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Illertissen

24.06.2019

Musikalische Sternstunden an Oboe und Cembalo

In der Reihe „Kultur im Schloss“ begegneten sich am Freitag zwei Meister ihres Fachs: der Cembalist Vital Julian Frey und der Oboist Albrecht Mayer.
Bild: Langhans

Albrecht Mayer und Vital Julian Frey begeistern ihr Publikum bei „Kultur im Schloss“ im Festsaal des Kollegs. Wie ihnen das gelang.

Wenn sich zwei Meister ihres Fachs in der Kunst begegnen – in dem Fall der Oboist Albrecht Mayer und Vital Julian Frey am Cembalo – sind das Sternstunden für die Konzertbesucher. So wie am Freitag im Festsaal des Kollegs in Illertissen, als die beiden Musiker mit virtuosem Zusammenspiel über 300 Zuhörer von den Stühlen rissen. In doppeltem Sinne: Für den Schlussapplaus erhoben sich viele vor Begeisterung, danach folgten Dutzende der Einladung des Cembalisten, auf die Bühne zu kommen und sich den „Kielflügel“, wie das Instrument auch heißt, erklären zu lassen. Es handelt sich um den Nachbau eines mit zwei Griffbrettern ausgestatteten Cembalos von Jean-Claude Goujon aus dem Jahr 1749. Schon wegen seine Farbgebung war es der Blickfang.

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Erstmals bei "Kultur im Schloss"

Vital Julian Frey trat, anders als Albrecht Mayer, erstmals bei „Kultur im Schloss“ auf und war mit seinem Instrument im eigenen Auto aus dem heimatlichen Bern angereist. Er erklärte: „Auf dem Cembalo spiele ich alles, obwohl es meist mit Alter Musik in Verbindung gebracht wird.“ Es friste in der Musikszene eine Art Nischendasein, was er aber als Vorteil betrachte: „Es ist meine Chance, ich kann eine Lücke füllen.“ Da beim Cembalo die Saiten mit sogenannten Kielen angerissen werden, erinnert sein Klang an den einer Gitarre oder Harfe.

Am Konzertabend gab es aber dann doch Alte Musik von Komponisten der Barockzeit zu hören, im Original oder von Frey für Cembalo bearbeitet. Denn damals waren der Oboe als Melodieinstrument entweder Streicherorchester oder Begleitinstrumente im Sinne eines variablen Basso Continuo zugeordnet. Albrecht Mayer, bekannt für sein musikalisch vielseitiges Agieren, gerade mit unterschiedlichen Duo-Partnern zu seiner Oboe, rundete mit der einen oder anderen musikgeschichtlichen Anekdote den barocken Anschein des Konzertabends ab.

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Die Klangvielfalt nacheinander angerissener Töne

Dieser begann mit dem Konzert für Oboe und Cembalo in d-Moll, einer Bearbeitung des von Tomaso Albinoni (1671 bis 1751) geschriebenen Werks für Oboe, Streicher und Bass. Frey eröffnete das Spiel und brachte sogleich die besondere Klangvielfalt der nacheinander angerissenen Töne zum Strahlen: Ein silbernes, leicht metallisches Nachklingen, das je nach Musikstück aufgrund vieler Obertöne in sphärische Gefilde wechselte. Takte später setzte Mayer mit warmem, in unterschiedlichen Tonfarben klingendem Spiel ein. Das nächste Stück war ein Concerto für Cembalo solo in D-Dur, das Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) nach einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi verfasst hat: Ein Hörgenuss für all jene, die das Cembalo an diesem Abend für sich entdeckten. Das feinsinnige Spiel der beiden setzte sich mit italienischen Komponisten fort.

Den Abend voller Barockmusik beendeten die Virtuosen mit den fröhlich-rasanten Klängen von Vivaldi. Frey hatte dessen Konzert für sein Cembalo passend gemacht. Und Mayer erhielt Gelegenheit, große technische Herausforderungen auf seiner Oboe mit spielender Leichtigkeit zu meistern.

Was tut sich im Kulturleben: Mehr darüber lesen Sie hier:

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