Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Nacharbeit nach dem Rauswurf

17.06.2009

Nacharbeit nach dem Rauswurf

Mindelheim (jsto) - Nach dem spektakulären Rauswurf von Ottobeurens Chefarzt und Ärztlichem Direktor Dr. Wolfgang Pflederer und der Trennung von Klinikumsvorstand Alfons Hawner findet am heutigen Mittwoch erstmals wieder eine Sitzung des Verwaltungsrats der Kreiskliniken statt.

Für Gesprächsstoff dürfte auf der nicht öffentlichen Sitzung gesorgt sein, die für den späten Nachmittag angesetzt ist. Nach der öffentlich bestätigten Trennung war es in Ottobeuren zu einer Solidaritätskundgebung für Dr. Pflederer gekommen, der sich große Verdienste um den Aufbau des Ottobeurer Krankenhauses verdient gemacht hatte.

Insbesondere führende Vertreter der CSU wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Josef Miller und Altlandrat Dr. Hermann Haisch waren unter jenen, die Pflederer unterstützen.

Nun soll heute nach Informationen unserer Zeitung ein Antrag der CSU-Kreistagsfraktion zur Sprache kommen. Darin fordert die Union, dass den beiden von der Kündigung betroffenen Mitarbeitern die Gelegenheit gegeben werden müsse, ihre Sicht der Dinge persönlich dem Verwaltungsrat vorzutragen. Dies war im Mai nicht geschehen. Sollte der Antrag eine Mehrheit finden, könnte es im Verlauf des Juli zu einer Sondersitzung des Verwaltungsrates kommen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Landrat und Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Joachim Weirather (Freie) hatte sowohl Alfons Hawner als auch Dr. Pflederer zu einer schriftlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen aufgefordert.

Diese war damals vor der Sitzung auch eingegangen. Die Mehrheit der CSU-Verwaltungsratsmitglieder sah damals nach einer Stellungnahme eines renommierten Arbeitsrechtlers aus Nürnberg keine Alternative zu der Trennung. Am 25. Mai hatte Landrat Weirather dann öffentlich die Begründung für die Trennung nachgereicht, nachdem auf der Kundgebung in Ottobeuren der Landrat in die Kritik geraten war.

Laut Weirather wurde der Sohn des Chefarztes, Sebastian Pflederer, von Hawner bei der Unterallgäuer Klinik-Service-Gesellschaft (UKS) eingestellt. Dieses Unternehmen hat fast ausschließlich mit der Reinigung der Krankenhäuser zu tun. Wie die Recherchen weiter ergeben hätten, sei das Gehalt von Sebastian Pflederer aus den Einnahmen der Behandlung von Privatpatienten von Dr. Pflederer sen. bezahlt und an die UKS überwiesen worden.

Einen Teil dieser Einnahmen erhalte der Kreis für die Bereitstellung der Einrichtungen, der andere Teil gehe an die Ärztekollegen. Dies sei vertraglich festgelegt. Die zu verteilenden Mittel hätten sich nun durch das Gehalt an Pflederer jun. entsprechend reduziert, den Kreiskliniken seien, so Weirather, "mit Wissen von Hawner" Einnahmen in Höhe von 36 000 Euro entgangen. "Wir mussten handeln, ansonsten hätten wie diese Vorgehensweise gedeckt", so der Landrat vor drei Wochen.

Auf der heutigen Sitzung soll noch ein zweiter Antrag behandelt werden. Die Freien Wähler wollen die Mitglieder des Verwaltungsrates zu mehr Disziplin bewegen. Nach der mehrheitlich beschlossenen Trennung von den leitenden Mitarbeitern hatte es nicht lange gedauert, und die Geschichte hatte ihre Kreise in der Öffentlichkeit gezogen. Die Freien mutmaßen offenbar, dass Mitglieder des Verwaltungsrates die sensible Personalangelegenheit nicht für sich behalten und die Information gezielt gestreut hätten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren