Weißenhorn

01.02.2019

Literatur ist ihr Hobby

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Jugendliche finden Lesen wichtig. Das zeigt eine Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach.
Bild: Jan Woitas/dpa

Leah Braekau aus Weißenhorn verfasst Kurzgeschichten – sie will ihre Leser sie zum Umdenken anregen.

Leah Braekau hat ein recht ungewöhnliches Hobby: Die 19-jährige Studentin schreibt für ihr Leben gerne Kurzgeschichten. Bereits vor mehr als zehn Jahren hat die junge Frau aus Weißenhorn ihre ersten Texte verfasst. Damals bestand ihre Leserschaft noch ausschließlich aus ihrer Familie. Der Inhalt? „Das war immer reine Fantasie. Ganz oft ging es um ein Sockenmonster“, erzählt sie und lacht. Die Abenteuer des kleinen Fabelwesens waren Leahs persönlicher Anfang als Autorin.

Mittlerweile hat sich das geändert: Ein Sockenmonster findet sich in ihren Kurzgeschichten nicht mehr. Stattdessen spielen die Texte der 19-jährigen Studentin in der realen Welt und handeln von echten Problemen: Krieg, Vertreibung, Flucht, aber auch alltäglichere Dinge wie Mobbing in der Schule. Und auch ihre Leserschaft hat sich gewandelt: Drei ihrer Kurzgeschichten hat Leah bereits veröffentlicht. Ihr letztes Werk wurde im November vergangenen Jahres sogar ausgezeichnet: Für „Die Eule und der Halbschlumpf“ erhielt sie den Literaturpreis für junge Autoren des Bezirks Schwaben. Das vorgegebene Thema bei der Veranstaltung: Schönheit. Der Preis war für sie ein echter Erfolg: „Das war schon klasse, zu gewinnen“, sagt sie freudig.

In der Geschichte behandelt Leah das Leben eines fiktiven Icherzählers: sportlich, beliebt und ein wenig angeberisch. Doch nach einem Unfall im Urlaub verliert der fiktive Jugendliche ein Bein. Seine Schulkameraden sehen in ihm fortan nur noch einen Behinderten, nennen ihn spöttisch „Halbschlumpf“. Im Sport wird er als Letzter gewählt, von seinen alten Freunden wird er gemieden. Sogar sein bester Freund wendet sich von ihm ab. Am eigenen Leib muss der einstige Beliebtheitskönig erleben, wie es sich anfühlt, wegen einer Behinderung ständig angestarrt und ausgelacht zu werden. Irgendwann machen sich sogar die über ihn lustig, die er früher gehänselt hat.

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Erst, als er eine Reha beginnt, findet der namenlose Protagonist eine neue Freundin: Eine Klassenkameradin namens Eulalia, die wegen ihrer großen Brille von allen nur „Eule“ genannt wird. Mit ihrer Hilfe lernt er mit seinem neuen Leben umzugehen – und wie banal Oberflächlichkeiten wie das Aussehen eigentlich sind.

Die Geschichte, sagt Leah, ist frei erfunden. Trotzdem lässt die junge Autorin Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben einspielen: „Ich habe ein Jahr lang Freiwilligendienst in einem Heim für Behinderte gemacht.“ Das habe sie nachhaltig beeindruckt: „Viele Erlebnisse von damals finden sich in der Geschichte wieder.“ Während des Freiwilligenjahres begleitete sie ein Kind im Rollstuhl regelmäßig in die Schule und erlebte so dessen Alltag mit. Ein Erlebnis, das sie geprägt hat: Denn damals habe sie zum ersten Mal richtig mitbekommen, wie sich Kinder in der Situation fühlen: „Oft reagiert das Umfeld seltsam auf Behinderte.“

Auch in ihren anderen Geschichten dreht sich vieles um gesellschaftliche und politische Themen, erzählt Leah. Vor allem aktuell immer wieder diskutierte Themen wie Flucht und Vertreibung seien ihr wichtig. Darüber hat sie auch schon zwei weitere Kurzgeschichten verfasst, die beide veröffentlicht wurden: „Sandkornzauber“ und „Stromschwimmer“. Darin werden die Erlebnisse von Flüchtlingen geschildert. „Ich will erreichen, dass die Menschen anders wahrgenommen werden. Wer meine Texte liest, soll sich selbst und sein Verhalten hinterfragen. Das ist mir sehr wichtig“, erklärt die 19-Jährige.

Kritisches Feedback bekommt die junge Schriftstellerin vor allem von ihrer Familie. „Wenn ich eine Geschichte geschrieben habe, lese ich sie meistens zuerst meinen Eltern vor und dann diskutieren wir über den Inhalt. Das hilft mir meistens sehr.“

Trotz ihres Erfolgs und obwohl sie leidenschaftlich gern schreibt, hat Leah nicht vor, einmal Autorin zu werden. Zumindest ist das nicht ihr oberstes Ziel. „Toll wäre das natürlich schon, aber ich glaube, das ist schwer zu schaffen.“ Die 19-Jährige hat einen anderen Plan: Derzeit studiert sie Soziale Arbeit. Danach will sie als Psychotherapeutin für Jugendliche arbeiten. Dem Schreiben will die Weißenhornerin dann weiter treu bleiben. „Das bleibt immer ein Hobby. Die Ideen gehen mir noch lange nicht aus.“

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