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Illertissen

17.01.2020

Narrenzunft: Sie brachten die Hexen nach Illertissen zurück

Die mehrteiligen Pyramiden der alemannischen Hexen sind so kunstvoll wie bedrohlich. Auch die Waldschrath wollen damit beeindrucken.
Bild: R. Langhans

Plus Vor 25 Jahren hat sich Narrenzunft Illertaler Waldschrath gegründet. Ihre Geschichte geht auf eine gruselige Sage zurück.

Sie waren ein wilder bunter Haufen – die Hexen, die in den 1950er Jahren an Faschingstagen den Illertisser Marktplatz unsicher gemacht haben. Doch irgendwann verlief sich die Szene dann. Vor 25 Jahren kamen die Hexen dann zurück in die Stadt: Als nach schwäbisch-alemannischer Tradition auf einer Sage gründende Narrenzunft der Waldschrath und Waldwaibla. Derzeit sind es 49 Hexen, die heuer das 25-jähriges Zunftbestehen als Illertaler Waldschrath feiern. Die Gründer haben sich eine ziemlich gruselige Legende aus vergangenen Tagen zum Vorbild genommen.

Illertissen wurde die neue närrische Heimat der Fasnachtsfreunde

Diese kommt aus den Anfängen der Illertisser Geschichte, weiß die Hexe Claudia Hummler. Als Gründungsmitglied – damals noch mit Wohnsitz in Dietenheim – kann sie erzählen, wie alles zustande kam. „Wir waren eine Clique von Fasnachtsfreunden, die sich für den Umzug in Dietenheim jedes Jahr anders verkleidete.“ Dann hätten sie Lust bekommen auf einheitliche Kostüme – und die Idee einer eigenen Hexenzunft war geboren. Doch von diesen gab und gibt es in Dietenheim viele, ganz im Gegensatz zu Illertissen. Die Stadt am gegenüberliegenden Illerufer sollte ihre neue närrische Heimat werden.

Daniela Scheu, Jürgen Ludwig und Claudia Hummler feiern.
Bild: R. Langhans

Hummler berichtet: „Auf der Suche nach der geeigneten Sage haben wir uns im Illertisser Rathaus von den Ursprüngen der Stadt erzählen lassen.“ Sie erfuhren von hartherzigen Alemannenfürsten im Wasserschloss zu Tussa, wohl der Vorläufer des heutigen Vöhlinschlosses.

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So geht die Legende des Waldschrath

In der Legende der Waldschrath heißt es: „In jener Zeit war es üblich, dass die Bauern Frohndienste zu entrichten hatten. Da der Zins aber sehr hoch und die Ernten oft schlecht waren, lehnten sich einige gegen die Obrigkeit auf und flohen mit den Familien in den Illerwald.“ Eines Tages habe sie einer der Ihrigen verraten. Sie wurden überrascht und alle Männer und Kinder niedergemacht. Die Frauen (Waldwaibla) seien in die Stadt verschleppt, an den Pranger gestellt und zu Tode gesteinigt worden. Oder sie wurden an den Galgen gehängt. Die Leichen der Männer (Waldschrath) blieben zur Warnung für die anderen im Wald zurück. Die Legende endet wie folgt: „Einige Zeit danach berichteten immer wieder Reisende von schaurigen Gestalten, die im Wald umherirrten.“ Einige Reisende seien nie mehr gesehen worden.

Mit der Sage im Gepäck suchten die Waldschrath den Maskenschnitzer Erich Hasenmaile in Mettenberg bei Biberach auf. Er erhielt reichlich Informationen, um seine Eindrücke dann in die Gesichter zu meißeln: Die aus weichem Lindenholz geschnitzten Larven stellen einmal den gespaltenen, von Ästen überwachsenen Schädel mit einem hervorgequollenen Auge dar, eben den „Waldschrath“. Das Schicksal seiner armen, gepeinigten Frauen spiegelt sich im tränenüberströmten Gesicht der „Waldwaible“ wider. Auch beim Zusammenstellen des Häs stand der Holzbildhauer beratend zur Seite. Es dominieren grüne, graue und braune Farbtöne mit aufgenähten Flicken.

Hexen in Hosen gibt es in Illertissen nicht

Die erfahrene Hexe Jürgen Ludwig, seit 19 Jahren im Team, erklärt Einzelheiten: Etwa, dass Hexen immer Röcke trügen, darunter halblange weiße Unterhosen mit Spitzenbesatz. Dazu komme ein Lodenumhang aus Filz. „Es gibt keine Hexen in Hosen“, erklärt er.

Zwei Waldwaibla mit grün-braunem Häs und individuell geschnitzten Larven.

Da er ungern den Waldschrath als männlichen Typus darstellen wollte, rief er im Jahr 2001 die Waldwaibla ins Leben. Sie sind an ihren Schürzen und Kopftüchern zu erkennen, welche direkt an die Maske anschließen. Der Waldschrath trägt eine Kapuze über dem Kopf. Hexenkinder laufen im Kostüm mit. Ab dem 16. Lebensjahr ist ihnen auch das Tragen einer Maske gestattet.

Die fünfte Jahreszeit beginnt auch für die Waldschrath mit Häsabstauben und Narrentaufe. Später sind sie auf Brauchtumsabenden oder beim Narrenbaumstellen anzutreffen. Ihre Haupttätigkeit besteht aber in der Teilnahme an diversen Tag-, Dämmerungs- oder Nachtumzügen. Nicht fehlen dürfen da die Hexereien: etwa, den Zuschauern die Schuhbändel miteinander zu verknoten. Mächtige Zeichen sind zweifellos die bedrohlich aufgetürmten, fünf- bis sechsteiligen Pyramiden. Pressesprecherin Daniela Scheu ergänzt: „Früher haben wir eine Konfettitonne mitgeführt, doch die Papierschnipsel sind inzwischen oft unerwünscht.“ Gegen den Bonbonregen habe bislang aber noch niemand etwas gesagt.

Die Waldschrath gehören dem in Ulm sitzenden Dachverband für Narrenzünfte der Alb-Donau-Region (ADR) an. Vorsitzender Erich Schmutz sagt: „Wir unterstützen gerne das erforderliche Selbstbewusstsein zum Erhalt des Kulturerbes der schwäbisch alemannischen Fasnacht.“

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