Newsticker
Ämter melden 15.974 Corona-Neuinfektionen und 1148 neue Todesfälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Palette „Dein Hass-Ort in Illertissen“: Studentin erklärt Hintergrund der Aktion

Illertissen

13.07.2020

Palette „Dein Hass-Ort in Illertissen“: Studentin erklärt Hintergrund der Aktion

Eine Holzkonstruktion mit der Aufschrift „Dein Hass-Ort in Illertissen“ erregte vor Kurzem am Marktplatz Aufmerksamkeit.
Bild: Sabrina Schatz

Plus Eine Installation hat kürzlich am Illertisser Marktplatz Aufmerksamkeit erregt. Der Bauhof baute sie zügig wieder ab - trotz Genehmigung. Über ein Missverständnis und ein Angebot.

Sie haben viel Aufmerksamkeit erregt: die Paletten, die kürzlich an einem Dienstagmittag auf dem Marktplatz standen. „Dein Hass-Ort in Illertissen“ war darauf zu lesen – ein Appell an Passanten, unliebsame Stellen in der Vöhlinstadt kundzutun. Lange hatten sie dazu aber nicht Gelegenheit. Noch am selben Nachmittag baute der Baufhof das Holzgestell ab; Bürgermeister Jürgen Eisen zeigte sich gegenüber unserer Redaktion irritiert über die Aktion. Nun hat sich die Urheberin gemeldet. Sie habe die Paletten im Rahmen einer Bachelorarbeit aufgestellt – ohne böse Absicht, versichert sie im Gespräch mit der IZ. Und eigentlich auch mit Erlaubnis. Es handelte sich offenbar um ein Missverständnis. Eines, das am Ende noch in etwas für beide Seiten Positives resultieren könnte.

Eleftheria Giannakidou studiert Kommunikationsdesign an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Ulm. Kurzum, erklärt die 22-Jährige, gehe es in diesem Fachbereich darum, Informationen verständlich und visuell ansprechend zu vermitteln. Das hat sich die Studentin auch in ihrem Abschlusssemester zur Aufgabe gemacht. Und: „Ich wollte etwas Positives für Illertissen bewirken.“

Studentin war schon im Jugendparlament

Giannakidou ist in Illertissen aufgewachsen, war schon Mitglied des Jugendparlaments und hatte nach eigenen Worten immer viel Spaß an der Zusammenarbeit mit der Stadt. Daher wollte sie Illertissen in ihrer Bachelorarbeit aufgreifen. Auch wenn die These etwas wortreicher formuliert ist: Im Grunde hat sich die Studentin vorgenommen, durch visuelle Kommunikationsmittel und Nutzung des öffentlichen Raums den Austausch zwischen Bürgern und Stadt zu verbessern – „quasi ein Sprachrohr zu gestalten“.

Die Palettenkonstruktion am Marktplatz war eine Befragungsstation. Anhand dieser und einer Online-Umfrage wollte Giannakidou den Themenbereich ergründen, in dem die Illertisser am meisten Potenzial für Verbesserungen sehen. Denn wie berichtet, wurden per Palette nicht nur „Hass-Orte“ gesucht. Auf der anderen Seite der Konstruktion war zu lesen „Welche Bereiche in Illertissen sollten sich am stärksten verbessern?“. Zur Wahl standen Kategorien wie Digitalisierung, Stadtbild und Mobilität. Den meistgenannten Aspekt wollte die 22-Jährige im Anschluss näher beleuchten. Die „Hass-Orte“ hingegen sollten nur Ausgangspunkt für eine weiterführende Arbeit sein.

Als die Studentin die Paletten an jenem Dienstag aufgestellt hatte, musste sie kurz weg, erzählt sie. Als sie wiederkam, um die Aktion zu dokumentieren, war das Gestell verschwunden. Zu ihrem Erstaunen, denn: Sie hatte das Rathaus informiert, dass sie am Marktplatz eine Befragungsstation aufbauen möchte. „Das ist genehmigt worden und ich habe auch dafür bezahlt.“

Diese Palette stand an einem Dienstagmittag am Illertisser Marktplatz.
Bild: Sabrina Schatz

Bürgermeister Eisen: Klare Absprachen sind wichtig

Das bestätigt Bürgermeister Jürgen Eisen, der selbst keinen Kontakt zur Studentin hatte. Wie er inzwischen in Erfahrung brachte, hatte die Illertisserin die Aktion „Anbringen eines Aufstellers in der Hauptstraße beim Marktbrunnen“ in der Tat genehmigen lassen und eine Gebühr in Höhe von 25 Euro entrichtet. Im Antrag sei von einer Installation in Form einer Umfrageerhebung die Rede gewesen – was laut Bürgermeister „soweit in Ordnung war“. Die Formulierung „Hass-Ort in Illertissen“ auf einer unübersehbaren Konstruktion allerdings war nicht das, so Eisen, „was man sich auf dem Marktplatz wünscht“. Der Lerneffekt: Klare Absprachen sind wichtig. Im Rückblick sagt Giannakidou: „Ich kann verstehen, dass die Tonalität nicht ganz gepasst hat.“ Hinzukam laut Eisen, dass für Außenstehende nicht erkennbar war, wer hinter der Umfrage steckt.

Die Paletten brachte der Bauhof der Studentin kostenfrei nach Hause zurück; die 25 Euro bekam sie dem Bürgermeister zufolge zurückerstattet. Zudem habe die Stadt ihr angeboten, eine Bürgerumfrage grundsätzlich gerne zu unterstützen. Die Verwaltung habe schließlich selbst großes Interesse daran, mehr darüber zu erfahren, womit die Einwohner zufrieden sind und in welchen Punkten sie noch Wünsche haben.

Einen Hinweis darauf liefert die Online-Umfrage. Der Punkt, in dem die Befragten das meiste Potenzial sehen, ist Digitalisierung. „Damit kann ich weiterarbeiten“, so Giannakidou.

Lesen Sie außerdem folgende Nachrichten aus Illertissen:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren