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Illertissen

05.03.2018

Offene Münder in der Schranne

Mit Darbietungen, wie sie sonst im Opernhaus zu erleben sind, begeisterten Elena Filipova und Shivko Shelev ihr Publikum in der Illertisser Schranne. Dabei wurden sie von Alexander Raytchev am Flügel begleitet.
Bild: Regina Langhans

Sopranistin Elena Filipova und Tenor Shivko Shelev bezauberen 200 Besucher beim Operettenabend von „Kultur im Schloss“. Dabei durfte nicht nur zugehört werden.

Zu Besuch bei der ungarischen Gräfin Mariza oder mit der Lustigen Witwe ins „Maxim“, wie es in einem Lied heißt? Wer am Samstagabend auf Einladung des Freundeskreises „Kultur im Schloss“ (Kis) in der Schranne in Illertissen war, hat mit der Sopranistin Elena Filipova und dem Tenor Shivko Shelev beides erleben können. Alexander Raytchev begleitete die beiden souverän am Flügel. Neben den beiden Ohrwürmern aus Operetten von Emerich Kálmán (1882 bis 1953) und Franz Lehár (1870 bis 1948) – sie gelten als Mitbegründer der sogenannten silbernen Operettenära – waren weitere musikalisch aufregende Momente geboten. Das Konzert stand unter dem Motto „Oper, Operette, Lied“ und alles drehte sich um Liebe, Leid und Leidenschaft. Rund 200 Zuschauer waren gekommen, um sich in Stimmungen von „himmelhoch jauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ versetzen zu lassen, im Rhythmus mit zu klatschen oder gar mitzusingen, denn dazu hatte die Sängerin eigens ermuntert.

Der Abend endete mit Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ (aus: Das Land des Lächelns) so temperamentvoll, wie er mit dessen Lied „Freunde das Leben ist lebenswert“ begonnen hatte: Während Raychev auf der Bühne das Lied am Flügel einspielte, überraschte Shelev mit kräftiger Tenorstimme auf der Treppe zum Schrannenobergeschoss und kam singend nach vorne. Mit dem theatralischen Auftritt hatte er schon das Publikum für sich gewonnen. Ebenso Raytchev als perfekter Klavierbegleiter, indem er mit der notwendigen Zurückhaltung sensibel alle Stimmungslagen mittrug. Je nachdem, ob der Gesang mit ausladender Schlussgeste endete, verstand er es, diese aus dem oft furios gesetzten Schlussakkord heraus elegant nachzuahmen. Beim Spiel seiner eigenen Komposition legte er dann richtig los.

Spannung war angesagt beim Auftritt von Sopranistin Elena Filipova – und sie enttäuschte in ihrem barock anmutenden Ballkleid mit Schärpe keineswegs. Das Auftaktlied war das effektvoll vorgetragene „Ave Maria“, das Charles Gounod nach der ersten Etüde aus Johann Sebastian Bachs Fugenwerk verfasst hat. Mit großartiger Bühnenpräsenz übernahm sie meist die Moderation, wobei sie aus „Loriot’s kleinem Opernführer“ zitierte. Sie hatte ihn noch als Operettenkommentator erlebt. Der Abend für Glanznummern begann mit Auszügen aus Opern: Etwa Giacomo Puccinis „Babbini caro“ aus „Gianni Schicci“, wobei die Sopranistin in den höchsten Lagen eine lustige Liebesgeschichte erzählte. Zu den Höhepunkten gehörte auch Shivko Shelev mit dem in warmen Tonfarben gesungenem „Lamento die Federico“ aus der Oper L’Arlesiana von Francesco Cilea. Und beide zusammen als aufeinander zugehendes Paar im harmonierenden Duett bei „Libiamo“ aus Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“. Mit der Erklärung, „die Oper ist die Großmutter der Operette“, leitete Filipova zum zweiten Teil über. Mit Blick auf zeitgenössische Bühnenwerke bezeichnete sie das Musical als Enkelkind der Operette. Passend zur beschwingteren Operette hatten die Solisten ihr Kostüm gewechselt: Die Sopranistin nun in schwarz-weiß-karierter Robe und der Tenor im weißen Sakko. Dazu trug er eine rote Bauchbinde, etwa um im impulsiven Duett das „Jaj Mamam Bruderherz“ mit Filipova aus Emerich Kálmáns Csárdásfürstin optisch zu unterstreichen.

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Romantik pur herrschte dann bei einer Passage aus Johann Strauß’ Operette „Der Zigeunerbaron“ und bei Friedrich Schröders „Ich tanz mit dir in den Himmel hinein“.

Mit Zugaben dankten die Künstler für reichen Applaus. Dabei war die lustige Tarantella „Funiculí, funiculà“ von Gioacchino Rossini der passende Abschluss für ein Konzert voll gesungener Lebensfreude.

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