Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Ohne Passierschein geht in Weißenhorns Partnerstädten nichts

Weißenhorn

30.03.2020

Ohne Passierschein geht in Weißenhorns Partnerstädten nichts

Ein Polizeibeamter kontrolliert am Eingang eines Marktes in Paris Passanten. Auch in Weißenhorns Partnerstadt Villecresnes, 20 Kilometer außerhalb der Hauptstadt gelegen, gelten wie überall in Frankreich sehr strenge Ausgangsbeschränkungen.
2 Bilder
Ein Polizeibeamter kontrolliert am Eingang eines Marktes in Paris Passanten. Auch in Weißenhorns Partnerstadt Villecresnes, 20 Kilometer außerhalb der Hauptstadt gelegen, gelten wie überall in Frankreich sehr strenge Ausgangsbeschränkungen.
Bild: Thibault Camus/AP/dpa

Plus In Villecresnes in Frankreich und in Valmadrera in Norditalien gelten noch schärfere Regeln als in Bayern. Ein Landsmann schickt einen Appell.

In der sonst quicklebendigen Stadt ist es sehr still geworden. Auch in Valmadrera, Weißenhorns Partnerstadt am Comer See, ist das öffentliche und soziale Leben durch die in Italien verhängten Ausgangssperren komplett zum Erliegen gekommen. So schildert es der Deutsche Stefan Moll, der unter dem Titel „Post vom Lario“ Weißenhorner mit Informationen aus Valmadrera versorgt.

Am Wochenende berichtete Moll von etwa 1200 bestätigten Personen in der Provinz Lecco, die an Covid 19 erkrankt sind. Die norditalienische Partnerstadt liegt in dieser Provinz. Die vom Coronavirus besonders dramatisch betroffene Stadt Bergamo ist nur knapp 40 Kilometer entfernt. Mittlerweile werde aber allgemein davon ausgegangen, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten um ein Vielfaches höher liege, berichtet Moll. Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, seien die Ausgangsbeschränkungen mit dem jüngsten Dekret von 22. März nochmals drastisch verschärft worden.

Valmadrera liegt idyllisch am Comer See in Norditalien. Eine im April geplante Reise von Weißenhorn in die Partnerstadt wurde wegen der aktuellen Lage um ein Jahr verschoben.
Bild: Archivfoto Christian Schenk

Alle Geschäfte und auch Firmen, die Waren und Dienstleistungen anbieten, die nicht für die Grundversorgung der Bevölkerung notwendig sind, haben schon seit einiger Zeit geschlossen, ebenso Bars und Restaurants. Öffentliche Einrichtungen haben die Öffnungszeiten aufs Nötigste reduziert und alle Baustellen stehen still. Sport und Spaziergänge sind nur noch alleine und im direkten Umkreis der Wohnung gestattet, gleiches gilt Moll zufolge für das Ausführen von Haustieren. Parks, Rad- und Wanderwege seien deshalb ebenfalls geschlossen worden.

Ohne Passierschein geht in Weißenhorns Partnerstädten nichts

Des Weiteren schreibt Moll: „Wer kann, darf nur noch einmal pro Woche zum Einkaufen gehen und auch nur eine Person pro Haushalt. Für alle, die nicht aus dem Haus können oder wollen, gibt es verschiedene Supermärkte und Geschäfte, die nach Hause liefern oder zum Beispiel über das Rote Kreuz einen Einkaufsservice organisiert haben.“ Wer aus dem Haus geht, muss demnach eine entsprechende Selbsterklärung mitführen und bei einer Polizeikontrolle vorzeigen. Wer ohne zwingenden Grund draußen unterwegs ist, muss nun mindestens 400 Euro pro Fall und Person bezahlen.

Zehn Jahre Partnerschaft mit Villecresnes: Festakt wird wohl verlegt

Ähnlich strikt ist das Vorgehen der Behörden in Villecresnes, gut 20 Kilometer außerhalb von Paris. Wer die Wohnung verlassen wolle, brauche einen Passierschein, berichtet Jean-Claude Gourmet, der Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Weißenhorn - Villecresnes. Das sei auch der Fall, wenn man zum Arzt gehe. „Und man darf nur eine Stunde von daheim weg sein“, ergänzt Gourmet. Spaziergänge seien maximal zu zweit erlaubt.

Wie strikt die Kontrollen von Polizei und Militär in Frankreich sind, hat auch Gourmets Bruder erlebt, der in Colmar im Elsass lebt. Jeder, der hinausgeht, müsse gut planen, erzählt der Vorsitzende des deutsch-französischen Partnerschaftsvereins. Bis auf das Nötigste sei alles stillgelegt, Veranstaltungen finden ohnehin nicht mehr statt.

Dabei sollte in diesem Jahr eigentlich das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Weißenhorn und Villecresnes gefeiert werden. Gourmet rechnet nicht damit, dass der für Juni geplante Festakt in der Stadthalle stattfinden kann. „Und im Juli und im August haben die Franzosen Urlaub“, fügt er hinzu. Wahrscheinlich werde alles auf 2021 verschoben. Momentan liegen die Aktivitäten auf Eis.

"Valmadrera hat einen Vorsprung von drei bis vier Wochen"

Das gilt auch für den Verein der Freunde Valmadreras. Wie der „Framici“-Vorsitzende Christian Schenk berichtet, wurde die für April geplante Busreise „Primavera al Lago di Como“ auf April 2021 verschoben, ebenso abgesagt wurde der Deutschunterricht von Ursula und Udo Schramm an zwei Schulen in Valmadrera. Auch die im Sommer und Herbst geplanten Besuche aus Italien, zum Beispiel zum 150-Jahr-Jubiläum der Feuerwehr Weißenhorn, seien unsicher, sagt Schenk.

Groß ist in allen drei Städten die Hoffnung, dass die Ausgangsbeschränkungen bald Wirkung zeigen. Stefan Moll jedenfalls appelliert in seinem aktuellen Bericht an die Weißenhorner: „Valmadrera hat in Sachen Coronavirus und Maßnahmen einen Vorsprung von circa drei bis vier Wochen. Macht es richtig und haltet euch an die Auflagen – alles andere bringt nichts und gefährdet nur euch und eure Familien!“

Mehr über Weißenhorn und seine Partnerstädte lesen Sie hier:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren