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Pleß/Memmingen

21.01.2020

Nach Waffenfund 2018: Plesser Bürgermeister muss Geldstrafe zahlen

Lokales Pless Ortsschild mit Dorfansicht
Bild: Siegfried Rebhan

Plus Wegen Verstößen gegen das Waffenrecht muss der Plesser Bürgermeister Anton Keller eine Geldstrafe zahlen. Eine Razzia hatte 2018 für Schlagzeilen gesorgt.

Der Plesser Bürgermeister Anton Keller muss wegen Verstößen gegen das Waffenrecht eine Geldstrafe bezahlen. Das Amtsgericht Memmingen hat einen entsprechenden Strafbefehl gegen ihn erlassen. „Ich werde die Strafe bezahlen, dann ist die Sache für mich abgeschlossen“, sagt dieser. Der Fall hatte im November 2018 für Schlagzeilen gesorgt.

Bei einer Razzia auf zwei benachbarten Höfen in Pleß hatte ein Großaufgebot von Polizei und Sprengstoffexperten 20 Pistolen und Gewehre sowie etwa 300 Schuss Munition und drei Kilogramm Schwarzpulver sichergestellt. Das Kuriose: Bei einem der Hofbesitzer handelte es sich um den Bürgermeister. Keller erklärte später, die Frau seines Nachbarn habe ihn gebeten, auf die Waffen ihres Mannes aufzupassen. Sie habe sich zuhause nicht mehr sicher gefühlt. Keller betont, dass die Waffen bei ihm sicher verstaut waren und er diese „zum Wohl der Dorfgemeinschaft“ an sich genommen habe.

In den folgenden Monaten untersuchten Mitarbeiter des Bayerischen Landeskriminalamts die Waffen. Sie prüften, welche davon der Plesser Bürgermeister möglicherweise illegal besaß und welche schussfähig waren. Zunächst standen auch Vorwürfe gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz im Raum. „Die sind weggefallen, weil die Kriegswaffen nicht mehr funktioniert haben“, erzählt Keller. Das bestätigt Nikolai Braun, Pressesprecher des Amtsgerichts. Andere Waffen wie etwa eine Armbrust durfte Keller legal besitzen. Von dem großen Waffenarsenal, dass die Polizei beschlagnahmte, blieben schlussendlich wenige Waffen samt Munition übrig, die er unerlaubt besaß.

Nach Waffenfund 2018: Plesser Bürgermeister muss Geldstrafe zahlen

Die Memminger Staatsanwaltschaft beantragte deshalb den Erlass eines Strafbefehls beim Amtsgericht. Wegen Besitzes und Erwerbs von Waffen forderte sie eine Geldstrafe, teilt ein Pressesprecher mit. Das Gericht hat den Strafbefehl erlassen. Wie hoch die Geldstrafe ist, ist nicht bekannt. Sie liegt jedoch unter der Grenze, ab der sie im Führungszeugnis des Bürgermeisters auftauchen würde. Keller muss also weniger als 90 Tagessätze Strafe zahlen. Die Höhe eines Tagessatzes richtet sich nach dem Einkommen des Angeschuldigten.

Keller stellt sich zur Wiederwahl

Gegen die Höhe der Strafe hat Keller Einspruch eingelegt. Seine Einkünfte seien vor Gericht falsch geschätzt worden. Das Amtsgericht hat deshalb für März eine Hauptverhandlung festgelegt. Inwieweit dort der Sachverhalt, also der Verstoß gegen das Waffenrecht, eine Rolle spielen wird, sei noch nicht klar, sagt Braun. Da sich Kellers Einspruch nur auf die Höhe und nicht auf die Vorwürfe bezog, sei der Strafbefehl rechtskräftig. Ein Strafbefehl wird immer dann erlassen, wenn das Gericht zwar einen „hinreichenden Tatverdacht“ beim Angeschuldigten sieht, sich das Vergehen selbst aber im leichten Bereich befindet.

Der 61-Jährige, der sich im März zur Wiederwahl stellt, darf sein Amt als Bürgermeister damit weiterhin ausüben. Laut Landratsamt muss ein Rathauschef den Posten erst räumen, wenn er wegen einer vorsätzlichen Tat zu mindestens einem Jahr Gefängnis verurteilt wird. Dass er nicht vorbestraft ist, sei für ihn das Wichtigste, so Keller und räumt ein: „Als Bürgermeister – als Vorbild – sollte so etwas nicht passieren.“

Die Ermittlungen gegen den damals 50-jährigen Nachbarn, von dem die Waffen stammten, wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen eines anderen Verfahrens, bei dem es um Körperverletzung geht, eingestellt. Denn dieser Fall wiege schwerer als der Waffenbesitz. Derzeit läuft die Vorverhandlung. Der Mann hatte sich nach den Hausdurchsuchungen in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. Einige Zeit später verließ er das Krankenhaus wieder, da laut den Ermittlern von ihm keine Gefahr mehr ausgegangen sei.

Lesen Sie außerdem: Nach Razzia: Plesser Bürgermeister erklärt, woher die Waffen kamen

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