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Landgericht Memmingen

10.11.2017

Mann soll sein Stiefkind viele Jahre zum Sex gezwungen haben

Es ist ein schreckliches Schicksal, von dem eine Frau erzählt: Über eineinhalb Jahrzehnte hinweg habe sie in Illertissen Gewaltausbrüche, Drohungen und Vergewaltigungen erlitten.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Vor dem Landgericht in Memmingen werden schwere Missbrauchsvorwürfe verhandelt. Ihr Schauplatz: Illertissen.

Es ist ein schreckliches Schicksal, von dem eine junge Frau erzählt: Über eineinhalb Jahrzehnte hinweg habe sie in Illertissen Gewaltausbrüche, Drohungen und Vergewaltigungen erleiden müssen. Sie soll von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht worden sein, das erste Mal 1997. Da war das Mädchen gerade sieben Jahre alt. Regelmäßig soll der Mann das Kind bedrängt haben: Es begann mit unsittlichen Berührungen. Aber bei denen blieb es nicht: Ab dem elften Lebensjahr des Mädchens soll der Mann mit ihm Sex gehabt haben, später dann mehrmals in der Woche. Dabei verletzte er das Kind offenbar schwer: Vier Operationen musste das Mädchen wegen der Angriffe durchstehen.

Sein Martyrium setzte sich mit einigen Unterbrechungen angeblich fort bis zum September 2015, als das Opfer im Alter von 25 Jahren sich wohl schließlich ein Herz fasste, sich der Polizei offenbarte und seinen Stiefvater schwer belastete. Das brachte ein Verfahren ins Rollen, das jetzt vor der Großen Strafkammer am Landgericht in Memmingen verhandelt wird.

Der Stiefvater hatte sich hunderte Male an dem Kind vergangen

Angeklagt ist der heute 61-jährige Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern: Der deutsche Staatsangehörige schweigt bislang zu den Vorwürfen, heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Ihm wird demnach vorgeworfen, „beginnend ab Juli 1997, an seiner damals siebenjährigen Stieftochter regelmäßig gegen deren Willen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben“. Immer wieder soll der Mann solche Taten an dem Kind verübt haben: Wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage unserer Zeitung sagte, hat die Staatsanwaltschaft aufgrund der Angaben des Opfers errechnet, dass sich der Stiefvater wohl hunderte Male an dem Mädchen vergangen hat. Juristisch betrachtet handelt es sich einerseits um Fälle von Kindesmissbrauch, wozu etwa Berührungen gerechnet werden. Und andererseits um sogenannten schweren sexuellen Missbrauch – wobei der Mann in das Kind eingedrungen sein soll. Dazu soll der Angeklagte das Opfer gezwungen haben, weshalb die Staatsanwaltschaft laut Gericht zudem von mehrfacher Nötigung ausgeht.

Damit das Kind niemanden informierte, soll ihm der Stiefvater gedroht haben: Wenn das Mädchen jemandem von seinen Missbrauchsvorwürfen erzähle, werde es „allein dastehen (...) und keinen mehr haben“, ist in der Mitteilung des Gerichts zu lesen.

Richter: „So etwas habe ich selten gelesen“

Und mehr noch: Nachdem das Opfer sein Zuhause im Jahr 2005 verlassen hatte, soll der Mann weiterhin Sex mit ihm gehabt haben – dann zwar ohne Gewalt anzuwenden, aber immer noch gegen den Willen der Jugendlichen.

Der Prozess dürfte zu den größeren seiner Art gehören: „So etwas habe ich selten gelesen“, sagte Richter Ivo Holzinger, der Pressesprecher des Landgerichts. Angesetzt sind bei der Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Hasler drei Verhandlungstage, Beginn ist am kommenden Montag. Schon beim Auftakt werden zahlreiche Aussagen zu hören sein: 15 Zeugen sind geladen, darunter Freunde und Bekannte des Opfers. Mit Spannung erwarten Beobachter, welche Rolle der Mutter in dem Fall zukommt. Dazu konnte das Gericht auf Nachfrage keine Angaben machen. Dies werde sich im Verlauf des Prozesses klären, hieß es.

Die Anklage stützt sich auf die Angaben des mutmaßlichen Opfers, das 2016 vor einem Ermittlungsrichter aussagte. Ein Gutachten sei angefertigt worden, sagte Gerichtssprecher Holzinger. Ein Psychologe halte die Frau für glaubwürdig. Zur Beurteilung solcher Fälle verfügten Experten über objektive Kriterien.

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