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Ulm/Neu-Ulm

25.06.2017

Logistik: Eine Branche unter Hochdruck

Dem Transport per Laster kommt in der Logistikbranche eine zentrale Rolle zu. Die europaweite Konkurrenz ist groß.
Bild: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolfoto)

Gegen die Vorwürfe aus den Reihen der Gewerkschaften, dass systematisch Lohn- und Tarifstandards unterlaufen würden, wehrt sich nun ein zentraler Akteur.

Nach der massiven Kritik der Gewerkschaften Verdi und IG Metall an den Arbeitsbedingungen in der Logistikbranche, wehren sich nun Branchenvertreter: Dass der von den Gewerkschaften erweckte Eindruck, in der Transport- und Logistikbranche würden systematisch Lohn- und Tarifstandards unterlaufen, nicht aus der Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag in einzelnen Unternehmen abgeleitet werden könne, betont Ingrid Eibner, Geschäftsführerin des Logistik-Cluster Schwaben (LCS). LCS ist ein Zusammenschluss von Firmen und Organisationen, der Unternehmer, Hochschulen, Kommunen, Wirtschaftsförderer und weitere logistiknahe Akteure an einen Tisch bringen will um ihre Aktivitäten zu koordinieren und zu bündeln.

Eibner verweist darauf, dass vor allem die Speditionen und Transportdienstleister unter einem „enormen Kosten- und Konkurrenzdruck“ stehen würden. Ausschlaggebend hierfür sei vornehmlich der internationale Wettbewerb. Denn auch die Mindestlohngesetze in verschiedenen europäischen Staaten hätten bislang nicht zu einer wirklichen Angleichung der Wettbewerbsbedingungen geführt. Der Lohnkostenanteil sei in dieser Branche aber ein entscheidender Faktor in den Kalkulationen und damit für die Frage, ob ein Unternehmen Aufträge gewinnen kann. Eibner: „Hier stehen, das müsste auch den Gewerkschaften bekannt sein, vor allem deutsche Unternehmen unter besonderem Druck aus dem Ausland, insbesondere aus Osteuropa.“ Das heißt: Ein Fahrer aus Neu-Ulm oder Ulm etwa, sieht sich demnach in direkter Konkurrenz zu Berufs-Kollegen aus Bulgarien oder Polen.

Gerne brüsten sich die lokalen Logistik-Größen wie Honold aus Neu-Ulm oder Seifert aus Ulm mit immer wieder neuen Umsatzrekorden. Honold etwa erzielte wie berichtet im vergangenen Jahr eine Umsatzsteigerung von 229 Millionen auf 234 Millionen Euro und Seifert erwirtschaftete 2016 ein Umsatz-Plus von 18 Prozent, was 145 Millionen Euro bedeutet. Begehrlichkeiten bei Mitarbeitern sollten diese Zahlen allerdings nicht direkt wecken, wie Eibner betont: Denn Umsatzentwicklungen sind freilich keine Gewinne und könnten deswegen nicht zur Grundlage von Forderungen nach höheren Löhnen in der Branche gemacht werden. Eibner: „Ausschlaggebend sind in dieser Branche aufgrund der geschilderten Umstände die nur sehr schmalen Renditen.“ Unabhängig von der Frage der Tarifverträge sei die Bezahlung der Mitarbeiter dennoch nicht schlecht. Allein aufgrund der Arbeitsmarktsituation in der Region müssten fast alle Transport- und Logistikunternehmen Löhne deutlich oberhalb des staatlichen Mindestlohns zahlen, um überhaupt Fachkräfte finden zu können.

Zum Hintergrund der Diskussion: Die IG Metall rief jüngst zu einem Warnstreik bei Seifert Logistik in Ulm auf, weil der Arbeitgeber sich weigere, über einen Tarifvertrag zu verhandeln. Christian Velsink, zuständiger Gewerkschaftssekretär, warf der Firma Bereicherung auf dem Rücken der Beschäftigten vor. Ein Verdi-Vertreter aus Augsburg unterstützte die Aussagen.

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