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Vöhringen

10.07.2020

Neue Moschee in Vöhringen: Das plant die muslimische Gemeinde

So oder so ähnlich soll die Moschee von innen aussehen, die sich die muslimische Gemeinde in Vöhringen bauen möchte. Der Antrag wurde im Stadtrat jedoch abgelehnt.

Plus Der Bauausschuss muss kurzfristig über einen Antrag der muslimischen Gemeinde entscheiden. Das Gremium lehnt den Plan in der jetzigen Form entschieden ab.

Die muslimische Gemeinde in Vöhringen möchte eine neue Moschee bauen. Dieses Vorhaben hatte in der Vergangenheit bereits hohe Wellen geschlagen, zuletzt 2015: Der Stadtrat hatte dem Bau zugestimmt, Unterschriften gegen das Projekt wurden gesammelt und ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, das letztlich aus formalen Gründen scheiterte. Seinen unrühmlichen Höhepunkt erreichte der Protest, als Stadträte, die für den Bau gestimmt hatten, mit Kot beschmierte Briefe erhalten hatten. Deren Urheber ist noch immer unbekannt.

Gemeinde beantragt Moscheebau neu

Obwohl es den positiven Baubescheid aus dem Jahr 2015 gibt, hatte die muslimische Gemeinde seither nicht mit den Arbeiten für ihr Gebetshaus begonnen. Stattdessen stellte sie nun einen neuen Bauantrag, der kurzfristig auf der Tagesordnung des Vöhringer Bauausschusses gelandet ist, damit über den Antrag noch vor der Sommerpause abgestimmt werden kann. Bis nach den Ferien zu warten, sei rechtlich nicht möglich, erklärte Bürgermeister Neher ( CSU). Ein Bauantrag müsse vom zuständigen Gremium innerhalb von zwei Monaten bearbeitet werden.

Auch nach aktuellem Plan soll die Moschee auf einem Grundstück in der Adalbert-Stifter-Straße entstehen. Kritiker hatten damals unter anderem beklagt, das am nördlichen Ortsrand in einem Gewerbegebiet gelegene Grundstück habe eine zu prominente Lage. Das muslimische Bauwerk sei so weithin sichtbar.

So soll die Moschee aussehen

Die Ditib-Gemeinde will nun auf dem rund 2500 Quadratmeter großen Areal eine Moschee samt Minarett bauen. Timo Söhner vom Vöhringer Stadtbauamt hatte den Antrag im Bauausschuss vorgestellt. Seinen Ausführungen zufolge soll der Komplex aus zwei Baukörpern bestehen. Zur Straße hin ist ein grob würfelförmiges Gebäude geplant, etwa 16 Meter lang und breit, samt vorgelagertem Minarett. Das soll eine Höhe von rund 16 Metern bekommen. In dem vorderen Bau würde sich die eigentliche Moschee befinden, also der Raum, in dem sich die Gläubigen zum Gebet treffen. Im Erdgeschoss beten, wie im Islam üblich, die Männer, im Obergeschoss die Frauen. Die Kuppel über der Moschee soll laut Plan mit einer Blende überdeckt werden, sodass sie von außen nicht sichtbar ist. Im hinten angelagerten Anbau, circa 35 Meter lang und ebenfalls zweigeschossig, sollen zwei Schulungsräume und ein Konferenzraum untergebracht werden. Außerdem möchte die Gemeinde dort eine Wohnung für ihren Imam einrichten. 33 Parkplätze sind rund um den Anbau geplant.

480 Gläubige sollen in der Moschee Platz zum Beten finden

Für den Bau im Gewerbegebiet sind nach Angaben von Timo Söhner zudem einige Ausnahmen vom Bebauungsplan nötig, allein für die kirchliche Nutzung. Auch die zulässige Bauhöhe würde überschritten. Grundsätzlich könnten diese Ausnahmen nach Ansicht des Bauamts zwar genehmigt werden, doch bei den geplanten Dimensionen von Moschee und Anbau laute die Empfehlung der Verwaltung an die Stadträte, das städtebauliche Einvernehmen nicht zu erteilen. Söhner: „Die ganze Moschee ist sehr großzügig ausgestattet. Wir wissen nicht wirklich, ob das in dieser Größe stattfinden muss.“ Er äußerte außerdem Bedenken bezüglich des Gebietscharakters, wenn im Gewerbegebiet ein kirchlicher Bau dieser Dimension entstünde.

Die Moschee ist mit 480 Gebetsplätzen geplant. Die muslimische Gemeinde hat derzeit eigenen Angaben zufolge allerdings nur rund 300 Mitglieder. Der Konferenzraum soll rund 300 Quadratmeter groß sein.

Eine richtige Diskussion über das Bauvorhaben kam unter den Stadträten anschließend nicht auf. Nur Christoph Koßbiehl (SPD) und Markus Prestele (CSU) gaben jeweils ein Statement ab. Beide waren sich einig, dass die geplante Moschee mit Schulungsräumen und Konferenzsaal den Bedarf der örtlichen Gemeinde bei Weitem übersteige. So sagte Koßbiehl: „Wir sind sicher für freie Religionsausübung. Auch auf lokaler Ebene muss es ein Angebot für die lokale Gemeinde geben.“ Doch diese Moschee sei so groß, dass sie aller Voraussicht nach überregional genutzt werden würde. Wie Koßbiehl sprach auch Prestele die wohl nicht ausreichenden Stellplätze an. An Festtagen würden die geplanten Parkplätze wohl nur 20 Prozent des Bedarfs abdecken, so Prestele. „Wir können dem in dieser Dimension beim besten Willen nicht zustimmen.“

Das Ergebnis war am Ende einstimmig: Die Bauanfrage ist somit abgelehnt.

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