Ulm/Neu-Ulm

08.03.2018

Not im Sozialkaufhaus

In zwei Secondhandläden ermöglicht die Neue Arbeit langzeitarbeitslosen Menschen eine Beschäftigung und Qualifizierung. Im separten Bereich Sozialkaufhaus dürfen nur nachweislich Bedürftige einkaufen.
Bild: Alexander Kaya

Warum die annähernde Vollbeschäftigung den Betrieb der „Neuen Arbeit“ in der Doppelstadt erschwert.

Vor zwei Jahren floh Huda Abdehak aus der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Deutschland. Nun steht die Mutter von drei Kindern hinterm Tresen des Secondhand-Ladens in der Ulmer Büchsengasse. Die 45-Jähriger nimmt Teil an einem Projekt der Agentur für Arbeit, die durch solche „Arbeitsgelegenheiten“ (AGH) Menschen, die Probleme haben einen Job zu finden, an regelmäßige Betätigungen zu gewöhnen.

Die gemeinnützige Gesellschaft „Neue Arbeit“ betreibt in der Doppelstadt zwei Sozialkaufhäuser mit 25 AGH-Plätzen in Neu-Ulm und 22 in Ulm. Doch wie Peter Roth, der Regionalgeschäftsführer, bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer (CDU) beklagte, wären von den 47 Plätzen derzeit nur 35 besetzt.

Der Grund: Durch die annähernde Vollbeschäftigung würden auch Menschen, die früher in einem derartigen Projekt landeten, einen Job auf dem ersten, also dem ungeförderten Arbeitsmarkt finden. Die Arbeit im Sozialkaufhaus mit den Langzeitarbeitslosen mache diese eigentlich erfreuliche Tatsache aber nicht einfacher. Denn wer nun von der Agentur für Arbeit einen AGH-Platz zugewiesen bekommt, der habe gleich mehrere Vermittlungshemmnisse, also Gründe, keinen Job zu bekommen. An erster Stelle stehe hier insbesondere die Sprachbarriere. Etwa bei Flüchtlingen aus Syrien. Weitere Hemmnisse sind Krankheiten. Birgitt Wölbing, die Geschäftsführerin der Neuen Arbeit, nutzt den Besuch der Bundestagsabgeordneten um die Bedeutung des Sozialen Arbeitsmarkts zu betonen. Seit Jahren bleibe die Zahl der Langzeitarbeitslosen gleich hoch. Es gebe nun mal eine große Anzahl von Menschen, die in einem an Leistung und Effizienz orientierten Arbeitsmarkt keine Chance hätten. Es sei gut, dass im Koalitionsvertrag von Union und SPD ein mit öffentlichen Mitteln geförderten Arbeitsmarkt geplant sei. Nun müsse er auch umgesetzt werden. Seit zehn Jahren ist Uwe Sauder Filialleiter des Geschäfts der Neuen Arbeit in der Büchsengasse. In diesem Jahrzehnt seiner Tätigkeit gebe es konstant 5000 Kunden mit Kundenkarte. Zum Höhepunkt der Flüchtlingswelle seien ziemlich plötzlich und spürbar mehr Kunden geworden, doch dieser Andrang habe längst nachgelassen. Die beiden Häuser in Ulm und Neu-Ulm sind zweigeteilt. In einen Laden für Sachen aus zweiter Hand, in dem jeder einkaufen kann sowie das eigentlich Sozialkaufhaus.

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Hier kann nur einkaufen, wer sich mit Karte der Tafelläden, ALG II- oder, Sozialhilfe-Bescheid als bedürftig ausweisen kann. Besonders viel los sei immer am Dienstag: Dann kostet jedes ohnehin reduzierte Teil nur einen Euro.

Das Geschäft mit Waren aus zweiter Hand sei nicht immer ganz einfach. Manche Kunden, die ihre abgetragene Kleidung auf Kommission überlassen, wären geradezu unverschämt. „Die wollen zwei Euro für ein T-Shirt, das sie in Stuttgart für einen Euro gekauft haben“, sagt Sauder.

Und auch beim Schnäppchen–Dienstag vermutet der Filialleiter hinter manchem Einkauf ein Ebay-Geschäftsmodell. „Es ist schon auffällig, wenn Kunden 30 Teile zu je einem Euro kaufen.“ Doch auf Kontrollen will die Neue Arbeit in ihrem für jeden zugänglichen Secondhand-Laden verzichten. Zumal das Angebot auch äußerst breit gestreut sind. Nagelneue Golfschuhe etwa, stehen im Regal. Für 25 Euro eigentlich ein Schnäppchen. Doch in Ulm und Neu-Ulm bei der Neuen Arbeit doch eher ein Ladenhüter.

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