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Kultur im Schloss

26.02.2013

Marksteine der Quartettliteratur

Das amerikanische Daedalus-Streichquartett konzertierte im Barocksaal des Vöhlinschlosses und erhielt zum Dank vom Publikum viel Beifall und Pralinen. Trotz Neubesetzung hat das Quartett an Homogenität nicht verloren.
Bild: Otto Mittelbach

Daedalus-Quartett mit Haydn, Berg und Beethoven im Kontrast

Illertissen Unter der erfahrenen Leitung von Min-Young Kim musiziert das amerikanische Daedalus-Streichquartett seit dem Jahre 2000. Erstaunlich, dass es seine Homogenität beibehalten hat, obwohl vor Jahresfrist eine Neubesetzung erfolgte. Da gesellten sich zur Bratschistin Jessica Thompson mit der Kanadierin Mathilda Kaul als zweite Geigerin und dem Cellisten Thomas Kraines zwei neue Mitglieder hinzu.

Das Erreichen völliger Übereinstimmung in der musikalischen Auffassung ließ sich an Haydns Quartett op. 33 Nr. 2 noch nicht abschätzen, das die Gäste zu Beginn im Barocksaal vorstellten. Zu sehr steht die Primgeige im Blickpunkt und Min-Young Kim spielt ihre Führungsrolle kraftvoll mit großem Körpereinsatz aus, vornehmlich im Scherzo mit seinen Glissando-Jauchzern. Gleichwohl tritt eine wunderschöne Motivverarbeitung in allen Stimmen hervor. Und natürlich wird der spaßige Einfall Haydns, dem Schluss des Presto nach Pausen mehrmals eine kleine Reminiszenz anzuhängen, genüsslich ausgekostet.

Intensivste Spannung

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Dann das aufwühlende Bekenntnis Alban Bergs in seinem einzigen Streichquartett, das mit nervös-bewegter Rhythmik inmitten des schmerzhaften Übergangs von durchkonstruierter Tonalität zu tonaler Freiheit steht. Im kleinen Saal, der die Klänge direkt transportiert und damit ihre grellen Farben überbetont, wird bei der sich ständig steigernden Expressivität der Dissonanzen intensivste Spannung bis zum Bersten erzeugt. Das gewichtige Dokument der Zweiten Wiener Schule vermitteln die vier Streicher zupackend und selbst bei der Realisierung kleinster Details stets der großen Form verpflichtet. Der Beifall überzeugte davon, dass sogar ausgesprochen schwer zu goutierende Kammermusik im Barocksaal dankbar aufgenommen wird. Das Publikum kommt mittlerweile bis aus der weiteren Umgebung.

Beethovens Streichquartett in Es op. 127 gehört zu den „Klangwundern“, die er in seinem Spätstil hinterlassen hat, und es ist das fasslichste dieser späten Quartette. Lassen sich an ihm doch noch Anhaltspunkte an fest gefügte Formen ausmachen. Das zwingende Gerüst hat er längst abgestreift, es dominiert eine Fülle von Gedanken, Eindrücken und Empfindungen, im Zusammenhang nicht immer aufzuschlüsseln, aber eben persönliches Bekenntnis. Die Klangsäulen des Anfangs werden mehrfach wiederholt und teilen das Geschehen in Abschnitte. Im Mittelpunkt steht ein herrliches Adagio ma non troppo, dessen lang ausgesponnene Melodie kunstvoll zu variieren Beethoven nicht müde wird. Sogar in die folgenden schnellen Sätze reichen noch Anklänge hinüber. Die vier Musiker sorgen für eine stimmige, dem Meisterwerk würdevoll angepasste Wiedergabe und laden den melodischen Fluss noch mit Akzenten auf, die sich im kleinen Raum stärker auswirken als in großen Konzertsälen. Mit viel Beifall und Pralinen bedankt, schlossen sie noch die liebenswürdige Canconetta aus op. 12 von Felix Mendelssohn-Bartholdy an.

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