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Illertissen

23.06.2017

Mit geballter Faust aufs Spielfeld

Bei einem ordentlichen Aufschlag kann der Ball eine Geschwindigkeit von über 100 Kilometer pro Stunde erreichen. Auf dem Illertisser Sportplatz trainieren die Faustballer regelmäßig ihre Schlagkraft.
Bild: Franziska Wolfinger

Wir stellen euch eher ungewöhnliche Sportarten vor, die ihr in der Region ausprobieren könnt. Heute: Faustball.

Zumindest im Sportunterricht hat jeder schon mal einen Fußball gekickt, einen Basketball im Korb versenkt oder seine Bahnen im Schwimmbad gezogen. K!ar.Text testet für euch Sportarten etwas abseits vom Mainstream. Alle vorgestellten Disziplinen könnt ihr hier in der Region problemlos ausprobieren. Diesmal waren wir für euch beim Faustball-Training.

Der Ball dreht sich gerade hoch in der Luft. Die Augen des Sportlers sind gebannt auf die lederne Kugel gerichtet. Er nimmt Anlauf, holt aus und drischt den Ball mit der Faust in die gegnerische Spielfeldhälfte.

Damit wäre schon mal erklärt, warum dieses Spiel Faustball heißt. Insbesondere beim Aufschlag und im Angriff kommt die geballte Faust zum Einsatz, ansonsten auch der Unterarm. Gute Sportler schaffen es, den Ball auf mehr als 100 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Nach dem ersten Training sind blaue Flecken am Arm nicht ungewöhnlich. Anfänger sollten sich davon jedoch nicht abschrecken lassen, findet Faustballer Alexander Mayer. Er spielt in der Mannschaft des TSV Illertissen mit. Die Männer haben kürzlich den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft. Für Mayer ist das das Besondere an Faustball: „In welcher anderen Sportart schafft es ein so kleiner Verein schon in die Bundesliga?“ Geld verdienen würden die Faustballer trotz der hohen Spielklasse jedoch nicht, räumt Mayer ein. Damit die Mannschaft auch in Zukunft erfolgreich spielen kann, gibt es ab dieser Woche auch eine Jugendmannschaft im Verein.

Ähnlicher Spielaufbau wie beim Hallenvolleyball

Der Spielaufbau von Faustball ist vergleichbar mit dem des Hallenvolleyball. Wer gut im Volleyball ist, könne sich meist schnell umgewöhnen, sagt Mayer.

Beim Faustball stehen sich zwei Mannschaften mit jeweils fünf Spielern auf den durch ein rot-weißes Band getrennten Spielfeldhälften gegenüber. Der Aufschlag wird nicht, wie beim Volleyball, von der hinteren Außenlinie gespielt, sondern von der Drei-Meter-Linie vor dem Band. Dafür ist das Spielfeld um einiges größer als ein Volleyballfeld (18 mal neun Meter), nämlich insgesamt 50 Meter lang und 20 Meter breit. Zumindest im Sommer, wenn Faustball draußen auf dem Rasen gespielt wird. Im Winter stehen sich die Mannschaften in der Halle gegenüber. Dabei ist das Feld zehn Meter kürzer. Um rechtzeitig zum Ball zu kommen, müssen die Spieler auf den vergleichsweise großen Spielfeldern schnelle Sprints hinlegen. Es gebe einen merklichen Unterschied zwischen der Spielweise draußen und in der Halle, sagt Mayer. Kaum eine Mannschaft sei in beiden Disziplinen gleich gut. Deshalb gibt es auch zwei getrennte Wettbewerbe. Da kommt es laut Mayer schon vor, dass ein Team im Winter in der Bundesliga spielt und im Sommer Regionalliga.

Die Sportler benutzen nur ihren Unterarm und die Faust, um den Ball zu spielen. Pro Spielzug darf der Ball von einer Mannschaft nur drei Mal berührt werden. Dann muss er über das Band zum anderen Team. Einen Punkt gibt es, wenn die Lederkugel den Boden auf dem gegnerischen Spielfeld berührt. Anders als beim Volleyball, bei dem die Spieler die Positionen wechseln, hat jeder seinen festen Platz.

Das Verletzungsrisiko beim Faustball schätzt Mayer als gering ein. Dadurch, dass die Mannschaften auf dem Feld getrennt sind, gebe es zum Beispiel gar nicht die Möglichkeit für unfaire Fouls.

Faustball soll eine der ältesten Sportarten der Welt sein. Die ersten Aufzeichnungen, die ein ähnliches Spiel beschreiben, stammen aus dem Jahr 240. Sie sollen von keinem Geringeren als Gordianus, einem römischen Kaiser verfasst worden sein. Nach Deutschland kam Faustball während des 19. Jahrhunderts als Turnersportart. In vielen Vereinen wurde es als spielerischer Ausgleich zu den anspruchsvollen Gymnastikübungen betrieben. Heute ist dieser Ballsport vor allem in Europa und Südamerika verbreitet. Sowohl die deutsche Frauen-Nationalmannschaft, als auch die Männer halten jeweils den Europa- und Weltmeistertitel.

Information Die Faustballabteilung des TSV Illertissen baut gerade eine Jugendmannschaft auf. Interessierte können sich beim Verein informieren.

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