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Illertissen

29.06.2020

Neue Sonderausstellung im Museum für Gartenkultur

Wolfgang Hundbiss führt durch die Ausstellung mit interessanten Gartenutensilien, zum Beispiel diesem Mehrfach-Bohnenstupfer.

Plus Im Illertisser Museum für Gartenkultur bekommen Relikte aus der Gartenstadt Ulm neue Aufmerksamkeit. Wer weiß denn noch, was ein Mehrfach-Bohnenstupfer ist?

Wenn heute von Gartenkultur gesprochen wird, schweifen die Gedanken gerne mal in die blumigen Gefilde der Nachbarländer Frankreich oder England, wo das milde Klima zu üppigem Wachstum verhilft. Das Thema der diesjährigen Sonderausstellung im Illertisser Museum der Gartenkultur „Es grünte allenthalben – Vom Säen und Pflanzen“ hat hingegen etwas von „zurück zu den Wurzeln“.

Die dazugehörigen Gartenwerkzeuge, Ratgeber, Illustrationen hat Museumskurator Wolfgang Hundbiss aus ganz Europa, aber auch der einstigen Gärtnereien-Stadt Ulm-Söflingen zusammengetragen. Die Sonderausstellung mit mehr als 500 Exponaten macht wegen der Coronaeinschränkungen verspätet am Donnerstag, 2. Juli, auf und ist nur donnerstags von 11 bis 16 Uhr zu besichtigen. Dafür kann sie aber nach der Winterpause auch noch nächstes Jahr besucht werden.

Spargelhochburg Ulm?

Wer hätte gedacht, dass Ulm einmal für seinen Anbau von Wirsing, Kohl und Spargel weithin bekannt war? Letzterer erlangte Berühmtheit noch vor den heutigen Spargelhochburgen Schrobenhausen oder Schwetzingen, weiß Hundbiss. 1850 wurden 300.000 Spargelpflanzen von Ulm nach Amerika geliefert. Die meisten Gartenbaubetriebe siedelten in den günstigen Lagen rund um den heutigen Ortsteil Söflingen. Hundbiss bilanziert: „Um 1800 wurden 90 Gärtnereien gezählt, 100 Jahre später waren es halb so viele und aktuell sind es 20 Betriebe.“

Neue Sonderausstellung im Museum für Gartenkultur

Der, so weit bekannt, älteste deutsche Saatzuchtbetrieb wurde 1644 in Ulm von Tobias Banzenmacher gegründet. Es entstanden erste überregionale Samenhandlungen mit Qualitätsprüfungen, Portioniergeräten, einheitlich bedruckten Samentütchen und farbig illustrierten Werbetafeln für den Verkauf im Laden. Doch viele Gärtner zogen es vor, ihre Gemüse- und Blumensamen selbst zu ziehen. Denn traditionell wanderten die Händler auch von Ort zu Ort, und dabei war es nicht selbstverständlich, sortenreines keimfähiges Saatgut zu bekommen.

Gärtnereien versorgten die Bewohner der Großstadt

Hauptaufgabe der an der Peripherie siedelnden Gartenbetriebe sei es gewesen, die Großstädter mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen, so Hundbiss. In Ulm habe es auch etliche unter Vertrag stehende Gärtnereien gegeben. Man mag sich vorstellen, wie bei der Arbeit Wert auf höchste Effizienz gelegt wurde. Ein ganzes Arsenal an Gerätschaften und Arbeitshilfen sollte die aufwendige Handarbeit der Gärtner erleichtern. Die Ausstellung wartet mit Spezialwerkzeugen auf, deren kuriose Namen schon etwas von ihrer Funktion verraten: Sei es der Krümelrechen für feine Erde oder ein Mehrfach-Bohnenstupfer für viele gleichmäßige Löcher. Die Saatgeige erinnert in ihrer Bedienung für eine gleichmäßige Aussaat an die Bogenbewegungen beim Geigenspiel. Glas- oder Tonglocken dienen dem Frostschutz und sind die Vorläufer der Gewächshäuser.

Hundbiss, selbst Landschaftsarchitekt und Gärtner, hat mit Fachkenntnis und Leidenschaft Gartenutensilien aus drei Jahrhunderten gesammelt, die früher zum professionellen, gewerbemäßigen Säen und Pflanzen vonnöten waren. Etliches brachten ihm Ulmer Gärtner auch von sich aus, so der Ausstellungsleiter. Jede Menge Gartenwissen und praktische Erfahrung verbirgt sich hinter den vielen oft ähnlich aussehenden Exponaten, obwohl doch jedes einem bestimmten Zweck diente. „Gießkanne ist nicht gleich Gießkanne“, erschließt sich dem Museumsbesucher schnell beim Lesen der Beschriftungen: Freilandkannen, Mistbeetkannen, Gewächshauskannen oder Blumensprenger.

Eigentlich hat sich nichts geändert

Viele Faktoren hatten die Gärtner in ihrem Metier zu beachten, und für alles schien es ein Gerät zu geben, Wetterstationen, Bodenthermometer, sogar originelle Vogelscheuchen sind ausgestellt. Hundbiss erinnert: „Im Gegensatz zur maschinell betriebenen Landwirtschaft werden auch heute in kleineren Gärtnereien noch viele Arbeitsvorgänge in Handarbeit ausgeführt.“ Somit haben die teils historisch anmutenden Werkzeuge – etwa mit kunstvoll gedrechselten oder ganz einfachen selbstgefertigten Holzgriffen – nichts an Aktualität eingebüßt. Säen, pflanzen, gießen oder Unkraut jäten seien allen Gartenbesitzern vertraute Tätigkeiten, so der Museumskurator.

Die Ausstellung „Es grünte allenthalben – Vom Säen und Pflanzen“ geht Mitte Oktober in die Winterpause und öffnet im Frühjahr für eine weitere Saison.

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