1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Muss der Gammelfleischprozess neu aufgerollt werden?

Illertissen

04.07.2012

Muss der Gammelfleischprozess neu aufgerollt werden?

Der Chef eines Illertisser Kühlhauses war zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Möglicherweise könnte der Prozess nun neu aufgerollt werden.
Bild: Ralph Patscheider

Der Chef eines Illertisser Kühlhauses war zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Möglicherweise könnte der Prozess jetzt von vorne beginnen.

Sollte das Verfahren gegen den Metzger Rolf-Hermann K. am 23. Juli mit Freispruch enden, so kann es durchaus sein, dass der Prozess gegen den Lebensmittelhändler G. Kollmer aus Illertissen neu aufgerollt werden muss. So ist zumindest die Ansicht der Verteidigung nach dem ersten Verhandlungstag gegen Rolf-Hermann K., dem ehemaligen Geschäftsführer der Kollmer-Tochterfirma „Deggendorfer Frost“. Er ist vor dem Amtsgericht Memmingen wegen „uneidlicher Falschaussage“ angeklagt.

Verschiedene Ansichten über die korrekte Führung des „Wareneingangsbuches“ in Deggendorf sowie eine Reihe von Ordnern mit Gerichtsakten, die seit August 2011 nicht mehr auffindbar waren, spielten eine wichtige Rolle, und so waren neben den damals ermittelnden Zollbeamten aus Lindau auch Staatsanwalt Andreas Rossa, Richter Nicolai Braun und Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein vom Landgericht als Zeugen geladen.

"Hass und Rachegefühle"

Hinzu kam ein ehemaliger Zollbeamter, der im Jahr 2003 gemeinsam mit Rolf-Hermann K. wegen Steuerhinterziehung verurteilt, aus dem Beamtenverhältnis entlassen und dann bei der Deggendorfer Frost GmbH angestellt worden war. Dieser, so schilderte der Angeklagte in einer umfangreichen Erklärung, habe inzwischen ihm gegenüber „Hass und Rachegefühle“ entwickelt, möglicherweise deshalb Unterlagen manipuliert und diese vermutlich auch 2005 einer großen deutschen Illustrierten zugeleitet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In allen Zeugenaussagen ging es vorrangig um die Frage, wie verschiedene Versionen des „Wareneingangsbuches“ auf Papier und CD zu bewerten seien und ob diese nachträglich hätten manipuliert werden können.

Rolf-Hermann K. hatte damals im Kollmer-Prozess vor dem Landgericht ausgesagt, es habe keine nachträglichen Buchungen gegeben, und der ehemalige Zollbeamte und spätere „Frost“-Angestellte behauptete genau dies.

Wahlverteidiger Erhard Brinkschulte nahm den Zeugen in ein strenges Kreuzverhör zur Frage, wie denn nachträgliche Manipulationen hätten vorgenommen werden können. Er hielt auch mit Kritik gegenüber Staatsanwalt Rossa nicht hinter dem Berg: „Wir sind hier ja nicht beim Bundesamt für Verfassungsschutz“ kommentierte er die verschwundenen Akten.

Aktenordner wurden wieder aufgefunden

Knapp drei Stunden nach Verhandlungsbeginn brachte dann Staatsanwalt Rossa zwei Kartons mit den plötzlich wieder aufgefundenen Aktenordnern, die nun durch die Verteidigung ausgewertet werden sollen.

Brigitte Grenzstein, die Vorsitzende Richterin des Kollmer-Verfahrens, bestätigte als Zeugin, dass die hier zur Debatte stehende Aussage von Rolf-Hermann K. durchaus von großer Bedeutung gewesen sei. „Er ist gefragt worden, ob nachträglich Ware eingebucht wurde, das hat er verneint und damit hat er gelogen“.

Es sei lebensmitteluntaugliche Ware statt nach Deggendorf nach Illertissen geliefert und dort als lebensmitteltauglich weiter verkauft worden; so habe es sich nach Ansicht des Landgerichtes erwiesen.

Am 23. Juli geht der Prozess weiter

Schließlich kam Vorsitzender Richter Dieter Klotz zu dem Beschluss, am 23. Juli einen Fortsetzungstermin anzusetzen. Dann soll auch ein Deggendorfer Veterinär über sein Wissen vom „Wareneingangsbuch“ berichten.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
WP_20161009_15_22_38_Raw_LI%20(2).jpg
Illertissen

Unbekannte machen sich in Illertissen an Kran zu schaffen

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket