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Junge Künstler

28.03.2011

Meisterhaftes Duo mit Horn und Klavier

Glanzvoll: Pianistin Lilit Grigoryan und Paolo Mendes gaben im Barocksaal des Illertisser Schlosses ein meisterhaftes Konzert.
Bild: Foto: ch

Begeisterung im Barocksaal

Illertissen Mehrfach traten hier schon Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs auf, der als vergleichsweise härteste Prüfung gilt. Diesmal war Paolo Mendes zu Gast, in jungen Jahren bereits Solohornist des Deutschen Sinfonie-Orchesters Berlin. Dass auch seine Partnerin, die Pianistin Lilit Grigoryan, ehemals Studienkollegin an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock, auf zahlreiche internationale Preise verweisen kann, erscheint nach ihrem fulminanten Auftreten geradezu selbstverständlich.

Ein aus Juwelen der Konzertliteratur bestehendes Programm wurde den Zuhörern im Barocksaal vorgestellt. Joseph Gabriel Rheinberger, dessen Bedeutung als Pädagoge den des Nachruhms als Komponist übertrifft, hat sehr viele Werke hinterlassen. Sie sind größtenteils vergessen. Die Hornsonate mit der hohen Opuszahl 183 aber überstrahlt seine Kammermusik. Melodik und innerer Schwung atmen den Geist der Romantik und füllen die bei Rheinberger immer abgerundete Form mit lebendigem Inhalt. Die Interpreten kosteten vor allem die Lyrik feinsinnig aus: Mendes mit butterweichem Tonansatz und durch eine überlegene Atemführung erreichte feine klangliche Abstufungen, die Pianistin mit sicherem Stilgefühl und geschmeidiger Anpassung.

Hohes Niveau der Darbietung wurde Robert Schumanns bekannterem Adagio und Allegro op. 70 zuteil. Der schon vom Schatten der immer stärker dominanten Geisteskrankheit Gezeichnete reflektiert darin nochmals die Frische früherer Erfindungen. In ihrer Wiedergabe hoben die Künstler vor allem den spannenden Gegensatz der Stimmungen hervor, die das Stück mit ruhig dahinfließendem Melos, schmetternden Fanfarentönen und damit auch als Abbild des Wesens seines Schöpfers kennzeichnet.

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Aus dem reichen Schatz ihres Repertoires steuerte die Pianistin wertvolle Beiträge bei: Joseph Haydns köstlichen f-Moll-Variationen, die visionär schon einer späteren Zeit verpflichtet sind, ließ sie Anmut, Empfindungsreichtum und überlegenes Formgestalten angedeihen. Die Brillanz der Anschlagskunst, die vom wie hingehauchten Pianissimo bis zu männlichem Tastendonner reicht, kam dann in der berühmten zweiten Klaviersonate von Frederic Chopin, der in b-Moll, zum Ausdruck. Mit wunderbarer Linienführung erstanden die melodischen Partien, wobei im Trauermarsch-Trio gefährliches Abgleiten ins Sentimentale vermieden wurde. Technische Bravour war nie Selbstzweck, ließ aber das rätselhafte Finale geisterhaft vorüberhuschen.

Den Schluss bildete die Sonate für Althorn in Es von Paul Hindemith. Der Spielmann Hindemith hat für alle Orchesterinstrumente Solostücke geschrieben, um deren Ausdrucksweise und klangliche Möglichkeiten auszuloten. Schon 1939 war eine Sonate für Horn entstanden. Die zweite von 1943 ist nur indirekt für das Waldhorn gedacht, klingt aber auf diesem Instrument am besten, erklärt Mendes. Von Wettbewerben ist ihm das Stück wohl vertraut, weshalb er auf stützendes Notenbild verzichtet. Mit kleinsten Differenzierungen der Wiedergabe verdeutlicht der Hornist die Hingabe an diese Spielmusik und ihren unterschwelligen Humor. Im Schluss-Satz, der von rasantem Aufbegehren der Klavierstimme bestimmt wird, zieht sich das Horn auf seine ehemalige Rolle als Posthorn zurück und kontrastiert mit hergebrachten Signalen die Klänge einer neuen Zeit. Für die prächtige Wiedergabe ernteten die Interpreten Beifallsstürme, was sie zur Wiederholung des ersten Hindemith-Satzes veranlasste.

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