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Illertissen

19.11.2017

Mit neuem Konzept gegen das Vergessen

Tradition am Volkstrauertag in Illertissen: Bürgermeister Jürgen Eisen am Kriegerdenkmal vor dem symbolisch abgelegten Kranz, begleitet von Fahnenabordnungen, Stadtkapelle, Männerchor, aber auch dem Gedicht der jungen Illertisser Poetin Isabel Eiselt.
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Tradition am Volkstrauertag in Illertissen: Bürgermeister Jürgen Eisen am Kriegerdenkmal vor dem symbolisch abgelegten Kranz, begleitet von Fahnenabordnungen, Stadtkapelle, Männerchor, aber auch dem Gedicht der jungen Illertisser Poetin Isabel Eiselt.
Bild: Regina Langhans

Anlässlich des Volkstrauertags tragen Schüler aller Altersstufen in Illertissen erstmals dazu bei, die Schrecken des Kriegs in Erinnerung zu behalten. Das kommt an.

Das Gedenken der Toten beider Weltkriege am Volkstrauertag hat gestern in Illertissen gefühlt doppelt so lange gedauert wie in den Vorjahren: Denn es fand nach der Feier am Kriegerdenkmal mit Böllerschützen, Fahnenabordnungen, Stadtkapelle und Männerchor in der Schranne erstmals eine zeitgemäße Fortsetzung statt. Neu war auch, dass nach der Ansprache von Bürgermeister Jürgen Eisen, die mit dem Jugendförderpreis ausgezeichnete Poetin Isabel Eiselt ein Gedicht vortrug.

Damit Gewalt und Kriegsverbrechen in der nachfolgenden Generation nicht in Vergessenheit gerieten, wünschte sich Eisen, wie berichtet, eine neue Form des Volkstrauertags, an dem Kollegsschüler mitwirken sollten. Sie taten dies in der Schranne auf eine, der jungen Generation angemessenen frischen Weise unter dem Motto „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“. Zu sehen war ein selbstgedrehter Kurzfilm in Schwarzweiß zu Bertolt Brechts Gedicht „Die Legende vom toten Soldaten“ unter Regie von Kilian Eiselt, Betrachtungen zu Horaz’ Würdigung gefallener Krieger und eigene Texte zu Gewalt, Krieg und Frieden in Deutschland. Auf etlichen Stellwänden hatten die Schüler künstlerisch das Thema Volkstrauertag aufgearbeitet: In plakativen Formaten, woraus die Gründung des ersten Volkstrauertags am 28. Februar 1926 ersichtlich wurde sowie der spätere Missbrauch des Gedenktages durch Hitler. Zu sehen waren aber auch Zeichnungen und Porträts von ausgemergelten Gestalten oder Fotografien örtlicher Kriegerdenkmale. Die Chorkids des Kollegs unterstrichen mit ihren hellen Stimmen im Gottesdienst ebenso wie in der Schranne den Anlass. Dabei wechselten sie sich mit Stephanie Kögel am Flügel ab.

In seiner Ansprache stellte Bürgermeister Jürgen Eisen gleich an den Anfang, dass der Volkstrauertag ein „schwieriger Feiertag“ sei: „Ihn zu begehen ist nicht einfach, denn der Tag erinnert an Schrecken und Fehler der Vergangenheit, die lange zurückliegen.“ Die Erinnerungen daran drohten immer mehr zu verblassen. Doch es sei wichtig, den Opfern von Kriegen und Gewalt, früher wie heute, eine Stimme zu geben. Die Botschaft solle die Menschen auch erreichen. Eisen: „Daher müssen wir uns fragen, wie wir das Gedenken an die nächste Generationen weitergeben können.“ Beste Prävention gegen zukünftige Kriege und Gewaltherrschaften sei, die Jugend für das Thema zu sensibilisieren, zu erklären, was damals geschehen ist. Eisen zitierte den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, indem er sagte: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“ So sei der Volkstrauertag gerade heute hochaktuell.

Dazu passte Isabel Eiselts Gedicht „Aufbruch eines Soldaten“, das sie in Erinnerung an das Schicksal ihrer Großeltern verfasst hat und das wie folgt beginnt: „Ein letzter Kuss vor dem Gehen, in der Blüte erstickendes Glück. Ein letztes schluchzendes Flehen: Kehre zu mir zurück.“ Wie Eiselt hinterher sagte, habe sie ihr Gedicht als Vertreterin der jungen Generation sehr gerne vorgetragen.

Auch Heimatvereinsvorsitzender Max Kanz war in die Schranne gekommen, und vom neu gestalteten Volkstrauertag angetan: „Die Art, den Volkstrauertag zu begehen, lässt sich weiterentwickeln.“ Schön sei, dass alle gekommen seien, früher habe sich der Männergesangverein nach seinen Chorbeiträgen lediglich im „Adler“ zum Weißwurstessen getroffen.

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