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Illertissen

29.06.2020

Musik wie zu Vöhlins Zeiten erklingt im Oktober im Schloss

Das Jubiläumskonzert, das am 16. Oktober im Barocksaal des Vöhlinschlosses in Illertissen stattfinden soll, ist eine Reminiszenz an die Bauherren des herrschaftlichen Anwesens.
Bild: Regina Langhans

Plus Die Veranstalter von „Kultur im Schloss“ würdigen den Übergang der Herrschaft an die Vöhlinfamilie vor 500 Jahren. Vier Künstler aus Illertissen treten auf.

Erhard II. Vöhlin von Frickenhausen und Freiherr zu Illertissen und der Freundeskreis Kultur im Schloss würden sich sicher gut verstehen. War der längst verstorbene Adlige doch auch ein kunstsinniger Mann. Vor 500 Jahren, am 17. April 1520, hatte dieser Vöhlin die Herrschaft Illertissen erworben und mit der Umgestaltung der Burg und der Kapelle im Sinne der Renaissance begonnen. Dieses Jubiläum will der Freundeskreis nun feiern.

Conny Unglert und ihr Vater Fritz Unglert hatten schon Anfang des Jahres die Idee zu einer Art Jubiläumskonzert – in Reminiszenz an die Bauherren des Vöhlinschlosses mit Barocksaal als dem Aushängeschild ihrer Kulturreihe. Inzwischen werden die Pläne konkreter. Zugesagt für das Konzert am Freitag, 16. Oktober, haben die Illertisser Künstlerinnen Jennifer Miller (Viola), Christina Kurz (Harfe), Stephanie Kögel (Klavier) und Sabine Kölbl (Rezitativ).

1520 fand auch in der Musik ein Umbruch statt

Als Vöhlin 1520 seine Residenz –dem Stand eines neureichen Freiherrn würdig – errichtete, fand auch in der Musik ein Umbruch statt: Sie wurde nicht mehr als anonymes, sondern als von Komponisten verfasstes Werk begriffen, das neben dem Lob Gottes auch der geselligen Unterhaltung diente. Es wurde mehrstimmig komponiert, Vokal- und Instrumentalstimmen wurden austauschbar und eine feste Instrumentierung war nicht üblich.

Musik wie zu Vöhlins Zeiten erklingt im Oktober im Schloss

Stephanie Kögel mit dem Solo „Pavana Lachrymae“ für Klavier von William Byrd (1538 bis 1623) und Christina Kurz mit dem Solo „Alman“ für Harfe von Thomas Morley (1557 bis 1603) haben sich passend zum Thema typische Renaissance-Komponisten ausgesucht. Byrd war Zeitgenosse von William Shakespeare, Organist und wichtigster Musikschaffender der Tudorzeit. Er besaß das Privileg des Monopols für Notendruck von Königin Elisabeth I. und unterrichtete Thomas Morley. Dieser, ebenfalls Organist, war für den heiteren Charakter seiner Stücke bekannt und maßgeblich an der Ausbreitung italienischer Musik in England beteiligt. Mit der „Sonate in e-Moll“ für Viola und Basso Continuo von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1753) bringt Jennifer Miller, begleitet von Kögel am Flügel, einen Barockkomponisten zu Gehör. Die Sonate wurde für die „Viola da Gamba“ verfasst und wird heute mit der Bratsche, damals auch „Viola da braccio“ genannt, aufgeführt. Beide Instrumente sind eng verwandt, wobei die Bratsche erst Mitte des 19. Jahrhunderts als Soloinstrument entdeckt wurde und das Repertoire der Gambe übernimmt. Telemanns musikalischer Nachlass ist sehr umfangreich. Typisch sind gesangliche Melodien, einfallsreich eingesetzte Klangfarben und auch ungewöhnliche harmonische Effekte.

Schließlich weisen die Musikerinnen im gemeinsamen Vortrag des Rondoletto Nummer 1 in der Bearbeitung für Bratsche, Harfe und Klavier über die Vöhlin-Epoche hinaus. Passenderweise repräsentiert der Komponist Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837) den Übergang von der klassischen zur romantischen Ära. Der Hofkapellmeister gilt als der Musiker der Wiener Klassik in Weimar. Zu der Zeit hatte das Vöhlinschloss seine besten Tage längst hinter sich gelassen. Mit ihrem Jubiläumskonzert wollen die Künstlerinnen etwas davon in Erinnerung rufen.

Auch eine erfahrene Schauspielerin wirkt am Programm mit

Als Schauspielerin will Sabine Kölbl die gebotene Musik in den passenden szenischen Rahmen setzen. Sie bringt Erfahrung mit von Engagements in München, Salzburg oder den Carl-Orff-Festspielen in Andechs. Jennifer Miller beendet derzeit ihr Masterstudium für Orchester an der Musikhochschule Weimar. Sie war Akademistin an der Staatsoper Hamburg und spielt bei den Berliner Symphonikern, dem Philharmonischen Orchester Erfurt und den Thüringer Symphonikern als freischaffende Bratschistin. Als Solo-Harfenistin gehört Christina Kurz dem Sinfonieorchester Aachen an. Sie ist auf internationaler Ebene anzutreffen, konzertierte mit dem Sinfonieorchester Basel, dem Berner Symphonieorchester und der Philharmonia der Oper Zürich. Stephanie Kögel hat heuer ein Studium für Lehramt an Gymnasien in Regensburg aufgenommen. Sie war mehrfach erfolgreich bei „Jugend musiziert“.

Mehr über die Vöhlinfamilie und das Schloss in Illertissen erfahren Sie hier:

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