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Tiefenbach

07.11.2019

Manfred Capell sang als Bariton am Ulmer Theater

Dritter Bürgermeister Wolfgang Ostermann gratuliert Kammersänger Manfred Capell.
Bild: Regina Langhans

Der Tiefenbacher Musiker ist jetzt 90 Jahre alt. Sein erstes Instrument lernte er in der Hitlerjugend, später floh er aus der DDR.

Durch sein einstiges Engagement am Ulmer Theater ist der Bariton Manfred Capell noch vielen in Erinnerung. Jetzt hat der Kammersänger in Tiefenbach seinen 90. Geburtstag gefeiert. Bis heute hört der rüstige Senior jeden Tag Musik.

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Er hatte sie niemals aufgegeben, im Ruhestand Liederabende gegeben oder als Solist den Konzerten umliegender Gesangvereine Glanzlichter aufgesetzt. So hatte der beliebte Solist eine große Gratulationsrunde zu begrüßen, deren Präsente er noch verpackt auf seinem Flügel stapelte. Er will sie erst am Schluss auspacken. Stilvoll, wie von Theatern und Opernhäusern gewohnt, verläuft auch sein Lebensabend.

Es scheint nicht ganz einfach für den Senior, die Glanzpunkte der eigenen Karriere herauszukehren. Zu viel hat sich in seinem Wanderleben ereignet, bevor er sich mit dem Engagement am Ulmer Theater in Tiefenbach dauerhaft niederließ.

Manfred Capell sang als Bariton am Ulmer Theater

Capelll sang auch im Rundfunkchor der DDR

Capell wurde am 1929 in Lübeck geboren und zog mit seiner Familie nach Schwerin, wohin sein Vater als Eisenbahner versetzt wurde. Als Zwölfjähriger begann er – somit zu Hitlers Zeiten – das Klarinettenspiel, weil in der Jugendgruppe jemand dafür gesucht wurde. Später trat er beim Rundfunkchor der DDR in Schwerin auf. Ihm wurde eine gute Stimme bescheinigt. „Ich bin immer ermuntert worden, du machst das schon, hat es geheißen“, erinnert sich Capell. Auf die Warnung hin, dass er anderntags zur Volksarmee eingezogen werde, flüchtete der 17-Jährige in den Westen zurück nach Lübeck, wo ihn bereits sein Vater erwartete. Die Mutter kam später. Nach dem Abitur begann Capell ein Gesangsstudium an der Hochschule in Westberlin. Mit der Karriere ging es dann Schlag auf Schlag: Als Sieger beim Meistersinger-Wettbewerb in Nürnberg erhielt er ein Studium in Philadelphia in den USA. Nach drei Jahren erfolgreich zurück, begab sich der ausgebildete Solist auf Vorstellungstour unde nahm Engagements in ganz Deutschland wahr. In Osnabrück heiratete er seine Frau Maria, eine Balletttänzerin.

Klar dass so viel künstlerisches Talent an ihren Töchtern nicht spurlos vorbeiging: Leonore hatte eine Hauptrolle in der TV-Serie Marienhof, Claudia wurde Rundfunksprecherin. Capell, der allein für „La Traviata“ 100 Mal auftrat, war es eine riesige Freude, in Stuttgart den Ehrentitel „Kammersänger“ erhalten zu haben.

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