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Au

09.02.2018

Narrengericht in Au: Mildes Urteil für die Dissamr

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Und Werner Janke senior legte den Räten Fesseln an, hier Ewald Ott.
Bild: Jens Carsten

Bürgermeister Jürgen Eisen und einige Stadträte stehen in Au vor dem Narrengericht. Dabei bekommen sie ihre vermeintlichen Schandtaten zu hören – und müssen sich freikaufen.

Sie sind gerade noch einmal davon gekommen: „Freispruch“ hieß es am Ende für Bürgermeister Jürgen Eisen (als Gauner im Stil der 1920er Jahre verkleidet) und die Stadtratsmitglieder, die sich am Donnerstagabend in Au dem Narrengericht stellen mussten. Ganz ungeschoren blieben kostümierten Lokalpolitiker dabei freilich nicht: Vor den Augen zahlreicher fröhlicher Besucher gaben die beiden Richter Karl Hirdina und Werner Ohmayer sowie ihr frecher Gerichtsdiener Florian Rogg in kabarettistischer Manier so manch vermeintliche Schandtat zum Besten. Und hatten dabei die Lacher verdientermaßen auf ihrer Seite: die Pointen trafen, die Reime saßen. Zahlreiche Begebenheiten aus dem Illertisser (oder Dissamr) Ortsgeschehen hatten die Drei für ihren nahezu einstündigen Vortrag ausgesucht und kunstvoll in Reim- und Liedform gegossen.

Da ging es etwa um den Ausbau schneller Internetverbindnungen, der in Au nicht so recht vorankommen mag, wie der Anklage zu entnehmen war. „Do isch dia Netzgeschwindigkeit im Keller, selbscht Buschtrommla sind do noh schneller“, kritisierte Ohmayer. Auch mit dem Christbaum vor dem örtlichen (ehemaligen) Rathaus war man offenkundig nicht zufrieden, denn zahlreiche Lichter hätten nicht gebrannt – zum Unmut so manches Bürgers. „Do hand uire Bauhof-Leit scheint’s dia Lichterketta bloß nauf keit“, vermuteten die Richter. Spott ernteten der Rathauschef und Räte für das Illertisser Bestreben, sich als „Bienenstadt“ zu präsentieren. Den Titel habe Au mehr verdient, wo Karl August Forster einst zur Gewinnung eines Rheumamittels Deutschlands größte Bienenfarm unterhielt. „Bienadorf“ sollte der Ortsteil deshalb heißen, forderte man. Und zog das Fazit: „Und Dissamr, des ging ja au, soddat halt die Schnoka hau.“

Ein weiterer Anklagepunkt war die Josef-Weikmann-Halle – angeblich eine ewige Baustelle: Dort könne ähnlich wie am Ulmer Münster eine permanente Werkstatt, eine „Hallenbauhütte“, eingerichtet werden. Um die geplante Sanierung der Auer Dorfstraße sei es zuletzt still geworden, monierten die Narren zudem. Und behaupteten: die Betlinshauser Straße lasse sich ohne Geländewagen (oder besser „Es-Ju-Wi“) kaum noch befahren.

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Einen Vorschlag hatten die Richter zum verkehrsfreien Marktplatz in Illertissen zu machen – jener sollte künftig am besten täglich ab 20 Uhr gesperrt werden, da seien in der Stadt die Gehsteige eh bereits „nauf klappt“. Ein Thema war dann das neue Feuerwehrhaus, ein „Millionengrab“, wie die Auer fanden. Jenes sollte lieber den Titel „Löschpalast“ tragen, war zu erfahren.

Auch die Nachbarn aus Tiefenbach bekamen ihr Fett weg: Skeptisch beäugt wurde deren Einsatz für Tempo-30-Zonen. In diesem Ortsteil gebe es wohl immer Grund, sich zu beschweren, so die Richter. Ihre Idee dazu: „Bauat doch ums ganze Dorf a Klagemauer rum.“

Zu Gunsten der Angeklagten sprach unter anderem die neue Beleuchtung des Radwegs am Baggersee. „A guata Sach“, wie es hieß. Wenngleich nicht für alle: „Zum Bussiera isch’s a bissle minder. Ganga duat’s trotzdem, halt weiter hinda“, reimte Gerichtsdiener Rogg.

Milde fiel dann das Urteil aus: Gegen eine Zahlung von fünf Tagessätzen zu je zehn Litern Bier wurden Bürgermeister und Räte auf freien Fuß gesetzt. Artig verteilten sie den Gerstensaft unter den durstigen Fasnachtsfans, darunter zahlreiche Mitglieder des Carnevalsclubs, der Aumer Kröpf und der Bellenberger Käppellesräuber. Sie hatten zuvor das Alte Rathaus in Au gestürmt, die dort wartenden Regierenden in Ketten gelegt und Bürgermeister Eisen den Schlüssel abgeluchst. Jenen werden sie noch bis zum Aschermittwoch behalten.

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