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Oberroth

27.07.2020

Mit 75 Jahren erhält Ludwig Rendle den Doktortitel

Der Oberrother Ludwig Rendle hat mit dem Buch „Max Josef Metzger: Gerechter Friede statt gerechter Krieg“ seine Doktorarbeit geschrieben. Es wird von September an vom Grünewald-Verlag herausgegeben.
Bild: Claudia Bader

Plus Der Oberrother hat in seinem Ruhestand über einen Pionier der Friedensbewegung geforscht. Herausgekommen ist ein 370 Seiten starkes Buch.

Ludwig Rendle wollte es noch einmal wissen. Auch wenn er seinen 70. Geburtstag schon lange hinter sich hat, fühlt er sich viel zu fit, um die Hände in den Schoß zu legen. Zumal es immer noch viele Themen gibt, die den ehemaligen Oberstudiendirektor interessieren und die der Oberrother unbedingt näher erforschen will. Zum Beispiel das Leben und Wirken von Max Josef Metzger.

Der katholischen Priester wurde wegen seiner pazifistischen Überzeugung im April 1944 hingerichtet. Rendle hat über diesen „Pionier der Friedensbewegung“ vor Kurzem seine Doktorarbeit geschrieben. Das 370 Seiten umfassende Buch trägt den Titel „Max Josef Metzger: Gerechter Friede statt gerechter Krieg“.

Als Lehrer unterrichtete er Religion und Deutsch

Rendle, 75 Jahre alt und pensionierter Gymnasiallehrer, berichtet: „Bereits als Student habe ich mir ein Büchlein mit Briefen erworben, die Max Josef Metzger wenige Monate vor seinem Tod im Gefängnis geschrieben hat.“ Vor allem ein Brief, den Metzger im Jahr 1939 an Papst Pius XII geschickt hat, habe ihn sehr beeindruckt. Je mehr er sich mit diesem Schreiben beschäftigte habe, umso mehr sei seine Achtung vor diesem Menschen gewachsen, der auch in manchen Arbeiten über ihn oft nicht verstanden wurde, sagt Rendle: „Mit meinem Buch wollte ich Metzgers Anliegen gerecht werden und seine Bedeutung für die Gegenwart herausarbeiten.“ Glücklicherweise habe er mit Professor Dr. Jörg Ernesti einen Doktor-Vater gefunden, der sich ebenfalls in einer Dissertation mit der Ökumene bei Metzger auseinandergesetzt hatte und Rendle sachkundig unterstützen und begleiten konnte.

Ludwig Rendle, der im Laufe seines Berufslebens bereits einige Religions- und Sachbücher sowie Fachzeitschriften verfasst hat, unterrichtete 20 Jahre lang am Ulmer Schubart-Gymnasium die Fächer Religion und Deutsch. Von 1986 bis 1994 wirkte er beim Oberschulamt in Tübingen als Fachreferent für katholische Religionslehre sowie anschließend als Leiter des Schulreferates der Diözese Augsburg. Zusammen mit dem Leiter der Medienzentrale, Karl Bauer, erstellte er dort von 2007 bis 2009 einen Film für den Religionsunterricht. Unter dem Titel „Schrittmacher im Glauben“ werden darin wegweisende Gestalten der Diözese Augsburg vom Altertum bis zur Gegenwart vorgestellt, zum Beispiel Afra, Ulrich oder Johann Michael Sailer. „Bei der Arbeit für diesen Film wurde mir klar, welche Bedeutung diese Schrittmacher auch heute für uns haben“, erzählt Rendle.

Ein konkreter Anlass hat den Oberrother erneut auf die Spur von Max Josef Metzger gebracht: Nach dem Abitur arbeitete seine Tochter Evi ein Jahr lang in einem Kinderheim in Chile. „Diese Einrichtung gehörte der Christkönigsgesellschaft an, die einst von Metzger aus der Taufe gehoben wurde“, sagt Rendle. Um noch mehr über den Gründer dieser Organisation zu erfahren, trat er in Verbindung mit der in Meitingen bei Augsburg lebenden Generaloberin.

Die Ansichten von Max Josef Metzger sind heute noch aktuell

In umfassenden Nachforschungen hat Rendle das Leben und Wirken von Metzger recherchiert. Der 1887 im südbadischen Schopfloch geborene Lehrersohn promovierte im Jahr 1910 und empfing 1911 die Priesterweihe. Nach seinem Wirken als Generalsekretär des Kreuzbündnisses (Alkoholabstinenz) kehrte er sich 1916 vom Krieg ab, den er von da an als sinnloses Sterben sah und ablehnte. An Pfingsten 1917 gründete Metzger das „Weltfriedenswerk“ in Graz und verfasste zwölf Friedensgrundsätze, die er an die Regierungen aller kriegsführenden Länder und an Papst Benedikt XV. verschickte. Dieser bedankte sich und übernahm Metzgers Gedanken, vor allem die Forderung nach Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Liebe unter den Menschen und Völkern, in seine Friedensenzyklika.

Rendles Recherchen ergaben: „Metzgers Konzept eines umfassenden Friedens und seine Ablehnung der Lehre eines gerechten Krieges deckt sich fast vollständig mit dem, was beide Kirchen oder die säkulare Friedensforschung heute fordern. Sie nennen es gerechten Frieden.“ Auch auf dem Gebiet der Ökumene habe Metzger eine Pionierleistung vollbracht: „Ab 1934 bildete er die Una-Sancta-Kreise, in denen sich Menschen beider Konfessionen trafen, über ihren Glauben redeten und für die Einheit beteten“, weiß Rendle. „Metzger war der Meinung, dass Christen glaubwürdiger sind, wenn sie mit einer Stimme sprechen können.“ Während der spannenden Erstellung seiner Doktorarbeit habe er gemerkt, wie gegenwärtig die Gedanken von Max Josef Metzger in heutiger Zeit seien, sagt der Oberrother: „Sämtliche Ansichten, die er bereits vor 100 Jahren hatte, sind derzeit aktuell.“

Zwei Stunden lange wurde er an der Uni Augsburg ausgefragt

Mit seiner Doktorarbeit, für die er die Note „magna cum laude“ (sehr gut) erhielt, will Rendle diesen Priester, der im Oktober 1943 zum Tode verurteilt und sechs Monate später hingerichtet wurde, rehabilitieren. Das Buch „Max Josef Metzger: Gerechter Friede statt gerechter Krieg“ wird ab September vom Grünewald-Verlag herausgegeben.

Wie einst zu Schul- und Studienzeiten bereitete sich Rendle auch intensiv auf seine mündliche Prüfung zur Doktorarbeit vor. Dafür musste er sich im Mai an der Universität Augsburg zwei Stunden lang Fragen aus den Fächern Religionspädagogik sowie neue und alte Kirchengeschichte stellen. „Ich habe gemerkt, wie das Lernen meine Gedächtnisleistung noch mehr gesteigert hat“, sagt er. Auch im Ruhestand möchte er noch etwas Sinnvolles tun. Seit zehn Jahren ist er als Notfallseelsorger im Kreis Neu-Ulm im Einsatz.

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