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Nach Sexattacken: Warum die Region trotz allem sicher ist

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Kommentar Von Jens Carsten
07.12.2018

Das Unterallgäu gehört laut Polizei zu den sichersten Regionen in Bayern. Die Attacken sind tragische Einzelfälle. Aber sie zeigen: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

Wenn sich die Übergriffe in Egg und Babenhausen so zugetragen haben, wie es momentan angenommen werden muss, dann sind schreckliche Verbrechen geschehen. Drei sexuell motivierte Attacken in nur drei Tagen, tatverdächtig ist ein Mann aus Eritrea. Angesichts der Ereignisse stehen viele Menschen in der Region unter Schock. Schließlich haben sich die Taten gewissermaßen vor der eigenen Haustür ereignet. Dort, wo die Welt noch in Ordnung ist. Ein Irrglaube? Darüber wird nun diskutiert. Fragen kommen auf wie: Bin ich überhaupt noch irgendwo sicher? Und: Haben Zuwanderer die Sicherheitslage nachteilig beeinflusst? Manch einer mag seine Antworten darauf schnell finden. Doch so verstörend die Ereignisse auch sind: Panikmache bringt niemandem etwas (Lesen Sie mehr zu den Taten: Drei Frauen vergewaltigt: Taten erschüttern das Unterallgäu ).

Unterallgäu gehört zu den sichersten Regionen

Das Unterallgäu gehört zu den sichersten Regionen in Bayern – und der Freistaat wiederrum ist eines der sichersten Länder in Deutschland. Das belegen die Zahlen der Polizei. In Bayern lag die Kriminalhäufigkeit (die Zahl der Delikte wird auf 100.000 Einwohner hochgerechnet) im Jahr 2017 bei 4533, im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West (von Lindau bis Neu-Ulm) sogar nur bei 4062. Das bedeutet: Die Chance, zum Opfer einer schweren Straftat zu werden, ist statistisch betrachtet verschwindend gering. In solchen Fällen gibt es meistens eine Beziehung zwischen Täter und Opfer. Die drei willkürlichen Angriffe in Egg und Babenhausen können dieses Bild nicht verrücken. Für die Opfer klingt das zynisch: Ihnen bringen diese Zahlen nichts, haben sie doch fortan mit schweren körperlichen und seelischen Verletzungen zu kämpfen. Die Straftaten im Unterallgäu zeigen: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

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Vergewaltigungen im Unterallgäu: Das sind die Tatorte
Bild: Wilhelm Schmid

Bei alledem ist es nicht statthaft, Zuwanderer unter Generalverdacht zu stellen. Ob sie häufiger für Sexualdelikte verantwortlich sind als Deutsche, geht aus der Polizeistatistik nicht hervor. Das Bild ist diffus: Der Anteil von Zuwanderern in der Bevölkerung schwankt, zudem machen Sexualdelikte „nur“ 1,2 Prozent aller Straftaten aus. Oft geht es dann um die Verbreitung von Pornos und um Prostitution – Delikte, die sich nicht auf das Sicherheitsempfinden auswirken.

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie er mit dem Thema Sicherheit umgeht. Vor Angst künftig von Spaziergängen abzusehen, ist sicher überzogen. Trotz der Verbrechen. Das sind tragische Einzelfälle. Glücklicherweise.

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