1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Magische Klänge, die die Welt betören

Harfenkonzert

02.05.2016

Magische Klänge, die die Welt betören

Xavier de Maistre, schier unerreichbar im Harfenspiel, zeigte sich zur anschließenden Autogrammstunde leutselig und gesprächig.
Bild: R. Langhans

Xavier de Maistre fasziniert Fanpublikum in ausverkaufter Kollegskirche mit ungewöhnlichem Programm

Zum sechsten Mal – jeweils in unterschiedlicher Besetzung – gastierte der in Toulon geborene Franzose Xavier de Maistre mit seiner Harfe beim Freundeskreis Kultur im Schloss in Illertissen. Es war für ihn in der ausverkauften Kollegskirche wie ein Heimspiel, und entsprechend herzlich begrüßte er sein Publikum: „Wie schön ist es, wieder in so viele bekannte Gesichter zu blicken.“ Diesmal überraschte er als Solist mit Musik, die sonst in der Oper oder auf dem Klavier zu hören ist und geizte nach anspruchsvollstem Programm bei der Zugabe nicht mit humorvollen Variationen zu Paganinis Caprice „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Das Fan-Publikum, darunter 30 junge Harfenisten der Musikschule Ulm-Biberach, staunte und war total begeistert.

Gäbe es die Harfe nicht schon, Xavier de Maistre hätte sie wahrscheinlich erfunden. Zweifellos aber hat er die Musik auf dem einst sagenumwobenen Instrument revolutioniert, indem er mit seinem virtuosem Spiel neue Literatur erobert und dabei der Harfe als Soloinstrument betörende, magische Klangwelten entlocken kann.

Der Auftakt gestaltete sich gefällig mit Mozarts Zauberflöte in Variationen als Bearbeitung für Harfe oder Klavier des russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857), im Anschluss daran dessen dahinfließende Nocturne in Es-Dur. Ähnlich orchestral wurde es bei der Fantasie zu Themen aus Peter Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ (für Harfe von Ekaterina Walter-Kühne, 1870-1930), indem der Virtuose auf seinem Instrument das Klangvolumen eines ganzen Orchesters herbeizaubern konnte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bei „Le Rossignol“ (Die Nachtigall, 1842) handelt es sich um eine Klavierfassung Franz Liszts zu einer russischen Melodie, die Henriette Renié für Harfe arrangiert hat. De Maistre präsentierte das Stück im perfekten Gleichmaß der angeschlagenen Töne – wäre es nicht als Klavierkomposition bekannt, so war es doch als solche gut herauszuhören.

Sodann der „Orientalische Tanz“ und die „Toccata“ von Aram Chatschaturjan (1903-1978) für Klavier, deren Titel allein die Vorstellung von über die Tasten fliegende Hände vermitteln. Und so klang es auch, nur dass es zehn Finger waren, die sich auf atemberaubende Weise über die Saiten arbeiteten. Gerade bei der Toccata – bekannt für die Verknüpfung folkloristischer Melodien und Rhythmen Armeniens mit barocken Elementen und den des 20. Jahrhunderts – konstruierte der Meister Klangteppiche, die blitzartig aus- und ineinanderrollten.

Beim Impromptu in Des-Dur von Gabriel Fauré, Vater des Impressionismus in der Musik, hatte de Maistre ein Originalstück vor sich, dem es nicht an Raffinessen mangelte, wie gleißend klirrende Glissandi.

Die beiden Arabesques von Claude Debussy (1862-1918) zählen zu dessen bekanntesten Klavierwerken. De Maistre spielte sie in der Bearbeitung von Henriette Renié. Die für diese Stücke typisch romantischen Verzierungen und Spielereien klangen zauberhaft – dann riss eine Harfensaite. Doch der Künstler zog eine neue auf, stimmte nach und spielte lächelnd weiter.

Dafür gab’s anerkennenden Szenenapplaus, vielleicht auch, weil der Virtuose in seiner künstlerischen Unerreichbarkeit überraschend näher gerückt ist. Doch der Funke war längst übergesprungen, und die Begeisterung der Zuhörer lag spürbar in der Luft, als de Maistre Bedrich Smetanas (1824-1884) „Die Moldau“ anstimmte, arrangiert von Hans Trncek. Dem atemberaubend romantischen Ausklang des Abends, der mit Mozart lieblich begonnen hatte und nach und nach immer härter die Saiten anklingen ließ, zeigte Harfenspiel in ungewöhnlicher Breite. Dafür bog, krümmte oder verrenkte der Virtuose die Finger in höchster Akrobatik, oder er ließ mit der flachen Hand die Saiten hallen. De Maistre gilt als der weltbeste Harfenspieler. Das war zu spüren.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20clb%2022.jpg(2).tif
Klosterbeuren

Der Schatz von Sankt Ursus

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden