Steine in den Weg gelegt werden.

Das ehemalige Baywa-Areal befindet sich östlich der Bahnlinie, nördlich der Adolf-Kempter-Straße und westlich der Ulmer Straße in Illertissen.
Bild: Dominik Stenzel

Wie berichtet, lässt Illertissen derzeit einen Bebauungsplan für das Baywa-Areal – ein Gebiet zwischen Bahnlinie, Ulmer Straße und Adolf-Kempter-Straße – aufstellen. In diesem Zuge fand im vergangenen Jahr eine sogenannte vertiefende faunistische Untersuchung statt – also eine Prüfung, welche Tiere auf dem Gelände leben. Ein Resultat des Berichts, der seit Kurzem vorliegt: Wegen eines geschätzten Vorkommens von zwei Dutzend Zauneidechsen werden Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. Das sieht unter anderem das EU-Recht so vor.

Schilling: "Sensibles Thema Naturschutz trifft auf deutsche Bürokratie"

In der Praxis heißt das: Die Stadt muss die bedrohten Reptilien vor dem Baubeginn und unter bestimmten, etwa zeitlichen Bedingungen umsiedeln lassen. Ein rund 3600 Quadratmeter großes „Ersatzhabitat“ – eine Fläche zwischen Betlinshausen und Tiefenbach, am Waldstück Tannengarten – muss als Lebensraum für die Echsen gestaltet werden. Selbst dafür, wie groß ein Schotterhaufen sein muss, gebe es Vorschriften, erklärt Florian Schilling, Leiter des Hochbauamts, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Da trifft das sensible Thema Naturschutz auf deutsche Bürokratie.“

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Rätin Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne) ergriff in der Sitzung das Wort: „Ich muss jetzt für die Zauneidechse sprechen. Das wird immer lächerlich gemacht. Sie steht auf der Roten Liste und der Mensch hat ihr den Lebensraum genommen.“ Verzögert sich die Umsetzung der Illertisser Pläne deswegen, dann wäre dies eine Konsequenz des menschlichen Handelns. Bürgermeister Eisen entgegnete, dass die Stadt bereits viel tue und in Sachen Ausgleichsflächen „Vorzeigekommune“ im Landkreis sei. Er sei der Meinung, dass sich vielleicht auch andere Lösungen finden ließen.

Altlasten wurden im Boden entdeckt

Die Eidechsen sind das eine, die Vögel das andere. Rund 20 Arten wurden laut Bericht auf dem Baywa-Areal nachgewiesen. Für die soll die Stadt Bruthilfen schaffen. Keine Maßnahmen sind hingegen für Fledermäuse, ebenfalls Gegenstand der Untersuchung, notwendig.

Das ist wohl nur ein schwacher Trost für die Stadt – denn auf dem Weg zum Bebauungsplan hatte sie bereits einige Stolpersteine zu bewältigen. Schilling sagt: „Seit zwei Jahren läuft das Verfahren jetzt schon. So etwas sollte halb so lange dauern.“ Es handelt sich aus seiner Sicht um einen „schwierigen Bebauungsplan“, insbesondere wegen der Lage im Stadtinneren.

Ein weiterer kritischer Punkt: Altlasten im Boden, welche frühere Gewerbebetriebe dort hinterlassen hatten. Die Stadt ließ ein Gutachten erstellen, herausgekommen ist „ein ganz schön dicker Wälzer“, wie Schilling sagt. Auch bis dieses Gutachten vorlag, dauerte es. Und das Thema wird die Stadt in Zukunft gewiss noch beschäftigen.

Ob Tierwelt oder Altlasten: Die bisherigen Erkenntnisse ergaben laut Bürgermeister Eisen, dass „erhebliche Umweltauswirkungen“ bei der Umsetzung des Vorhabens nicht ausgeschlossen werden können. Das bringt eine zusätzliche bürokratische Hürde mit sich: Der Bebauungsplan sollte ursprünglich in einem „beschleunigten Verfahren“ aufgestellt werden. Das ist nun nicht mehr möglich, es muss durch ein „Normalverfahren“ ersetzt werden. Dies sei ärgerlich, sagt Schilling, denn damit könne wiederum der erforderliche Flächennutzungsplan nur durch ein separates Verfahren geändert werden. Und der ist nötig, um den Bebauungsplan verabschieden zu können. Kurzum: Die Stadt und die Planer haben mehr Aufwand – und weitere Zeit verstreicht, bis Bauherren und Investoren loslegen können.

Schilling rechnet damit, dass sich der Beschluss zur Aufstellung um rund zwei Monate verschiebt. Also von September auf November.

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