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Festival

20.10.2014

Melodisches Saitenputzen

Thomas Berchtold am Cello und Christina Kurz an der Harfe begeisterten das, teils auch jüngere Publikum durch absolut aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel.
Bild: Regina Langhans

Christina Kurz findet in Thomas Berchtolds Cellospiel die ideale Ergänzung zum Klang ihrer Harfe. Die gebürtige Illertisserin begeisterte im ausverkauften Barocksaal

Die dritte Festival-Veranstaltung mit jungen Künstlern, Christina Kurz mit Harfe und Thomas Berchtold am Cello auf zwei unterschiedlichen Saiteninstrumenten im Barocksaal, erwies sich für die gebürtige Illertisserin und Praktikantin am Berner Symphonieorchester als glänzendes Heimspiel. Das Publikum war unterschiedlichen Alters und in der positiven Resonanz spontan.

Mit dabei auch Freunde und Familienangehörige wie Großvater Michael Pickl (Dreigesang) und Mutter Gabi Kurz (Stubenmusik) sowie Harfenschüler aus Biberach oder Ulm. Andere wie die Illertisser Ärztin Ute Löffler waren eigens gekommen, um den Harfenklang im Barocksaal zu genießen. Das Ambiente mag auch die Harmonie des Abends unterstützt haben, welche die Künstler auf ihren Instrumenten heraufbeschworen.

Christina Kurz begann mit dem Harfen-Impromptu Nummer 86 von Gabriel Fauré (1845-1924), einem typischen Komponisten des „Fin de siècle“ zur Wende des 19. Jahrhunderts. Mal weit ausholend, mal mit grazilen Bewegungen griff sie das Spektrum von 47 freischwingenden Saiten ab – was den Anschein eines melodischen Saitenputzens hatte. Je nach Einsatz der Pedale neigte sie das Instrument, ließ die Töne hervorquellen, dahingleiten oder riss die Saiten scharf an, bremste und steuerte mit den Händen die Tonteppiche bis zur letzten deutlich wahrnehmbaren Schwingung.

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Darauf stellte sie mit Thomas Berchtold am Cello den Zusammenklang beider Instrumente vor. Bei der Sonate „Hambdil“ von Sir Granville Bantock (1868 –1946), einem tief in der Romantik verwurzelten Komponisten, wurde der Cellist der opulenten Klangfülle mit weitgestrichenen Bögen und viel Ton gerecht. Einmal vorgestellt, wechselten die Interpreten zwischen Solo-Harfe und Duo-Spiel ab und blieben dabei den Komponisten der Romantik und des Impressionismus treu. Somit waren dem Cello, das noch in Zeiten von Barock und Klassik eher Begleitfunktion hatte, viele Möglichkeiten für Soli gegeben. Das entsprach zugleich den Vorstellungen der Harfenistin, die findet, „dass Cello und Harfe klanglich besonders gut harmonieren“.

Doch solche Worte erübrigten sich, sobald die Künstler ihre Instrumente sprechen ließen. Als Solistin wusste die Harfenistin das ganze Klangspektrum zum Klingen zu bringen: Bei „Variationen über ein Thema im alten Stil für Harfe“ von Carlos Salzedo (1885-1961), ließ sie ihre Finger über die Saiten streichen und das Publikum in ein unendliches Klangmeer eintauchen. Oder sie wollte es in einer Fantasie von Ekaterina Walter-Kühne (1870-1930) in die Opernwelt von „Eugen Onegin“ entführen.

Als Duo fochten die beiden auf ihren Instrumenten Dialoge aus, die im tonalen Konsens endeten, als ob das gebaute Klanggefüge in einem einzigen Instrument erzeugt würde. Bei der Serenade für Cello und Harfe von George Templeton-Strong (1856- 1948) brachte Berchtold sein Instrument zum Singen. Er wusste seine Führungsrolle für ausschweifende Tonmalereien zu nützen und wechselte so akkurat wie selbstverständlich zwischen tiefen und hohen Lagen. Das berühmte Cello-Konzert „Kol Nidrei“ von Max Bruch (1983-1920) erkoren die jungen Künstler zum Höhepunkt ihres harmonischen Zusammenspiels. Das Stück basiert auf einem jüdischen Gebet, und der für Violinwerke bekannte Komponist Bruch hatte es auf Anregung des Cellisten Robert Hausmann geschrieben. Die Zuhörer regierten gleichermaßen berührt wie begeistert. Zugaben blieben nicht aus – im Duo wie Harfen-Solo für den harmonischen Ausklang.

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