Landkreis Neu-Ulm

23.06.2017

Löschzwerge im Einsatz

Kinder von der Mini-Feuerwehr in Fahlheim mit ihren Betreuerinnen Nadine Merkle (links hinten), Anja Proske (Zweite von rechts hinten) und Sarah Kotonski (rechts daneben).
Bild: Feuerwehr Fahlheim

Bellenberg, Fahlheim und jetzt auch Neu-Ulm: Die Zahl der Kinderfeuerwehren in der Region wächst. Damit soll der Nachwuchs gefördert werden, doch es gibt auch kritische Stimmen.

Nudeln brennen nicht. Zumindest zuerst nicht. Sarah Kotonski, Leiterin der Mini-Feuerwehr in Fahlheim, hat das getestet – gemeinsam mit 25 Mädchen und Buben. Seit fünf Jahren treffen sich die Sechs- bis Elfjährigen und ihre Leiterin einmal im Monat. Mit kleinen Löschübungen oder Lektionen zur Ersten Hilfe soll den Kindern Brandschutz nähergebracht werden. Und nicht nur die Feuerwehr in Fahlheim kümmert sich um den Nachwuchs. So gibt es in Bellenberg bereits seit zwei Jahren eine Kinderfeuerwehr. Im Bucher Ortsteil Nordholz wurde erst vor kurzem der Spatenstich für eine Kinderfeuerwehr-Einsatzzentrale und einen Spielplatz mit Feuerwehrauto gemacht und in Neu-Ulm fand vor wenigen Wochen das erste Treffen einer Mini-Feuerwehr statt. Die Kollegen in Straß haben sogar ihre Vereinssatzung so geändert, dass bereits Kinder ab sechs Jahren Mitglied werden können. Der Weg zu einer Kinderfeuerwehr wäre damit geebnet.

Diesen Schritt haben Sarah Kotonski und der Kommandant der Feuerwehr Fahlheim, Andreas Frey, bereits gemacht. Seit mittlerweile fünf Jahren gibt es dort einen Trupp für die Kleinsten. Die Idee dazu hatte Kotonski bei einer der Brandschutz-Übungen, die sie in Kindergärten und Schulen macht. „Dort wurde ich von den Eltern angesprochen, ob man nicht mal eine Kinderfeuerwehr gründen kann“, sagt die 29-Jährige. Nach mittlerweile fünf Jahren gibt es bei der Mini-Feuerwehr viele Programmpunkte: So besichtigen die Kinder verschiedene Feuerwachen in der Region, sie lernen, wie man einen Notruf richtig absetzt und dürfen sogar Mini-Löschübungen machen. Feuerwehrschläuche, die mit einem großen Druck Wasser spritzen, kommen dabei nicht zum Einsatz. Dafür gibt es spezielle Anfertigungen: „Die sehen dann eher wie Gartenschläuche aus“, sagt Kommandant Andreas Frey. Zudem bekommen die Kinder auch eine kleine Uniform. Diese bestellte Kotonski in einem Feuerwehr-Shop im Internet. „Sie sieht genauso aus, wie die Uniform der Großen, nur halt im Miniformat.“

Neue Regelung: Ab sechs Jahren dürfen die Kleinen in die Feuerwehr

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Gerade die Kleinen, im Alter von fünf oder sechs Jahren, seien „ganz scharf darauf“, bei der Feuerwehr zu sein, berichtet Kotonski. Ähnlich sieht das Werner Denzel, Kommandant in Bellenberg. Kindergartenkinder seien von der Feuerwehr am meisten begeistert. Die Kinderfeuerwehr, bei der in Bellenberg 18 Buben und Mädchen angemeldet sind, sei daher ideal, um Nachwuchs zu gewinnen. Denn zur Jugendfeuerwehr können Kinder erst ab zwölf Jahren – das ist für viele zu spät. „Die meisten Kinder sind in diesem Alter schon im Fußball- oder Musikverein. Die kann man nicht mehr abholen“, sagt Denzel. Eine frühere Jugendarbeit hätte natürlich auch positive Auswirkungen auf die Wehr. Denn die Kinder aus der Mini-Feuerwehr würden meist nahtlos in die Jugendfeuerwehr übergehen, wie der Fahlheimer Kommandant anmerkt.

Nadja Schultheiß findet die Einrichtung gut. Ihre beiden Söhne gehen zur Kinderfeuerwehr in Fahlheim. Maximilian, elf Jahre, gefällt es vor allem, weil man dort Freunde trifft.

Schläuche ausrollen, Knoten binden oder Löschübungen machen – das macht dem Buben Spaß. Johannes, sein jüngerer Bruder, ist ebenfalls seit drei Jahren bei der Kinderfeuerwehr. Am liebsten mag er den Ersten-Hilfe-Kurs. Ob er bereits etwas davon anwenden konnte? „Ja, schon viel“, sagt der Neunjährige. Seine Mutter sieht die Kinderfeuerwehr als sinnvolle Sache und sagt: „Das Ehrenamt sollte in jeglicher Form gefördert werden.“

Damit das gemeinnützige Engagement auch in Zukunft gestärkt wird, hat der Landtag am Mittwoch einer Änderung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes zugestimmt. Die Novelle, die am 1. Juli in Kraft tritt, erlaubt es, dass die Freiwilligen Feuerwehren bereits Kinder im Alter ab sechs Jahren aufnehmen dürfen. Bis jetzt können sie nur im Feuerwehrverein Mitglied werden. Doch nicht überall werden die Kinderfeuerwehren bejubelt. So gibt es auch aus den eigenen Kreisen Bedenken. Steffen Hofmann, zweiter Kommandant der Feuerwehr Straß, hat auch für die Einwände ein offenes Ohr: „Manche sagen, dass es einfach eine zu lange Zeit zwischen sechs und 18 Jahren ist.“ Einige der Buben und Mädchen würden wohl nicht bei der Feuerwehr bleiben.

Auch wenn die Kinder aus der Mini-Wehr nicht mit 18 Jahren in den aktiven Dienst wechseln, hat ihr Engagement einen positiven Nebeneffekt. Andreas Frey bestätigt das: „Mittlerweile gibt es zwei Eltern, die in den Dienst eingetreten sind. Und das nur, weil ihre Kinder zur Kinderfeuerwehr gehen.“

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