1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Mit einem Tango zu Mozart

Illertissen

23.01.2017

Mit einem Tango zu Mozart

Das Trio Tino aus Ulm begeisterte im Festsaal des Kollegs mit klassischen und modernen Rhythmen.
Bild: Regina Langhans

Das Trio Tino begeistert in Illertissen mit musikalischen Gratwanderungen. Ein Besuch.

Verrückte Musik, gespielt mit der Zurückhaltung eines Absolventen eines klassischen Musikstudiums: Das gab es vom Trio Tino im Festsaal des Kollegs in Illertissen zu hören. Das Ensemble mit Dieter Kraus (Saxofon) und Tindaro Addamo (Gitarre) aus Ulm sowie Markus Braun (Kontrabass, Bassgitarre) aus Aalen begeisterte durch Musikauffassung und Art des Vortrags. Das Konzert war gut besucht. Trotzdem hätten noch einige Gäste mehr Platz gehabt.

Es schien den drei Musikern ein Leichtes, ihr Publikum für sich zu gewinnen. Dabei galt es doch – auf einen Abend komprimiert – allerlei ungewohnte Takte zu verdauen: Tango, Jazz oder Mozart.

Nach einer gefälligen Einleitung mit dem – wie bei klassischem Tango üblich – für Bandoneon geschriebenen „Citron“ (Graham Lynch, geboren 1960) gab es wunderbare Kostproben von Tango-Altmeister Astor Piazzolla (1921 bis 1992). Sodann präsentierte Dieter Kraus ein Lieblingsstück von Ed Jackson (Jahrgang 1959), genannt Frequent Flyer, wobei er das Klangspektrum seines Saxofons effektvoll auszureizen wusste. Ähnlich beim Tango „San Telmo“ (Maximo Diego Pujol, geboren 1957), indem er mit einer Art Schnalzen, genannt „Slap Tongue“ das Sax zum Klacken brachte. Dazu schlug der Gitarrist mit flacher Hand auf sein Instrument. Apart klangen bei den venezolanischen Tänzen (Paquito D’Rivera, 1921 bis 1992) die Rhythmuswechsel zwischen Sechsachtel- und Dreiviertel-Takt. Faszinierend die Filmmusik „Closing In“ von John Williams (geboren 1932), wofür der Komponist Variationen zu einem Thema aus vier Tönen schrieb. Das Trio präsentierte sie als spannende Abfolge von mehrstimmigen und solisitischen Passagen mit vielen Pausen, dabei bearbeitete Markus Braun den Kontrabass souverän in allen Lagen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In der zweiten Konzerthälfte gewann die Experimentierfreude Oberhand, indem das Ensemble Stücke des befreundeten Musikers Mohamed Basha (geboren 1971) aus Kairo spielte. Darunter „Saxawala“, eine Komposition in vier Sätzen, die der Ägypter für das Trio Tino geschrieben hatte und die 2015 in Kairo aufgeführt wurde. Das Publikum hörte fremdartige und vertraute Takte, mitunter vier verschiedene in einer Notenzeile, wie die Musiker danach sagten. Sie reizten ihre Instrumente für Klangexperimente aus: Addamo wischte mit flacher Hand über die Saiten, Kraus brachte Sax-Töne zum Absterben und Braun nahm die Gelegenheit wahr zu sonorig grummelnden Soli mit und ohne Bogen.

Das letzte Stück hieß „Blue Rondo“ (Dave Bruebeck, 1920 bis 2012). Das Trio nutzte es für einen furiosen Schwenk zu Mozarts Türkischem Marsch. Zugaben, zuletzt ein melancholischer Tango beendeten den für Musiker wie Publikum genussvollen Abend.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
KAYA6732.jpg
Neu-Ulm

Klaus Rederer (Grüne) muss weiter zittern

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen