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Babenhausen

11.12.2020

Nach zähen Verhandlungen: Arbeiten für Kita im Schloss Babenhausen starten

Bild: Sabrina Karrer

Plus Gebäude auf dem Fuggerareal in Babenhausen sollen saniert und zur Kindertagesstätte umgebaut werden. Nach längeren Verhandlungen ist nun auch die Finanzierung geklärt.

Der große Bagger macht mächtig Eindruck auf die Kindergartenkinder in ihren Warnwesten. Sie sind an diesem Vormittag auf das Schlossgelände gekommen, um einen für Babenhausen besonderen Moment mitzuerleben: den symbolischen Baustart der neuen Kindertagesstätte. „Wir sind jetzt in der Umsetzungsphase“, sagt Alexander Graf Fugger-Babenhausen und die Freude über diesen Umstand ist ihm anzumerken. Der Abriss von Gebäuden, die nicht unter Denkmalschutz stehen, ist schon im Gange. Spätestens 2023 soll sie dann bezugsbereit sein, die kontrovers diskutierte Kita im Schloss.

Wie berichtet, werden ehemalige Ökonomiegebäude auf dem Gelände des Fuggerschlosses saniert und in eine Kindertagesstätte samt Krippe und Hort umgebaut. 165 Betreuungsplätze sollen entstehen. Bauherr ist das Haus Fugger, langfristiger Mieter wird die Marktgemeinde Babenhausen. Wie dieses Verhältnis konkret aussehen soll, das war lange Zeit der Knackpunkt des Projekts. Nach zähen Verhandlungen, so hört man, habe man sich bezüglich der Finanzierung geeinigt.

Graf Alexander und Bürgermeister Otto Göppel betonen, dass die Kita im Schloss für die Gemeinde nicht teurer kommt als ein Neubau, etwa auf der viel zitierten grünen Wiese. Sie bedeute eine Aufwertung des Ortskerns. Denkmalgeschützte Gebäude, die jahrelang brachlagen, erfahren eine neue, eine öffentliche Nutzung. Wegen dieses „Gesamtpakets“ stehen laut Graf Alexander für die Maßnahme auch deutlich höhere Zuschüsse als für einen Neubau ins Haus. Hinzukommt: Eine geeignete Fläche für einen Neubau hätte erst einmal zur Verfügung stehen müssen, so Göppel.

Mit Warnwesten, Helmen & Co. haben Kindergartenkinder den Baustart der Kita im Schloss eingeläutet. Dabei waren (hinten von links) der Kindergartenreferent des Marktrats Benedikt Neubauer, der Leiter der Kita Guter Hirte Reinhold Jungwirth, Alexander Graf Fugger-Babenhausen und Bürgermeister Otto Göppel.
Bild: Sabrina Karrer

Er erklärt, dass die Regierung von Schwaben nach einer Prüfung des Raumprogramms gerundet 3,45 Millionen Euro aus der FAG-Förderung zugesichert habe. FAG steht für Finanzausgleichsgesetz. Weitere fünf Millionen Euro sieht die Städtebauförderung des Freistaats für das Bauprojekt des Hauses Fugger vor.

Um mit diesen Geldern hantieren zu können, hat Babenhausen jeweils einen Eigenanteil aufzubringen. Beispiel Städtebauförderung: 80 Prozent der fünf Millionen sind Zuschüsse, 20 Prozent werden aus der Gemeindekasse stammen. Dieser Fördersatz kommt zustande, da sich Babenhausen der Initiative „Innen statt Außen“ verpflichtet hat. Unterm Strich muss der Markt 2,18 Millionen Euro beisteuern. Laut Graf Alexander ist das als eine Art „Mietvorauszahlung“ zu werten.

Babenhausen muss Kinderbetreuung dringend ausbauen

Die Baukosten wurden laut Göppel zuletzt auf etwa 10,8 Millionen Euro kalkuliert – bleiben also Summen offen. „Wir tragen den Rest. Wie hoch der ist, kann ich in drei Jahren sagen“, sagt Graf Alexander. „Das finanzielle Risiko bleibt im Haus Fugger.“ Es handele sich um einen siebenstelligen Betrag.

Darüber hinaus schlossen beide Parteien einen Mietvertrag über 30 Jahre mit der Option, ihn schrittweise auf 60 Jahre zu verlängern. Der Markt Babenhausen hat monatlich knapp unter drei Euro pro Quadratmeter Nutzungsfläche zu bezahlen. Gerechnet wird mit circa 2000 Quadratmetern – wobei das Gelände, das der Kita zur Verfügung stehen wird, fast dreimal so groß ist. „Wir müssen die Kriterien der Fördergeber erfüllen. Und unsere Miete liegt deutlich unter dem Maximum, das sie angesetzt haben“, sagt Graf Alexander. Unterhalts- und Instandhaltungskosten trägt ebenfalls der Vermieter.

Das Modell „mieten statt bauen“ ist übrigens nicht neu. Auch Mindelheim baut die Marcellin-Champagnat-Kindertagesstätte nicht selbst, sondern die Wohn-Baugesellschaft Mindelheim. Die Stadt mietet die Räume.

Die Erleichterung, sich geeinigt zu haben, ist nun groß. „Ich traue mich zu sagen, dass das eine der schönsten Einrichtungen Süddeutschlands wird“, sagt Graf Alexander. Bürgermeister Göppel verspricht sich von dem Projekt „eine Initialzündung für das Schlossareal“. Vor allem aber werde die Gemeinde damit ihrer Pflichtaufgabe gerecht, eine umfassende Kinderbetreuung anzubieten. Denn aktuell kann sie den Bedarf nur durch Provisorien decken. Der Markt hat zwei Kindergartengruppen eingerichtet, die übergangsweise in Räumen bei der Bücherei und im Keller des Kinderhauses „Hand in Hand“ untergebracht sind. Bei den Krippenplätzen kann Babenhausen nicht alle Anfragen bedienen, so Göppel.

Sobald die Arbeiten an der neuen Kita abgeschlossen sind, wird die Kindertagesstätte Guter Hirte – eine der vier kommunalen Betreuungseinrichtungen in Babenhausen – auf das Schlossgelände umziehen. Das aktuell genutzte Gebäude an der Schulstraße ist in die Jahre gekommen: „Es hat einen Standard von 1929, angepasst durch Umbaumaßnahmen. Die Räume sind eng, es gibt keine Ausweichmöglichkeiten mehr“, sagt Leiter Reinhold Jungwirth. „Statt wie im Moment auf mehrere Gebäude aufgeteilt zu sein, gibt es in der neuen Kita ausreichend Raum und kürzere Wege.“ Benedikt Neubauer, Kindergartenreferent im Marktrat, lobt das Engagement des Kita-Leiters: Er habe sich von Anfang an in die Planung eingebracht.

Auch am Langschloss in Babenhausen wird gearbeitet

Nicht nur an der Kita wird in den kommenden Monaten auf dem Fuggerareal gearbeitet. Auch das Langschloss ist eine Baustelle. Derzeit wird ein Teil des Daches saniert. Wegen des Wintereinbruchs wird es heuer aber wohl nicht mehr wie geplant geschlossen werden.

Es gibt weiterhin viel zu sehen rund um das Schloss – nicht nur für die Mädchen und Buben, die an diesem verschneiten Vormittag den großen Bagger bestaunen.

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