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Illertissen

20.06.2017

Musikalische Unterweisung im Flirten

Unser Bild zeigt von links Michael Suttner (Geige), Sopranistin Elke Kottmair und Tenor Hubert Schmid beim Vortrag gefälliger Ohrwürmer aus Operetten des 19. und 20. Jahrhunderts. Wolfram Tetzner hat sie am Flügel begleitet.
Bild: Regina Langhans

Ein Operettenabend unter dem Motto „Küssen ist keine Sünd“ bietet in der Illertisser Schranne beste Unterhaltung.

Die Sopranistin flirtet mit dem Tenor, dazu spielen Geige und Klavier Tango und Csárdás. Die Sommernacht der Operette unter dem Motto „Küssen ist keine Sünd“ in Illertissen mit Elke Kottmair von der Dresdner Staatsoperette als unumstrittene „Grande Dame“ bot allerbeste Unterhaltung. Ihr zur Seite standen Hubert Schmid als einfühlsamer Tenor, Wolfram Tetzner als perfekter Klavierbegleiter und Michael Suttner, der als Conférencier elegant zwischen eigenen Beiträgen mit Gesang und Geige oder humorvollen Ansagen wechselte.

Hubert Schmid war der Ersatz für den erkrankten Gerald Hupach, weshalb das Programm etwas geändert wurde. Der Tenor ist zurzeit bei Proben für Beethovens Oper „Fidelio“ in Biberach und war von einem Tag auf den anderen beim Konzert in Illertissen eingesprungen. Um so mehr hat er seine Rolle brillant gespielt. Mit etwa 300 Besuchern war die Schranne voll besetzt, das Publikum sah sich aufs Köstlichste amüsiert.

Geboten waren Ohrwürmer und gesangliche Paradestücke aus Operetten von Komponisten wie Franz Lehár (1870 bis 1948), Emmerich Kálmán (1882 bis 1953) oder Robert Stolz (1880 bis 1975). Die Operette als das kleinere musikalische Bühnenwerk kennzeichnet seit dem 19. Jahrhundert eine eher leichte, eingängige Musik mit Happy End.

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Franz Lehár habe dies geändert, erklärte Michael Suttner, indem er auch Operetten mit offenem Ausgang geschrieben hat. Als Beispiel nannte er die Komposition „Paganini“, in deren Verlauf sich der Protagonist trotz des überschwänglichen Bekenntnisses „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ für ein Leben mit seiner Geige entscheidet. Hubert Schmid sang die Partie mit kraftvoller, ausladender Stimme. Darauf traf er seine Angebetete im vergnüglich zu erlebenden Duett „Niemand liebt dich so wie ich“: Elke Kottmair – erst im lindgrünen üppigen Ballkleid und später schwarz gekleidet – erwiderte mit schmachtvollen Passagen und bot so die perfekte Unterweisung in der Kunst des Flirtens.

In Eduard Künnekes „Künstlerball bei Kroll“ aus „Die lockende Flamme“ wechselte die Sopranistin in rasanten Sprechgesang. Später tanzte sie zu Kastagnetten, gab eine Hörprobe des „hohen C“, woran Sänger ihre Tonkünste messen, oder kommentierte mit schelmhaftem Augenaufschlag den werbenden Gesang des Tenors. Mit Robert Stolz („Zauber der Bohème“) sinnierte Kottmair „Auch du wirst mich einmal betrügen“, während Schmid trällerte „Ob blond oder braun“.

Bei Komponist Emmerich Kálmán geht es um die leidenschaftliche, temperamentvolle Seite der Liebe, wobei er das Spannungsfeld der zunehmenden Hochzeiten zwischen Bürgertum und Adel aufgreift. Aus „Gräfin Mariza“ zitierte Michael Suttner mit lockendem Geigenspiel „Komm Zigan, spiel mir was vor“. Hubert Schmid klinkte sich mit umgarnender Tenorstimme ein, dazu gab es romantisches Klavierspiel von Wolfram Tetzner. Darauf folgte Kálmáns „Csardasfürstin“, woraus die vier Künstler musicalhaft „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ inszenierten.

Für ein glänzendes Konzertende mit „Jaj, Maman“ trafen sich nochmals alle auf der Bühne, um zu schwelgen und zu spielen, wobei Tetzner als einziger durchgehend am Flügel saß und häufig ein ganzes Orchester zu ersetzen hatte. Dem Ensemble ist ein Abend voll Emotionen und Illusionen gelungen.

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