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Gericht

20.01.2015

Liebe vergeht, Strafregister besteht

Maurer fährt ohne Führerschein zur Ex und verpasst neuem Partner der Frau Schläge

Wegen Betrugs, Fahrens ohne Führerschein und vorsätzlicher Körperverletzung ist gestern ein Maurer aus einem Ort im südlichen Landkreis Neu-Ulm vom Amtsgericht Neu-Ulm zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss der Mann 1500 Euro an den Verein zur „Förderung der Bewährungshilfe Schwaben“ zahlen und sich regelmäßig bei einem Bewährungshelfer melden.

Gegenüber Strafrichterin Antje Weingart räumte der Angeklagte die von Oberstaatsanwalt Markus Schroth erhobenen Vorwürfe fast vorbehaltlos ein. Demnach hatte ihm sein auf dem Bausektor tätiger Arbeitgeber mit Beginn der Schlechtwetterperiode Anfang 2014 gekündigt – mit dem Versprechen, ihn wieder einzustellen, sobald es Witterung und Auftragslage zulassen, spätestens aber Anfang April 2014. Darüber wurde auch die Arbeitsagentur informiert, die Arbeitslosengeld bewilligte.

Weil aber die Temperaturen früher als erwartet gestiegen und die Auftragsbücher offenbar voll waren, begann schon Mitte März die Arbeit. Darüber wurde die Arbeitsagentur allerdings nicht informiert, sodass das Amt weiter Arbeitslosengeld überwies, obwohl der Maurer wieder Lohn erhielt. 1111 Euro kassierte er deshalb zu viel vom Staat. Für diesen Betrug hatte er sich einen Strafbefehl über 60 Tagessätzen á 50 Euro eingefangen, gegen den er wegen der Höhe der Strafe Einspruch einlegte. Mit Erfolg, denn das Gericht reduzierte die Anzahl der Tagessätze auf 40, nachdem der Angeklagte glaubhaft darlegen konnte, dass er mangels Erfahrung in solchen Sachen schlichtweg vergessen habe, sich beim Arbeitsamt abzumelden. Für Juristen ist das ein Fall von „Betrug durch Unterlassen“, der milder geahndet wird als die „klassische Abzocke“.

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Schwerer wogen allerdings die anderen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die der Beschuldigte lediglich in einem Detail korrigierte. Danach hatte sich der Maurer Mitte Juli ans Steuer eines Autos gesetzt, um von einem Illertisser Stadtteil aus nach Neuhausen bei Holzheim zu fahren. Grund der mitternächtlichen Reise war eine Frau, die der Angeklagte als die „Liebe meines Lebens“ bezeichnete. Offenbar beruhte die innige Zuneigung aber nicht auf Gegenseitigkeit, denn nach zweijähriger Liaison gab ihm die Angebetete den Laufpass. Ganz Schluss war offenbar aber doch nicht, denn der Beschuldigte glaubte, Anzeichen erkennen zu können, dass die Beziehung noch nicht endgültig gescheitert ist. Zum einen erbat sich die Angebetete immer wieder Bedenkzeit, zum anderen bestärkte ihn sein bester Freund immer wieder in der Hoffnung, das Herz der Liebsten zurückerobern zu können.

Mitten in das Hoffen und Bangen platzte dann eine Nachricht, die den Maurer wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf. Ausgerechnet der beste Freund, Tröster und Mutmacher in Sachen Herzschmerz, war der neue Mann im Leben der Liebe des Lebens. Die Frage, wer ihn mehr enttäuscht hatte, war gestern nicht Gegenstand des Verfahrens. Für ihn sei eine Welt zusammengebrochen, schilderte er seine Gemütsverfassung, als er sich auf nach Neuhausen machte. In diesem emotionalen Ausnahmezustand klingelte er an der Wohnungstür seiner alten Liebe, die ausgerechnet von deren neuer Liebe geöffnet wurde. Angesichts des vormals besten Freundes, der ihn schmählich hintergangen hatte, brannten bei dem Maurer die Sicherungen durch, sodass er dem Mann zwei Schläge ins Gesicht verpasste – ob mit der Faust, wie der Staatsanwalt behauptete, oder mit der flachen Hand, wie der Angeklagte sagte, war nicht mehr zu klären. Nach diesem Akt von Selbstjustiz machte sich der Beschuldigte auf die Heimfahrt. Anders als er glaubte, hatte er die Tour ohne Führerschein gemacht. Der deutsche Lappen war ihm bereits Ende 2001 entzogen worden. Die Fahrerlaubnis, die er zur Tatzeit sein Eigen nannte, war gewissermaßen doppelt ungültig: Zum einen handelte es sich um eine bulgarische Lizenz, die in Deutschland nicht anerkannt wurde, zum anderen war der ohnehin unzulässige Führerschein damals bereits abgelaufen. Auch mit dem tschechischen Führerschein, den er gestern vorlegte, darf er nicht am bundesdeutschen Straßenverkehr teilnehmen: Da er Fahrschule und -prüfung absolvierte, ohne einen festen Wohnsitz in Tschechien zu haben, wird dieser Schein von deutschen Behörden nicht akzeptiert.

Positiv wertete Richterin Antje Weingart das Geständnis des Angeklagten und den Umstand, dass er das vom Arbeitsamt erschwindelte Geld bis auf 300 Euro bereits zurückgezahlt hat.

Strafschärfend wirkten sich aber neun, teilweise einschlägige, Vorstrafen auf das Urteil aus – frei nach dem Motto: Liebe vergeht, Strafregister besteht. (kr)

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