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09.02.2018

Neuer Schwung für die Illertalbahn?

Auf der Illertalbahn zwischen Neu-Ulm und Kempten sollen künftig Elektro- statt Dieselzüge fahren. Die IHK Schwaben und die IG Illertalbahn begrüßen diese Ankündigung, fordern aber auch einen zweigleisigen Ausbau der Strecke.
Bild: Alexander Kaya

Auf der Strecke Neu-Ulm–Kempten sollen künftig Elektrozüge fahren, kündigt die Staatsregierung an. Die IHK Schwaben begrüßt das – will aber noch deutlich mehr.

Pendler können ein Lied davon singen: Auf der Illertalbahn von Ulm nach Memmingen ist das Gedränge groß. Besonders auf dem Abschnitt bis Senden geht es im Berufsverkehr allzu eng zu. 116 Personenzüge mit mehreren Tausend Fahrgästen sind dort jeden Tag unterwegs. Kommunalpolitiker fordern seit Jahrzehnten einen Ausbau der Strecke. Jetzt hat die bayerische Staatsregierung dieses Ziel erneut ausgegeben. Im Rahmen ihrer Elektromobilitäts-Strategie will sie dafür sorgen, dass unter anderem auf der Illertalbahn künftig Elektro- statt Dieselzüge fahren.

„Es ist gut, dass die Strecke dabei ist“, sagte Peter Stöferle, Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, zu dem Vorstoß der Staatsregierung. Die Strecke Ulm–Senden–Illertissen–Memmingen sei „unglaublich überlastet“. Die Züge seien sehr voll und sehr verspätungsanfällig. Die Illertalbahn sei insgesamt eine der dichtestbefahrenen eingleisigen Strecken in Deutschland. Aus Sicht der IHK ist deshalb klar: Die geplante Elektrifizierung ist wichtig, aber auch ein zweigleisiger Ausbau ist notwendig und muss vorangetrieben werden. Weil in der Ankündigung des Verkehrsministeriums bislang nur von einer Elektrifizierung von Ulm bis Kempten die Rede ist, befürchtet die IHK, „dass man auf halber Strecke stehen bleibt“, so Peter Stöferle. Wenn auf der Illertalbahn künftig Elektrozüge fahren sollten, müsse auch der Abschnitt bis Oberstdorf eine Oberleitung erhalten. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Schnellzüge, die auf der Strecke derzeit noch verkehren, wegfallen. Derzeit fahren täglich zwei IC-Züge zwischen Dortmund und Oberstdorf. Die sind vor allem für Touristen wichtig, weshalb insbesondere Politiker und Wirtschaftsvertreter aus dem Allgäu auf eine durchgehende Elektrifizierung der Illertalbahn drängen. „Wir sind der Meinung, dass Ulm-Kempten nur der Einstieg sein kann“, formuliert Peter Stöferle den Standpunkt der IHK. Ihm ist aber auch klar: „Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis man in die Gänge kommt.“

Das liegt auch an den Kosten. Bei der Elektrifizierung geht das bayerische Verkehrsministerium für die Strecke von Neu-Ulm nach Kempten einschließlich der Abzweigung von Senden nach Weißenhorn von bis zu 190 Millionen Euro aus. Die Kosten für einen zweigleisigen Ausbau sind noch unklar. Zuständig für die Finanzierung ist ohnehin der Bund. Der Freistaat fordert deshalb von diesem ein Sonder-Elektrifizierungsprogramm.

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„Wir erhoffen uns Schwung für das Projekt“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger (CSU), der auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Illertalbahn ist, die vor drei Jahren gegründet wurde. Die Strecke sei ja auch Teil der Regio-S-Bahn-Konzeption. Wünschenswert sei auf jeden Fall beides – die Elektrifizierung und der zweigleisige Ausbau. Derzeit werde gerade ein Gutachten erstellt. Dieses solle aufzeigen, welche Infrastrukturmaßnahmen nötig seien, um den angestrebten Halb-Stunden-Takt im S-Bahn-Netz zu verwirklichen. Freudenberger geht davon aus, dass das Papier im Laufe des Jahres vorliegt. Auch zusätzliche Bahnhalte auf der Strecke, vor allem im Bereich Memmingen, stünden zur Diskussion. Alle Beteiligten bräuchten allerdings Geduld. Bahnprojekte wie dieses bedeuteten das Bohren dicker Bretter.

Die Bahn äußerte sich nur allgemein zu dem Vorstoß der Staatsregierung. „Wir freuen uns, dass Verkehrsminister Herrmann die Initiative ergriffen hat und den politischen Nachdruck auf den weiteren Ausbau des elektrischen Bahnnetzes in Bayern legt“, erklärte Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern. Heuer werde die Bahn mit der Elektrifizierung der 155 Kilometer langen Strecke von München nach Lindau beginnen.

Für die Illertalbahn gibt es noch keinen Zeitplan. Dass es bis zur Elektrifizierung noch sehr lange dauern könnte, legt allerdings eine Mitteilung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft vom Herbst vorigen Jahres nahe. Demnach soll die DB Regio AG künftig den Regionalverkehr im Dieselnetz Ulm betreiben, zu dem auch die Linien Ulm–Memmingen und Ulm–Weißenhorn gehören. Für Fahrgäste soll es Angebotsverbesserungen zwischen der Münsterstadt und Weißenhorn sowie Vöhringen geben. Außerdem einen stündlichen Halt in Gerlenhofen. Von Elektrozügen war in der Ausschreibung keine Rede.

Auf der Strecke Ulm–Memmingen sollen vielmehr Neufahrzeuge vom Typ Alstom Coradia Lint zum Einsatz kommen, das sind Nahverkehrs-Dieseltriebwagen. Und die sollen noch eine ganze Weile fahren: Der Vertrag mit der DB Regio beginnt im Dezember 2020 und läuft bis Dezember 2032. "Kommentar

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