Newsticker

Teil-Lockdown bis 10. Januar 2021 verlängert - Söder deutet Verschärfung an
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Mit viel Getöse ins neue Jahr

Kirchhaslach/Vöhringen

30.12.2017

Mit viel Getöse ins neue Jahr

Böllerschützen aus der Region begrüßen das neue Jahr mit vielen Schüssen.
Bild: Uwe Bolten (Symbol)

Weltweit veranstalten die Menschen zu Silvester Feuerwerke. Auch manche Böllerschützenvereine aus der Region lassen es zum Jahreswechsel richtig krachen.

Raketen, Feuerwerksbatterien und für die Kleinen noch eine Handvoll Knallerbsen – für viele gehört das zu einer gelungenen Silvesterfeier dazu. Denn das alte Jahr mit Silvesterkrachern zu verabschieden, hat in Deutschland eine lange Tradition. In vorchristlicher Zeit sollten mit dem Lärm zum Jahreswechsel böse Geister vertrieben werden.

Krach machen auch diverse Böllerschützengruppen der Region. Während des Jahres treten diese bei verschiedenen Veranstaltungen auf. Die Böllerschützen aus Kirchhaslach schießen zum Beispiel bei Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder Sonnwendfeiern, sagt Lars Rosenbaum vom Vorstand der Schützengesellschaft Kirchhaslach. „Geister und Dämonen auszutreiben ist eigentlich nicht unser Ding.“ In diesem Aberglauben liegen die Wurzeln des Böllerschießens. Im Mittelalter glaubten manche Menschen sogar daran, mit dem sogenannten Wetterschießen Hagel vertreiben zu können, erklärt Rosenbaum. Beim Jahresabschluss mit Andacht und Rede des Bürgermeisters, den die Gemeinde seit mehr als 15 Jahren an Silvester veranstaltet, sind die Schützen immer dabei. Da wird dann jedoch nicht erst um Mitternacht, sondern schon am Nachmittag geschossen. „Nachts machen wir das grundsätzlich nicht“, sagt Rosenbaum. Die Schützen müssten schon etwas sehen bei ihrer Arbeit. Sonst könne das Laden der Waffe gefährlich werden.

Der Böllerschützenmeister des Vereins, Wilhelm Seemüller, sagt: „Mit unseren Handfeuerwaffen verabschieden wir das alte Jahr, mit den Kanonen begrüßen wir das neue.“ Viermal ertönen diese. Jeder Schuss stehe für eine Jahreszeit, erklärt Seemüller. Mit dabei seien auch die umliegenden Gemeinden, die je eine eigene Salutkanone besitzen, also Dietershofen, Klosterbeuren, Winterrieden und Weinried. Wie laut die Schüsse am Ende sind, kann der Fachmann nicht genau sagen: „Das hängt unter anderem auch von der Witterung ab. Wenn zum Beispiel der Boden gefroren ist, hallt es lauter.“ Los geht die Veranstaltung in Kirchhaslach um 14.30 Uhr mit der Andacht in der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt. Anschließend blickt Bürgermeister Franz Grauer in einer Ansprache auf das vergangene Jahr zurück und die Böllerschützen haben ihren Auftritt.

Silvester ist alljährlich eine gute Gelegenheit für die Schützen, ihr Können zu zeigen. Denn Feuerwerke sind an diesem Tag ohnehin gesetzlich erlaubt. Während des Jahres müsste jeder Auftritt bei der betreffenden Gemeinde und der zuständigen Polizei angemeldet werden, sagt Seemüller.

Auch der Verein aus Illerberg/Thal werde zum Jahresausklang einige Schüsse abfeuern. Sie werden um 15.30 Uhr vor der Sankt-Martins-Kirche in Illerberg und um 16.30 Uhr vor dem Vöhringen Rathaus zu hören sein. „In Vöhringen gibt es einen Überraschungsschuss.“, verrät der erste Schussmeister Anton Schrapp. Welche Abfolgen sonst in Illerberg und Vöhringen ertönen werden, steht aber schon fest: „Zuerst eine langsame Reihe, dann eine gegenläufige und zuletzt ein Salut“. Bei der langsamen Reihe stehen die Schützen nebeneinander und schießen nacheinander in einem Abstand von etwa zwei Sekunden. Die gegenläufige Reihe funktioniert ähnlich: Dabei wird immer rechts und links abwechselnd von außen nach innen abgefeuert. Beim Salut betätigen alle Schützen möglichst gleichzeitig den Auslöser.

Damit alles möglichst koordiniert abläuft, gibt der Schießleiter Kommandos zum Laden, Verdichten und Feuern. Die Schützen aus Illerberg/Thal verwenden Waffen mit einem Kaliber von 14 bis 20 Millimetern. „Das Kaliber gibt den Durchmesser des Rohres an“ erklärt Schrapp. Je nach Kaliber werden 15 bis 30 Gramm Schwarzpulver benötigt. Dieses wird in die Böller eingefüllt und mit einem Korken verdichtet. Vor dem Abschuss wird ein Zündhütchen auf dem Böller angebracht. Beim Betätigen des Abzuges schlägt ein Schlaghammer auf das Hütchen, das dadurch einen Funken schlägt und so den Schuss löst. „Ein Fehlschuss kostet bei uns fünf Euro in die Böllerkasse“, sagt Schrapp. Seit mehr als 20 Jahren ist er mit seiner Gruppe aktiv. Rund 15 Auftritte haben sie pro Jahr. Für Schrapp ist es schön, dass es beim Böllern keinen Wettbewerb gibt. „Wir möchten diesen Brauch sauber und mit Freude weiter tragen.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren