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Ulm

13.08.2018

Party unter Regenbogenfahne: Christopher Street Day in Ulm

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Zur bunten Demonstration gegen Homophobie zeigten auch Lony, Marylou und Fenja (bunte) Flagge. Zum achten Mal fand der Christopher Street Day in Ulm statt.
Bild: Andreas Brücken

Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung haben sich zum Christopher Street Day in Ulm getroffen - und erzählen von ihren Erfahrungen.

Auf dem Rathausplatz riecht es nach Bratwürstchen. Kaffee und Kuchen werden über die Theke gereicht, während eine riesige Regenbogenfahne über die ganze Länge des Ulmer Rathauses herabhängt.

Auch viele Besucher haben sich die bunten Fahnen umgehängt oder sind farbenfroh geschminkt. „Wir wollen gegen Homophobie demonstrieren und einfach miteinander feiern“, sagt Fenja. Schlechte Erfahrungen wegen ihrer Homosexualität mache sie mit ihren Mitmenschen im Alltag nur selten, erzählt die junge Frau und fügt hinzu, dass jedoch in der Anonymität des Internets die Äußerungen über dieses Thema aggressiver seien. Ihre Freundin Marylou hätte, wie sie sagt, unter dem Unverständnis ihrer arabischen Verwandtschaft zu leiden.

Sarah und Jasmin Brändle sind verheiratet. Die beiden tragen ihr eineinhalbjähriges Töchterchen Lara abwechselnd auf dem Arm. Dass das klassische Familienbild von Vater, Mutter und Kind die einzige Form sein soll, wollen sie nicht glauben: „Viele geschiedene heterosexuelle Paare zeigen, dass das auch schief gehen kann“, sagt Jasmin, während Sarah vermutet, dass schwule oder lesbische Paare schon wegen der vielen gesellschaftlichen Herausforderungen viel früher auf die Probe gestellt würden: „Dann trennt man sich nicht mehr so schnell.“ Der Kontakt zu Laras Vater sei immer gegeben, weil das Kind sicher einmal nach seiner Herkunft fragen werde, sagt Jasmin.

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Rund 800 Gäste trafen sich teils bunt geschminkt unter dem Motto „Diversity welcome“ auf dem Rathausplatz.
Bild: Andreas Brücken

Harald Bayer ist 41 Jahre alt, Beamter bei der Polizei, schwul, „und das ist gut so“, sagt er und setzt dabei ein selbstbewusstes Lächeln auf. Vor neun Jahren hat sich der Polizist vor seinen Kollegen geoutet. „Das war das Beste, was ich je machen konnte und ich bereue nur, dass ich es nicht schon früher getan habe“, sagt er. Die Reaktion sei überwiegend positiv gewesen.

Am Stand des Vereins lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (VelsPol) steht er mit weiteren Kollegen, um über die Arbeit des Mitarbeiternetzwerkes von Polizei, Justiz und Zoll zu informieren. Für zwei Unterrichtsstunden stellt sich Bayer vor jeden Jahrgang der Polizeischulen, um für dieses Thema zu sensibilisieren. „Das Interesse ist in der Regel größer als die Zeit, die mir zur Verfügung steht“, sagt Bayer.

Harald Bayer und Thomas Ulmer (rechts) informieren über ihren Verein.
Bild: Andreas Brücken

Dass es damals wie heute zu Vorurteilen komme, sieht Bayer gelassen: „Die versuche ich im persönlichen Gespräch zu klären.“ Sein Kollege Thomas Ulmer fügt hinzu: „Wir sind schließlich noch nie in Federboa oder Stöckelschuhen zum Dienst erschienen.“

Im Dienst hätten weder er noch sein Kollege jemals Probleme wegen ihrer Homosexualität gehabt. Schwieriger sei es gewesen, als er vor fast 30 Jahren der Polizei beigetreten ist. Damals war Homosexualität noch durch den Paragrafen 175 unter Strafe gestanden, erinnert sich der Kriminalbeamte. Im Jahr 1994 wurde das Gesetz dann ersatzlos gestrichen.

Etwa 800 Besucher sind zum CSD gekommen, vermutet die Mitorganisatorin Aline Müller. Zum achten Mal hat der Verein zur Party der Vielfalt eingeladen: „Willkommen ist dabei jeder, solange er sich friedlich verhält“, heißt es.

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