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Au

22.02.2020

Machtübernahme: Jetzt reden die Aumer Klartext

Das Hohe Gericht der Aumer Kröpf mit Florian Rogg, Sabrina Egen und Andreas Binder (von links) erhob schwere, närrische Vorwürfe gegen die Illertisser Stadtpolitik. :
Bild: Regina Langhans

Die Narren aus dem Stadtteil schlagen die Illertisser Räte und Bürgermeister in Fesseln. Das sind ihre Forderungen.

Wer von Illertissen nach Au umsiedeln will, braucht einen vom Dorf ausgestellten Ausweis, muss drei Vereinen angehören, Aumer Fisch essen und alle Feschdle besuchen – so hat das Narrengericht heuer nach erfolgtem Rathaussturm verfügt. Im 29. Jahr haben die Dorfbewohner in der närrischen Jahreszeit die Illertisser Stadtpolitik aufgemischt und ihre Erkenntnisse im Kulturstadl zum Besten gegeben.

Die närrische Machtübernahme war gekennzeichnet vom Aufstellen des Narrenbaumes am alten Rathaus durch die Aumer Kröpf. Begleitet wurden sie von der Blaskapelle und beaufsichtigt vom Präsidentenpaar Selina und Werner des Carneval Clubs Au (CCA). Bürgermeister Jürgen Eisen wurde der Schlüssel abgenommen und der ganze Stadtrat gefesselt. Gemeinsam ging es zur Stadlbar des Kulturrings. Dort zogen die Auer den Stadtrat für die politischen Verfehlungen in ihrem Dorf zur Verantwortung. Alle Kooperationsbereitschaft nützte da nichts: Unerbittlich trug das hohe Gericht seine Anklageschrift vor.

Türsteher und Ausweispflicht im Kindergarten

Damit sie dabei auch nicht aus dem Konzept kämen, gab Günther Miller am Piano den Takt vor: „Jupheidi und jupheida, jetzt regiert der CCA, d’Narra schaffad a“, sangen sie den Stadträten und den drei Illertisser Bürgermeistern ins Ohr. Dazwischen ging es ordentlich zur Sache: „Unsre Kinder hier in Au sind gelackmeiert wia d’Sau. Kennad id in Kindergarda, weil Fremde druckad rei in Schara.“ Laut Eingemeindungsvertrag mit Illertissen stehe der Platz aber allen Auer Kindern zu. „Wenn Dissama weiterhin in Au wellad in d Kindergadda gau“ – dann müsse eine vierte Gruppe her. Wenn nicht, würden Türsteher und Ausweispflicht eingeführt.

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Der Rathausschlüssel wurde in Vöhringen überreicht.
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In der Region übernehmen die Narren das Regiment
Bild: Ursula Katharina Balken

In Sachen Baugebiete fühlen sich die Auer abgehängt. Sollten sie eines bekommen, müsse es vorrangig für Au sein: „Dass ihr Stadträt frei dann guggat, dass id wieder Dissama rei druckat. Id dass geht wie am Kindergarta und mir Aumer auf Plätze wartat.“ Ein echter Aumer sei, wer fünfzig Jahre im Ort wohne und am gesellschaftlichen Leben teilnehme, zumindest am Carneval Club Au.

Der Christbaum am Friedhof hat den Aumern nicht gefallen

Auch die städtische Weihnachtsdekoration am Friedhof erschien den Auern wie eine einzige Blamage: „Der Chrischtbaum an dr Laichahall, der minschde in ganz Illertal. Dr Binder Maddl hat’s in Peru vernommen und isch direkt her gekommen. Hat’n packt den wiaschda Boscha mit Zora und am Haufa goscha.“ Sogleich habe es einen Ersatz dafür gegeben, nur dass halt jetzt am Kulturringstadl eine Tanne fehle.

Beklagt wurde auch das Ende der Rathausstüberl-Ära unter dem bisherigen Wirt Gottfried Kuisl: „Ach hätt die Stadt den Kuisl denna id zum Beamta macha kenna? Da hätt der id viel schafa missa, wie halt im Rathaus denn in Dissa.“ Mit fünf Tagessätzen zu je zehn Liter Bier konnten sich die Illertisser freikaufen. Somit hatten Obrigkeit und Publikum noch allen Grund zu feiern.

Auch hier haben die Narren die Rathäuser gestürmt:

Rathaussturm: Bürgermeister hat keine Chance

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